Dabei warfen die Oppositionellen besonders in den letzten Tagen noch einmal derart viel Plakate an die Front, dass man sich wegen ihrer anscheinend üppigen finanziellen Ausstattung schon wundern musste. Des Nachts machten sich dann Aktivisten mit Farbeimern ans Werk, um beispielsweise Budapester Wählern am nächsten Tag in schwarzen Lettern weiszumachen, sie könnten in ihrem Wahlkreis über den zukünftigen Győrer OB abstimmen.

Neben solchen, eher konventionellen Ideen hatte einige Wahlkämpfer aber auch ganz neuartige Einfälle. So kam das Team um den linken Spitzenkandidaten des II. Bezirks auf die Idee, einmal die zahlreichen hier lebenden und zu großen Teilen wahlberechtigte Ausländer anzusprechen. So erschienen mit einem Mal zahlreiche zusätzliche Plakate im Straßenbild, im gewohnten Layout, allerdings mit fremdsprachigem Text, es gab sogar deutschsprachige Plakate.

Da aber auf Plakaten nun einmal nicht so viel Botschaften untergebracht können, gab es parallel dazu auch noch eine Mailing-Aktion. Weil man ja genug Geld hatte, oder zumindest bald zu haben glaubte, schonte man auch hier keine Kosten und führte die Aktion ganz ohne E-, also so richtig mit Brief und Kuvert durch. So hatten dann viele potenzielle ausländische Wähler im II. Bezirk auf einmal einen netten Brief von Gergely Örsi im Briefkasten.

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So intensiv und personalisiert hat sich Őrsi um ausländische Wählerstimmen bemüht.


Woher die linken Wahlkämpfer bloß die Adressen für ihre Polit-Marketing-Aktion hatten? Und war diese Aktion auch datenschutzrechtlich in Ordnung? Aber wahrscheinlich spielt so etwas Umständliches wie GDPR in Wahlkampfzeiten keine Rolle. Oder die EU-Verordnung bezieht sich nur auf digitale Annäherungsversuche, was die umständliche Papierform erneut rechtfertigen könnte. Vielleicht wurden aber auch alle potenziellen ausländischen Wähler vorher von Örsi & Co. um Einverständnis für das Zusenden von Werbebotschaften gefragt – bloß der Autor dieser Zeilen nicht …

Auf jedem Fall versprach Örsi in dem englischsprachigen Brief nach ein paar netten Worten unter anderem, dass er dafür sorgen werde, dass Ausländer ihre Behördengänge demnächst in ihrer „own language“ abwickeln können. Ganz schön ambitioniert, wenn man überlegt, wie viele Sprachen allein schon in der EU gesprochen werden. Und nur in „English language“ kann er nicht gemeint haben, sonst hätte er es ja geschrieben. Ebenso hätte er einfach eine „bilangual“ statt wie im Brief eine „multilangual adminstration“ versprechen können. Örsi scheint es mit vielsprachigen Formularen, Benutzeroberflächen und vielleicht sogar Beamten also wirklich ernst zu meinen. Mal sehen, was aus diesem Wahlversprechen wird!

Konversation

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