Wie kam es zum Führungswechsel?

Mein Vorgänger hatte sich entschieden, einen Ruf auf die Position des künftigen Chefs des Münchener Flughafens anzunehmen. Eine tolle Auszeichnung für meinen geschätzten Kollegen! Aber so mussten die Gesellschafter des Budapester Flughafens schnell eine Nachfolgerlösung finden. Rasch wurden die Suchkriterien aufgestellt und potentielle Kandidaten diskutiert. Ich freue mich sehr, dass schließlich mir diese große Aufgabe angeboten wurde. Ich habe nicht lange überlegen müssen und zugesagt.


Warum?

Die operative Verantwortung für ein Unternehmen – oder konkret: für einen Flughafen – zu übernehmen ist es, worauf ich im Verlaufe meiner Karriere hingearbeitet habe. Dass sich das nun ausgerechnet in Budapest erfüllt, ist großartig! Seit anderthalb Jahrzehnten begleite ich Flughäfen bereits aus der Gesellschafterperspektive und bin dabei bereits in alle Details vorgedrungen.


Wie lange reichen Ihre Verbindungen zum Budapester Flughafen zurück?

Ich bin zwar erst seit dem 2. August sein CEO, den Flughafen begleite ich aber schon seit vielen Jahren. Unter anderem habe ich acht Jahre lang den Aufsichtsrat der Budapest Airport Zrt. geleitet. Zuvor war ich als Jurist bereits seit dem Einstieg von HOCHTIEF AirPort, aus der später AviAlliance wurde, mit dem Flughafen verbunden. In den vergangenen Jahren war ich alle paar Wochen für einige Tage in Budapest. Über die Aufsichtsratssitzungen habe ich natürlich genau mitbekommen, was hier passiert. Darüber hinaus habe ich für den Hauptgesellschafter, also für AviAlliance, immer wieder Projekte vor Ort betreut. Ich bin also mit dem Flughafen und seinen Baustellen – auch im übertragenen Sinn – sehr gut vertraut. Ebenso kenne ich bereits viele Mitarbeiter in der Organisation. Privat war ich auch schon oft in Budapest. Überhaupt: Ich mag Ungarn und Budapest und habe bereits einige Freunde hier. Als passionierter Läufer genieße ich es, entlang der Donau und speziell auf der Margareten-Insel zu joggen. Wegen all dieser Gegebenheiten fiel mir die Entscheidung, mich jetzt vollends dem Budapester Flughafen zu widmen und nach Budapest zu übersiedeln, überhaupt nicht schwer.


Was haben Sie vorher in Deutschland genau gemacht?

Bei AviAlliance war ich zuletzt General Counsel. Das heißt, ich war mit meinen Mitarbeitern für alle rechtlichen, ich persönlich aber auch für strategische Fragen und Fragen der Unternehmensführung verantwortlich. Ich war Mitglied der engeren Führungsmannschaft von AviAlliance. Darüber hinaus war ich weltweit im Einsatz, wenn AviAlliance sich um andere Flughäfen bemüht hat. So habe ich dutzende Flughäfen überall auf dem Globus kennenlernen dürfen. Im Laufe meiner knapp 14 Jahre bei AviAlliance habe ich alles über Flughäfen gelernt, auch durch die Begleitung der anderen Flughäfen, an denen die Gesellschaft beteiligt ist oder war.


Wie kamen Sie mit mit der Flughafenbranche in Berührung?

Ich komme aus Münster. Dort habe ich eine Bankausbildung gemacht und danach Jura studiert und promoviert. Teilweise habe ich in den USA und in Spanien studiert. Ich hatte also schon immer einen Auslandsbezug. Nach meiner Hochschulzeit habe ich dann in Düsseldorf vier Jahre lang in einer englischen Anwaltskanzlei gearbeitet. Von da bin ich 2005 zu HOCHTIEF AirPort gewechselt, die heute AviAlliance heißt. Von der Tätigkeit als Rechtsanwalt im Unternehmen habe ich mich schrittweise bis in das Management hocharbeiten dürfen. Im Laufe der Zeit hatte ich bei unseren Beteiligungen auch verschiedene Board-Positionen inne. Die spannendste davon war auf jeden Fall der Vorsitz des Aufsichtsrates des Betreibers des Budapester Flughafens! Insofern kann man es getrost als folgerichtig ansehen, dass mein nächster Karriereschritt ausgerechnet hier erfolgte.


Sie übernehmen einen rasant wachsenden Flughafen!

Und es geht noch weiter nach oben. Wir werden in den kommenden Jahren weiter kräftig wachsen und planen zur Absicherung dieses Wachstums zahlreiche größere Investitionen.


Wie sieht es mit einem Terminalausbau aus?

Wir sind – unter Einbeziehung von Vertretern der Regierung – bereits in der Planung und würden gerne zügig anfangen. In fünf bis sechs Jahren möchte ich die nächste Ausbaustufe bereits abschließen und bis dahin die Terminal-Kapazitäten im Vergleich zu heute verdoppelt haben. Wenn man heute unseren schönen, zweckmäßigen und effizienten „Pier B“ betrachtet, der vor gut einem Jahr eröffnet wurde, dann kann man schon mal einen Blick in die Zukunft werfen. Terminals sollten freundlich und großzügig – nicht aber überdimensioniert sein und dem Passagier Komfort gewähren und einfaches Reisen ermöglichen.


Welchen Zeithorizont setzen Sie sich persönlich in Budapest? Wollen Sie die Übergabe des ausgebauten Terminals noch selbst als CEO vornehmen?

Auf jeden Fall! Ich bin gekommen, um zu bleiben. Wer weiß, vielleicht kann ich sogar den Rekord meines Vorgängers von zwölf Jahren brechen. (lacht)


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Was steht vor Beginn des Megaprojektes Terminalausbau an?

Zum einen denken wir – in enger Abstimmung mit der Regierung – an die Passagiere der immer beliebteren, stark wachsenden Low-Cost-Carrier. Hier sind wir bald in der Lage, ihnen und ihren Passagieren unsere nächsten Schritte zu erläutern.

Außerdem passen wir ständig unsere Kapazitäten in den verschiedenen Bereichen an die gestiegenen Fluggastzahlen an. So haben wir es beispielsweise geschafft, dass die Sicherheitskontrollen trotz wachsender Passagierzahlen keinen Engpass darstellen. Die durchschnittlichen Wartezeiten liegen an unserem Flughafen weit unter den üblichen Werten und betragen nur in seltenen Ausnahmefällen mehr als 15 Minuten. Sobald sich abzeichnet, dass wir hier noch mehr Kapazität benötigen, werden wir weitere Schleusen eröffnen. Dazu investieren wir stark in das Equipment. Bald können Passagiere zum Beispiel Laptops in den Taschen lassen, später auch Flüssigkeiten. Diese Entwicklungen der Technologie und Regulierung werden wir intensiv zum Wohle unserer Passagiere nutzen!

Außerdem haben wir in den letzten Monaten in den verschiedenen Passagierbereichen die Anzahl der Toiletten deutlich erhöht und sie insgesamt moderner und freundlicher gestaltet. Wir haben die Beschilderungen am und im Flughafen weiter verbessert, auch mit Blick auf unsere chinesischen Besucher und erleichtern den Passagieren die Orientierung, etwa auch was Wartezeiten und (alternative) Laufwege angeht. Das kommt, so zeigen es auch die Umfragen unter den Passagieren, gut an!


Noch vor Ihrer Zeit gab es Kritik an der Sauberkeit…

Deswegen haben wir unter anderem eine neue Reinigungsfirma engagiert. Viele für die Fluggäste sichtbare Prozesse werden über Vertragspartner abgewickelt, die die konkrete Verantwortung für die Qualität ihrer Dienstleistung tragen. Von den Passagieren wird ein Flughafen aber typischerweise als Einheit wahrgenommen, auch wenn die Verantwortlichkeit oft auf verschiedenen Schultern liegt. Deswegen werden wir immer und überall aktiv und unterstützen, wenn wir merken, dass sich Dinge, auch wenn sie nicht in unserer Verantwortung liegen, aus dem Lot bewegen oder bewegen könnten. Es ist mir persönlich ein ganz wichtiges Anliegen, den Service für alle Passagiere an unserem Flughafen auf einem hohen Niveau zu halten und permanent nach möglichen Verbesserungen zu streben.

Unsere entsprechenden Anstrengungen werden übrigens honoriert. So wurde der Flughafen Budapest dieses Jahr bereits zum sechsten (!) Mal in Folge, bei der auf Passagierbewertungen beruhenden Umfrage von Skytrax, zum besten Flughafen der Region gekürt. Ich trete übrigens nicht mit dem Ziel an, den Flughafen erstklassig zu machen, denn das ist er bereits. Vielmehr möchte ich dafür sorgen, dass er auch in Zukunft der Beste der Region bleibt! Ich werde mich dafür einsetzen, dass sich dies auch mit der direkten Wahrnehmung unserer Gäste deckt. Die permanente Verbesserung der Passagierzufriedenheit hat für mich allerhöchste Priorität.

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