Aber wenn ein Regierungsoberhaupt – welches angefangen vom Kindergebären bis zu Veränderungen der Welt aus geopolitischer Sicht, vom Museumsviertel bis zur Zukunft der Union ebenso auf höchstem Maße fachkundig ist wie seine autokratischen und diktatorischen Vorgänger – dem Volk etwas Wichtiges mitteilen will, dann sollte er dies doch bitte vor dem Parlament tun, oder zumindest auf einer Pressekonferenz, um dort vor aller Welt seine Visionen zu präsentieren. Und dann auch hinzunehmen, dass man ihn unter Umständen für borniert hält.

Es ist die grundsätzliche Aufgabe eines politischen Tageblattes – und die Népszava ist ein eben solches – zu informieren. Deswegen machen auch wir uns wie in jedem Jahr mit schmerzender Seele auf nach Kötcse, oder egal wohin, wo der Kopf der Exekutive des Landes sich gerade äußert. Dies tun wir für unsere Leser, während wir es für eine Tragikkomödie halten, dass wir die Krümel der Wegweisungen des Regierungsoberhauptes so zusammenpicken müssen, wie es denen passt, die nach reichlicher Überlegung sich dafür entschieden haben, diese zu lancieren. Zu allem Überfluss müssen wir danach auch noch schlucken, dass die Publizisten der Regierungspresse ihre scharfen Zungen an uns wetzen, weil sie schon im Voraus unsere theatralischen Wehklagen hören.

Nun, wir wehklagen nicht. Wir denken lediglich, dass die (auch) in Kötcse präsentierte Vision des Regierungsoberhauptes ein riesengroßes Gewurstel ist. Es gibt nichts daran zu kritisieren, weil es dafür ungeeignet ist, und dass, obwohl es von der „Elite“ nach einem totalen Herabwürdigen der Öffentlichkeit zuvor hinter verschlossenen Türen beklatscht wurde.

Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 10. September in der Onlineausgabe der linken Tageszeitung Népszava. Die Autor reflektiert darin den geschlossenen Charakter der Klausurtagung von Kötcse. Zur Tradition des Treffens gehört inzwischen auch, dass interessierte Journalisten, die Tagungsteilnehmern beim Betreten oder Verlassen des Geländes ein paar Informationen herauslocken wollen, häufig in wenig ziemlicher Weise abgefertigt werden.

Aus dem Ungarischen von EKG
Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Rezension: Der gelehrsame Exilant von Zsolt K. Lengyel

Eine kleine Biografie des Historikers Thomas von Bogyay

Geschrieben von Robert Fallenstein

1962 ist das Gründungsjahr des Ungarischen Instituts München. Der Aufstand in Ungarn liegt gerade…

Analoge Fotografie

Eine Zeitmaschine in der Hand

Geschrieben von Laura Pisch

Schwerer als gewohnt, aber angenehm liegt die Kamera in den Händen, beim Auslösen gibt sie ein…

Die rechte Seite / Kommentar zur Lage der Nation

Auf in ein neues goldenes Zeitalter!

Geschrieben von Gábor Bencsik

Die einzig richtige Lösung liegt in der Rückbesinnung auf unsere Werte und unsere Herkunft. Die…