Seit 2003 ist Miskolc die Heimstätte des Jameson CineFest. Dabei ist das internationale Filmfestival nicht nur eine ausgezeichnete Möglichkeit für Filmliebhaber, die besten Produktionen des Jahres – zum Teil international mehrfach ausgezeichnete Werke – kostenlos auf der großen Leinwand Revue passieren zu lassen. Das CineFest gibt mit seiner familiären Atmosphäre zudem jungen ungarischen Filmemachern die Chance, mit internationalen Profis der Branche ins Gespräch zu kommen.

Stars auf und vor der Leinwand

Einen Mangel an Stars hatte man in Miskolc während des Festivals nie zu beklagen. Auf der Leinwand gab es stets reichlich Berühmtheiten zu sehen und in den vergangenen Jahren hieß die Stadt anlässlich des CineFest selbst in natura so illustre Gäste wie Juliette Binoche, Claudia Cardinale, Jiří Menzel und István Szabó willkommen. Und auch dieses Jahr verspricht das Festival eine satte Mischung aus Stars auf und vor der Leinwand: Im Programm stehen unter anderem Spielfilme mit Willem Dafoe, Robert Pattinson und Stellan Skarsgård. In der Sparte Dokumentarfilm zeigt das Festival zudem den neuen Film von Oscar-Preisträger Ron Howard.

Zur Eröffnung wird in Miskolc auch erneut der „Cinefest Lifetime Achievement Award“ übergeben, dieser Lebenswerkpreis geht in diesem Jahr an den dänischen Regisseur und Kameramann, Billie August.

August erregte erstmals Ende der 80er mit seinem Film „Pelle, der Eroberer“ – für den er mit dem Oscar und dem Golden Globe ausgezeichnet wurde – internationale Aufmerksamkeit. Anfang der 90er verfilmte er Ingmar Bergmans Drehbuch „Die besten Absichten“ und gewann damit in Cannes die Goldene Palme. Neben diesen beiden Werken zeigt das Festival 2019 zu Augusts Ehren auch das ebenfalls zu seinem Oeuvre zählende „Les Miserables“ mit Liam Neeson, Geoffrey Rush und Uma Thurman. Billie August bleibt bis Samstagabend in Miskolc und stellt sich in dieser Zeit mehreren Q&As.


Der Mann mit den blauen Augen

Wer einen seiner über 200 Filme gesehen hat, wird seine blauen Augen nie vergessen, sagt man über Franco Nero, der durch seine Hauptrollen im italienischen Kultwestern „Django“ sowie im Mafiaepos, „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ bekannt geworden ist. Nero wird am 19. September in Miskolc mit der Auszeichnung „Botschafter des Europäischen Kinos“ geehrt. Nach der Zeremonie gibt es eine Galaaufführung von „Django“. Nero wird von seiner Frau, der englischen Schauspielerin, Vanessa Redgrave, begleitet.

Bereits in der Vergangenheit bewies der künstlerische Leiter des CineFest, Géza Csákvári, mehrmals seine Leidenschaft für James-Bond-Filme, die hier und da immer wieder im Programm auftauchten. In diesem Jahr wird „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ aufgeführt, der sein 50. Jubiläum feiert. Und Hauptdarsteller George Lazenby kommt sogar persönlich vorbei, um als Ehrengast an der Schlusszeremonie am 21. September teilzunehmen.


Das Suchen im Fokus

Gegründet wurde das CineFest einst als Plattform für junge Filmemacher. Gezeigt wurden daher ausschließlich Erstlings- und Zweitfilme. Doch mit den Jahren und dem zunehmenden Erfolg des Festivals stellten die Organisatoren fest, dass sich das Konzept erweitern muss. Deshalb werden in diesem Jahr auch Filme von erfahrenen Regisseuren gezeigt. Trotzdem steht nach wie vor die Jugend – und damit das Suchen nach Liebe, Sinn und sich selbst – im Vordergrund.

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So wird es etwa in „Saint Frances“ dargestellt. Der Film ist eine Art amerikanisches „Bridget Jones“ – dessen Hauptdarstellerin auch tatsächlich Bridget heißt. Er erzählt die Geschichte einer 30-Jährigen, die eigentlich keine Kinder mag, aber trotzdem als Babysitterin arbeitet und dabei erkennen muss, dass das Leben aus einer Reihe verantwortlicher Entscheidungen besteht.

Um die Suche nach einer neuen Heimat geht es bei „It Must Be Heaven“. Regie führte der Palästinenser Elia Suleiman – der auch die Hauptrolle spielt. Der Film zeigt einen palästinensischen Flüchtling, der nach einem neuen Zuhause sucht, doch egal wo er hinkommt, an seine verlassene Heimat Palästina erinnert wird.


Ungarischer Oscar-Anwärter 2020

Einer der spannendsten Filme im Wettbewerb ist „Akik maradtak“ (dt.: Die, die geblieben sind) des ungarischen Regisseurs Barnabás Tóth. Er ist der ungarische Anwärter für einen Oscar 2020. Schon letztes Jahr gelangte Tóth mit seinem Kurzfilm „Chuchotage“ in die Vorrunde der Oscar-Nominierungen. Sein neuestes Werk spürt der ungleichen Beziehung einer jungen Frau an der Schwelle zum Erwachsensein und eines Mannes mittleren Alters nach. Beide möchten im Ungarn der Nachkriegszeit ein neues Leben beginnen.

Auch in der Programmsektion „Open Eye“ wird ein ungarischer Film zu sehen sein. „Foglyok“ (dt.: Gefangene) von Regisseur Deák Kristóf – der 2015 mit seinem Kurzfilm „Mindenki“ einen Oscar gewann – erzählt die Geschichte einer Familie, bei der 1951 eines Tages einfach die Staatssicherheit einzieht. Der auf wahren Begebenheiten basierende Film zeigt die zum Teil absurde Irrationalität der 50er-Jahre in Ungarn.


Dokumentationen im Wettbewerb

Erstmals organisiert das CineFest in diesem Jahr auch einen Dokumentarfilmwettbewerb. Trotz der Novität gibt es bereits diesmal viele starke Wettbewerber. Einer davon: das neuste Werk des Oscarpreisträgers Ron Howard, der nach seinem nicht besonders erfolgreichen Star-Wars-Film „Solo“ nun eine Dokumentation über den Opernstar Luciano Pavarotti gedreht hat.

Und noch ein Oscarpreisträger tritt im Wettbewerb um den besten Dokumentarfilm an: Asif Kapadia – ein vielfach ausgezeichneter Spezialist auf dem Gebiet – setzt mit der Erzählung „Diego Maradona“ dem argentinischen Fußballgott ein filmisches Denkmal. Dabei zeigt er die Lebensstationen des Sportlers von den Anfängen über seine Zeit als internationaler Superstar und Freund der italienischen Maffia bis hin zum Untergang seiner Karriere. Dabei gelingt es Kapadia Maradona als Privatmenschen darzustellen.

Doch nicht nur menschliche Stars stehen im Mittelpunkt, auch tierische Helden haben ihren Auftritt: In „Laika“ wird die wahre Geschichte der ersten Kosmonautin, der Hündin Laika, anhand rarer Originalaufnahmen erzählt. Um den Kosmos dreht sich auch der Film „Ein Ticket zum Mond“, in dem Veronika Janatková humorvoll die Geschichte ihres Großvaters schildert, der in dem 60ern eines der ersten von 100.000 „Mondtickets“ der amerikanischen Fluggesellschaft PanAm gekauft hatte. Um besondere Großväter geht es auch in „Léo Major: The one-eyed ghost“. Der Film erzählt, wie ein französisch-kanadischer Soldat im Zweiten Weltkrieg im Alleingang die Stadt Zwolle befreit hat.


Weitere Programme

Gezeigt werden auch in diesem Jahr erneut die CineClassics – 2019 mit einem Schwerpunkt auf den Werken der ungarischen Schauspiellegende Ferenc Bessenyei. Freuen dürfen sich die Festivalbesucher ebenfalls auf spezielle Mitternachtsvorführungen, Animationsfilme sowie die Programmsektion „Roma Picture“ mit Filmen über die größte ungarische Minderheit. Und wer nicht nur im Kinosessel festkleben möchte, der kann zwischen zahlreichen Konzerten, Diskussionsveranstaltungen und Partys wählen, die im Leben des Filmfestivals genauso wichtig sind wie die Filme selbst.

Weitere Informationen finden Sie auf https://www.cinefest.hu/

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