Ende der 1970er Jahre traf ich ihn erstmals beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Ferdinand Piëch war Technikvorstand bei Audi und krempelte gerade den mauen Automobilhersteller komplett um. Audi war damals Lichtjahre von seiner heutigen Marktposition entfernt, galt als rostanfällig und instabil. Piëch stellte Anfang der 1980er den ersten vollverzinkten Achtzylinder Audi V8 vor. Es war der erste vierradgetriebene PKW in der sogenannten Premiumklasse. Ich hatte damals die Ehre, mit meinem Freund und Fliegerkameraden Franz Josef Strauß den ersten handgefertigten V8 mit Panzerglassicherung aus der Ingolstädter Fertigung zu fahren. Vor Piëch waren im deutschen Premiumsegment nur Mercedes und BMW zuhause. Nun wollte er mit Audi den Durchbruch in die Oberklasse.

Bei einem Abendessen und einigen Flaschen Rotwein diskutierten wir in Davos zu viert, was zu tun sei. Helmut Werner, damals Conti-Chef, später Mercedes, und Hermann Franz von Siemens waren dabei. Wir hatten diesen Audi V8 vierradgetrieben im Schnee gefahren und waren begeistert von dem Fahrzeug. Mir kam die Idee, zweitausend Audi V8 zum Preis eines VW Golf in die Autovermietung zu geben, damit potentielle Kaufkunden den Wagen erleben konnten. Das hat geholfen, und der V8 wurde unter der Bezeichnung A8 ein Verkaufsschlager. Ferdinand Piëch hat mir als symbolisches Dankeschön einen Wagen geschenkt, der heute in unserem OBO Bettermann-Werk in Ungarn steht und unter dem amtlichen Kennzeichen „Uli 1“ zugelassen ist. Später haben wir den Einsatz von Audi A4 und A6 in unserer Firmenflotte vereinbart. Der „Uli 1“ hat einen Ehrenplatz und wird mich immer an Ferdinand Piech erinnern.

1981 hatten wir beide beim World Economic Forum ein herrliches Erlebnis mit dem Körpersprachenkünstler Samy Molcho, der uns in Meetings schulen sollte. Ferdinand Piëch kam an die Reihe und musste Farben verkaufen, ich war Einkäufer und sollte ihm den Malerbedarf abnehmen. Er war auch nonverbal ein Topverkäufer, aber ein paar Rabattprozente musste er schon einräumen, ehe wir das Geschäft zustande brachten.

Als er VW-Boss geworden war, besuchte ich ihn in Wolfsburg. Er verspätete sich einige Minuten und entschuldigte sich, etwas Schmierfett an Ärmel und Hosenbein seines anthrazitgrauen Anzugs, mit den Worten: „Ich musste den Jungs erst noch zeigen, dass die schwere Weinbergpresse doch funktioniert.“ Er war immer ein Macher und hat andere Leute überzeugen können. Personen, die ihn enttäuschten, hatten allerdings keine Chance mehr bei ihm.

Piëch war auch ein großes Glück für Ungarn. Er kann als „Vater der Audi Hungaria“ bezeichnet werden. Er war ganz wesentlich an der Standortentscheidung zugunsten von Győr beteiligt und hat sich auch im weiteren Verlauf immer wieder für den Audi-Standort in Ungarn eingesetzt und den permanenten Ausbau der Győrer Fabrik gefördert. Auf seine Initiative ging auch der Aufbau des hochmodernen Werkzeugbaus zurück – heute immerhin der größte des VW-Konzerns.

Zu Piëchs Reich gehörten bald auch Edelkarossen. Mich hat er überzeugt, einen der ersten Bentley Continental GT zu kaufen, zu meinem Glück als Vorführwagen mit speziellem Preis. Den Wagen fahre ich heute noch aus Überzeugung, weil er Vierradantrieb, einen starken Zwölfzylindermotor hat und über 300 km/h schnell sein kann.

Obwohl Ferdinand Piëch einen Jagdschein hatte, haben wir nie zusammen gejagt. Dazu fehlte ihm einfach die Zeit. Bis in die letzten Wochen hatten wir Kontakt, und ich bin sehr traurig über seinen plötzlichen Tod. Deutschland und Europa haben einen der fähigsten Köpfe und kraftvollsten Macher verloren.

Der Autor ist Präsident der weltweit agierenden Unternehmensgruppe OBO Bettermann, die mit der OBO Bettermann Hungary Kft. seit über einem Vierteljahrhundert auch in Ungarn vertreten ist.

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