Kompromisskandidat Trócsányi

Berichten zufolge soll es zwischen den beiden einen Gedankenaustausch über die Personalie des ungarischen Kandidaten für die EU-Kommission geben. Mit allergrößter Sicherheit wird dies mit einem Kompromiss enden. László Trócsányi (Anm.: bis vor Kurzem Justizminister im Kabinett Orbán) lautet der Name dieses Kompromisses. Er soll ungarischer EU-Kommissar werden und noch dazu das Ressort der Rechtsstaatlichkeit übernehmen.

Unser schneidiger Herr Ministerpräsident wird der siebenfachen Mutter von der Leyen mit Sicherheit die gebührende Ehrerbietung in Form unzähliger Handküsse entgegenbringen. Sie wird es mit dankbarem Lächeln quittieren und im Anschluss dem Grundsteinleger des illiberalen Weltreichs den vergoldeten Lorbeerkranz aufs Regierungs-Oberhaupt setzen. Dann halten sie natürlich noch eine gemeinsame Pressekonferenz ab, zur der aber aus Platzgründen nur die Magyar Nemzet und Hír TV eingeladen sind.

Illiberalisierung

Diese beiden herausragenden Medienorgane werden dann sicherlich kurz und verdreht über das Gesagte und lang und geradeheraus über das Nichtgesagte berichten. Wer sich aus zuverlässigeren Quellen zu informieren weiß, wird derweil erfahren, dass György Soros aus Brüssel ausgewiesen wurde. US-Präsident Donald Trump hat inzwischen zur Grundsteinlegung gratuliert und auch gleich hundert Dollar für die Errichtung eines Drahtzaunes rund um Europa geschickt. Dasselbe empfiehlt er übrigens auch Asien wärmstens.

Weiterhin wird zu hören sein, dass Frans Timmermans dazu verdonnert wurde, tausendmal in Schönschrift niederzuschreiben: „Orbán betrügt nicht, stiehlt nicht und lügt nicht.“ Als Verzierung für den Seitenrand muss er Buchstaben aus dem Wort „Illiberalismus” verwenden.

Natürlich wird nicht ein Wort davon wahr sein, aber die scheinchristliche extreme Rechte in Ungarn wird sich zufrieden zeigen und Viktor Orbán kann ruhigen Gewissens und mit voller Kraft am 13. Oktober mit der Illiberalisierung beginnen.

Vorwärts, Tusványos!


Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 29. Juli auf dem Onlineportal der linksliberalen Wochenzeitung Magyar Narancs.

Aus dem Ungarischen von Elisabeth Katalin Grabow

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