Das Nachrichtenportal Index.hu hat über Jahre die Zahlen der individuellen Regierungsbeschlüsse zusammengetragen, mit denen herausragende Projekte von multinationalen Unternehmen in Ungarn unterstützt wurden. In den letzten vier Jahren stieg der Gesamtbetrag laufend an, von 64 Mrd. Forint in 2016 über 71 Mrd. Forint bis auf knapp 91 Mrd. Forint in 2018. In diesem Jahr flossen bis August bereits wieder nahezu 55 Mrd. Forint. Der Fachjournalist des liberalen Portals fand bei seinen Recherchen heraus, dass die teuersten Arbeitsplätze mit Projekten einheimischer Multis zusammenhängen: Das neue Chemiewerk des Mineralölkonzerns MOL in Tiszaújváros erhielt demnach 68 Mio. Forint pro Arbeitsplatz an staatlichen Zuwendungen – allerdings werden in dem hochmodernen Petrolchemiewerk auch nur 170 Arbeitnehmer beschäftigt. Das bedeutet selbst bei Unterstellung hoher Löhne, dass der Staat dem Privatunternehmen die Lohnkosten im Namen der Steuerzahler auf ein Jahrzehnt verauslagt.

Auf Platz 2 folgt mit 40 Mio. Forint spezifischen Zuwendungen ein Projekt des Pharmakonzerns Richter Gedeon Nyrt., also eines weiteren börsennotierten, einheimischen Unternehmens. Knapp dahinter landet bei Index.hu aber der erste „echte“ Multi: Die Audi Hungaria Zrt. holte mit zwei verschiedenen, wohl dotierten Projekten im Fahrzeugbau und in der Motorenproduktion die Plätze 3 und 4. Hinsichtlich des absolut zugeteilten Betrags bleiben seit Jahren jene 12,9 Mrd. Forint unangefochten, die der Mercedes-Benz Manufacturing Hungary Kft. einst für ihre Ansiedlung in Kecskemét zugesprochen wurden. BMW erhält für das neu in Debrecen entstehende Automobilwerk nahezu genauso hohe Zuwendungen, hinter MOL konnte noch Thyssenkrupp Presta einen zweistelligen Milliardenbetrag in Form eines individuellen Regierungsbeschlusses gewinnen.

Seit 2004 hat Deutschland den Wettbewerb nach Ursprungsländern der bezuschussten Multis klar gewonnen: Laut Regierungsangaben erhielten deutsche Unternehmen insgesamt gut 175 Mrd. Forint, ungarische Unternehmen etwas mehr als 106 Mrd. Forint und die Japaner auf Platz 3 weit abgeschlagen 37,5 Mrd. Forint. Die Starinvestoren aus Korea, den USA, Indien und Frankreich auf den Plätzen 4-7 erhielten zusammengenommen etwas mehr Geld aus Budapest, als die einheimischen Lieblingsfirmen.

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