Aus Anlass des Jubiläums zog der Ministerpräsident eine Bilanz der vergangenen 30 Jahre und wagte einen Ausblick auf die kommenden 15 Jahre. Den unmittelbar auf die politische Wende von 1990 folgenden Abschnitt bezeichnete Orbán als „liberalen Systemwandel“, der die Grundlagen der Marktwirtschaft legte und die demokratischen Institutionen schuf. Von 1994 an ging es darum, die „Nachhut“ des sozialistischen Systems und seiner internationalistischen Helfershelfer zu besiegen. Erst ab 2010 konnte die zweite, die „nationale Systemwende“ vollzogen werden, für die es einer demokratisch errungenen Zweidrittelmehrheit bedurfte. Ungarn erlangte seine Selbstbestimmung zurück, schickte den IWF nach Hause, schlug erfolgreich die Schlachten mit Brüssel und schützte die Grenzen gegen den Migrantenstrom. Für die durch ihn repräsentierte politische Generation bringen die nächsten 15 Jahre die „Prime Time“.

Orbán empfahl, seine Wirtschaftspolitik auf die europäische Ebene zu heben. Er sprach sich gegen die Idee eines Grundeinkommens ohne Arbeit und für Arbeitsplätze bzw. Steuersenkungen aus. Die Bürokratie müsse abgebaut, die Sparpolitik durch Investitionsanreize ersetzt werden. Ungarn selbst wird – sollten sich die Prognosen bewahrheiten – im Frühjahr 2020 einen zweiten und im Herbst bereits einen dritten Aktionsplan zum Schutz der Wirtschaft auflegen. Das Land müsse seine Wettbewerbsfähigkeit steigern und dabei einen Weg finden, der sich weniger als bisher auf Westeuropa stützt, z. B. unter besserer Ausschöpfung der internen Ressourcen.

Der Ministerpräsident bekräftigte seine Theorie, wonach die liberale Demokratie keine gescheiten Antworten bereithalte, was das Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft angehe. In der illiberalen oder nationalen Anschauung verdiene vor allem jene individuelle Leistung Anerkennung, die zugleich von Nutzen für die Gemeinschaft ist. Er stellte fest, dass in Ungarn nunmehr ein illiberaler Staat zustande gekommen sei, ein besonderer christlich-demokratischer Staat. Die illiberale Politik finde ihren Sinn in der christlichen Freiheit, indem sie danach strebe, alles zu verteidigen, was die Liberalen vernachlässigen, vergessen oder negieren. „Für die nächsten 15 Jahre wird unsere nationale Mission lauten, uns gegen den liberalen Geist zu stellen, weil wir Ungarn nur so stärken können“, erklärte Orbán.

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