Die Geschichte von Eleche beginnt, wie so viele Unternehmungen und romantische Filme, mit zwei Menschen, die sich verlieben. Die Ungarin Szilvia Englert und der aus Chile stammende Claudio Antonio Rodriguez Elgueda lernten sich vor 20 Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff kennen, wo sie beide in der Gastronomie arbeiteten. Es funkte zwar nicht sofort, aber Jahre später wurden sie doch ein Paar. Vor sieben Jahren zog er für sie nach Ungarn und sie gründeten eine Familie.

An dieser Stelle würde im Film nun bereits der Abspann laufen. Im wahren Leben ging es für Rodriguez Elgueda und Englert hier aber erst richtig los. Nach der Geburt ihres gemeinsamen Kindes überlegte das Paar, wie es beruflich weitergehen soll. Schnell stand für sie fest: Sie wollen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Auch die passende Idee war schnell gefunden, denn schon lange fiel Rodriguez Elgueda der komplette Mangel an südamerikanischen Spezialitäten in Ungarn auf. Besonders eine vermisste er sehr: „Dulce de leche findet man in ganz Südamerika in fast jedem Haushalt. Wir nehmen es als Brotaufstrich oder benutzen es zum Kochen und Backen. Hier in Ungarn kann man es aber noch nicht kaufen.“

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Von Argentinien bis Ungarn

Das Nutella Südamerikas blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wo und wann es auf dem riesigen Kontinent erfunden wurde, kann heute keiner mehr so genau sagen. Legenden zufolge soll es als Zufallsprodukt einer unaufmerksamen Köchin in Argentinien entstanden sein. Diese kochte gerade mit Zucker gesüßte Milch auf dem Feuer, wurde aber abgelenkt. Als sie zurückkam war die Milch verkocht und das ganze etwas angebrannt, es hatte sich aber auch eine klebrig süße bräunliche Paste gebildet, die der Argentinierin und ihrem Hausherrn so gut schmeckten, dass sich daraus das Rezept für Dulce de leche entwickelte. Heute kennt man die zuckrige Spezialität in jedem Land Südamerikas, und auch in Europa ist das Produkt zum Teil bereits angekommen. Zumindest in Spanien und Portugal.

Nur in Ungarn eben noch nicht, weshalb auch Rodriguez Elgueda den süßen Aufstrich, der ihn so sehr an seine Kindheit in Chile erinnert, schmerzlich vermisste. Um ihrem Partner zum Geburtstag eine Freude zu bereiten, lernte Szilvia Englert, wie man die Creme selbst am heimischen Herd zubereitet: „Es ist eine Heidenarbeit. Man steht den ganzen Tag am Topf und rührt“, versichert sie.

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Von Hand muss von den beiden Gastrounternehmern heute natürlich keiner mehr rühren. Das überlassen sie einer modernen Küchenmaschine, mit der sie derzeit täglich bis zu 80 Kilo Dulce de leche herstellen. Um die ideale Rezeptur für ihr Produkt zu finden, experimentierten die beiden nicht nur viel, sondern Rodriguez Elgueda absolvierte sogar eigens eine spezialisierte Ausbildung in Uruguay.

Süßes und Herzhaftes

Ihr eigenes Lokal eröffneten Szilvia Englert und Claudio Antonio Rodriguez Elgueda schließlich nach langer Vorarbeit vor etwas mehr als einen Monat. Das gemütlich eingerichtete, helle Café befindet sich im IX. Budapester Bezirk nahe der historischen Zwack-Fabrik.

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Hier verkauft das ungarisch-chilenische Paar nicht nur ihre hausgemachte Dulce de leche, sondern auch eine ganze Reihe damit hergestellter oder verfeinerter Desserts und Kuchenspezialitäten. Diese stellt Szilvia Englert, die eine professionelle Ausbildung im Bereich Feingebäck und Desserts hat, selbst her. Die meisten basieren auf südamerikanischen Rezepten. So auch die Torte „Tres leches“, eine besonders kalorienhaltige Süßspeise, die traditionell mit drei verschiedenen Sorten Milch hergestellt wird (meist Vollmilch, Kondensmilch und Schlagsahne). Im Eleche wird die üppige Spezialität zudem mit einem Klecks Dulce de leche serviert. „Das macht es eigentlich zu einer ‚Quatro leches’-Torte“, scherzt Englert.

Auch internationale Delikatessen wie leckere Schokoladen-Brownies und kreative Glasdesserts in verschiedenen Geschmacksrichtungen, zum Beispiel Cheesecake, Schwarzwälder Kirschtorte und Mango-Vanille stehen in der Vitrine des Cafés zur Auswahl.

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Die zahlreichen umliegenden Bürogebäude bescheren dem Eleche bereits am Morgen einen steten Kundenstrom, weshalb auch Frühstücksspezialitäten wie Croissants angeboten werden. Zudem gibt es eine Eistheke mit – wenn auch nicht hausgemachten, so doch abwechslungsreichen – Eissorten.

Neben den süßen Versuchungen bietet Eleche aber auch herzhafte Snacks an. Neben frischen Sandwiches und kleinen Salaten sind das vor allem Empanadas – eine weitere Spezialität aus der Heimat von Rodriguez Elgueda. Wie der Chilene erklärt, handelt es sich dabei um gebackene Teigtaschen in dreieckiger oder abgerundeter Form, die mit allem Erdenklichen gefüllt sein können. Der Klassiker ist jedoch eine Füllung aus Rindfleisch und Oliven. Im Eleche stehe daneben aber auch Empanadas mit Schinken und Käse, Spinat und Ricotta, Tomaten, Mozzarella und Basilikum sowie in einer mexikanischen Ausführung mit Hackfleisch, Mais und Bohnen auf der Speisekarte. Dazu wird neben etwas Blattgrün auch eine hausgemachte pikante Salsasauce, das sogenannten Pebre, serviert, die Rodriguez Elgueda nach einem Familienrezept herstellt.

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Zukunftsaussichten und Fazit

Für die Zukunft haben Englert und ihr Partner bereits zahlreiche Pläne in petto. Die Eröffnung weiterer Eleche-Cafés im Rahmen eines Franchisesystems können sie sich ebenso vorstellen, wie die Eröffnung eines auf südamerikanische Küche spezialisierten Restaurants. Doch besonders am Herzen liegt ihnen Dulce de leche in Ungarn weiter bekannt zu machen. „Unser Ziel ist es, dass auch hier irgendwann mal jedes Kind weiß, was Dulce de leche ist“, betont Rodriguez Elgueda. Das Paar hofft auch, das sie mit ihrer süßen Creme irgendwann den Sprung in die Geschäfte schaffen. In ein paar Jahren, so hoffen sie, könnte das Produkt bereits in allen ungarischen Supermärkten zu finden sein. Ein Mittel auf dem Weg dahin, sieht Englert in der Vermarktung an Dessertchefs in großen Restaurants, ihnen will die gelernte Konditorin zeigen, wie sie Dulce de leche für außergewöhnliche Nachtischkreationen nutzen können.

Egal ob man nur für ein Eis, ein paar Gebäckstücke und Kuchen zum Mitnehmen vorbeikommt oder ob man die Leckereien bei einem Kaffee gemütlich vor Ort verzehren möchte, das kleine Spezialitätencafé ist einen Besuch wert. Das mit einer Spielecke ausgestattete Lokal heißt vor allem Familien mit Kindern willkommen, aber auch Studenten und Laptopnomaden, die nach einem ruhigen Platz zum Arbeiten suchen. Ebenso werden auch Hundebesitzer und ihre Vierbeiner freundlich empfangen. Besonders sympathisch wirkt das Lokal auch durch sein hilfsbereites Personal, das immer gerne, die in Ungarn zum Teil völlig unbekannten Spezialitäten, vorstellt.

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Und wenn man schon im Eleche ist, sollte man natürlich auch nicht vergessen, sich mit einem oder zwei Gläsern der leckeren Milch-Karamell-Creme für den heimischen Vorrat einzudecken. Im Glas hält sich die Spezialität bis zu einem Jahr, geöffnet im Kühlschrank noch einen ganzen Monat.
Eleche

Budapest, IX. Bezirk, Vaskapu utca 10

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 7 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 9 bis 18 Uhr

Anfragen unter +36-30-900-7218

Weitere Informationen finden Sie auf www.eleche.hu


Preis

Dulce de leche: 1.290 Forint je Glas

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