Der gebürtige Budapester Dénes Kemény wurde schon früh mit dem Wasserball konfrontiert. Sein Vater Ferenc Kemény war sowohl als Trainer als auch als Spieler einer der prägendsten Persönlichkeiten im ungarischen Wasserball. „Von meinem Vater habe ich am meisten gelernt. Ich habe, was ihn angeht, jedoch nie Druck verspürt. Natürlich kam es mal vor, dass wir nicht einer Meinung waren, aber das gehört eben dazu“, erklärt der heute 65-jährige im Gespräch mit der Budapester Zeitung.

1966 begann Dénes Kemény seine Laufbahn als Spieler beim Budapester Sportverein BVSC. Für viele heute unvorstellbar, schaffte er es neben seiner Profikarriere im Sport auch noch eine Ausbildung zum Tierarzt zu machen und diesem Beruf sogar aktiv nachzugehen: „Ich war erst Wasserballer und Tierarzt später dann Trainer und Tierarzt.“

Bevor er die ungarische Nationalmannschaft trainierte, war Kemény zunächst sechs Jahre lang beim italienischen Erstligisten Como an der Seitenlinie als Coach aktiv. „Ich habe insgesamt zehn wunderbare Jahre in Italien verbracht. Davon vier erfolgreiche im Becken“, fügt er hinzu. Begeistert erzählt er der Budapester Zeitung, dass er mit seiner Familie ein sehr friedliches und idyllisches Leben in Italien geführt habe. Seine Kinder seien ebenfalls in Italien geboren und nebenbei habe er dort eine kleine Tierarztpraxis geführt.


Anfang einer Ära

1997 wurde Kemény zu seiner eigenen Überraschung zum ungarischen Nationaltrainer ernannt: „Als ich mich für diesen Posten beworben habe, standen meine Chancen sehr schlecht. Ich war einerseits sehr überrascht, aber auch schockiert als ich den Job bekam“, erinnert sich der Wasserballer.

18 Jahre lang schaffte er es, seine Leidenschaft für den Wasserball und seine Tätigkeit als Tierarzt Hand in Hand auszuüben. Doch der Posten als Nationaltrainer nahm zu viel Zeit in Anspruch, also musste er sich entscheiden: „Damit ich mich auf nationaler Ebene messen kann, habe ich alles aufgegeben. Es war sehr schwer, alles stehen und liegen zu lassen, was wir uns in Italien aufgebaut hatten, jedoch war dieser Job ein Geschenk und ich wollte die Möglichkeit nutzen“, erklärt Kemény.

Bevor er Nationaltrainer wurde, hatte die ungarische Wasserballmannschaft 20 Jahre lang keine einzige Goldmedaille bei den Olympischen Spielen gewonnen. Kemény brachte die Wende. Auf die Frage, mit welchen Problemen er am Anfang zu kämpfen hatte, antwortet der Erfolgstrainer: „Die Rückschläge der Vergangenheit hatten die mentale Stärke der Mannschaft sehr geschwächt. Dass wir in Sydney Gold gewinnen wollen, habe ich nicht in meine Bewerbung geschrieben, weil sich das so schön anhört, sondern weil der ungarische Wasserball sich keine niedrigeren Ziele setzen darf.“


Die größten Erfolge

In den darauffolgenden 15 Jahren kam die ungarische Nationalmannschaft aus 24 von 29 Turnieren mit einer Medaille nach Hause. Sie gewann dreimal hintereinander die Olympischen Spiele. Kemény wurde 2003, 2004 und 2008 in Ungarn vom Nationalen Sportverband zum Trainer des Jahres gewählt.

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Selbst wenn seine aktive Karriere als Trainer zu Ende ist, der Budapester Zeitung erklärt Kemény, dass er sich auch in Zukunft immer „in der Nähe des Wasserballs“ aufhalten werde. (Foto: Dávid Madár)


Auf die Frage, wie man mit Rückschlägen umgehe, wenn man so viele Erfolge feiern durfte, antwortet Kemény: „Es waren keine Rückschläge, sondern Enttäuschungen. Wenn wir Silber oder Bronze gewonnen haben, empfanden wir und unsere Fans das bereits als Niederlage.“

Doch auch, als die Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Japan den fünften Platz erreichte, erwarteten etwa 1.500 Menschen die Mannschaft am Flughafen in Budapest: „Unsere Fans haben der Mannschaft immer viel Liebe und Vertrauen entgegengebracht“, fügt Kemény hinzu. Unter ihm wurden Spieler wie Tamás Kásás, Tibor Benedek und Gergely Kiss zu lebenden Legenden.


„Die Statistik trifft keine Entscheidungen“

Es gibt viele gute Trainer. Auf die Frage, was einen Trainer jedoch außergewöhnlich mache, antwortet Kemény entschlossen: „Es muss ein ständiger Drang nach Entwicklung vorhanden sein. Sowohl für die Spieler als auch für den Trainer. Wichtig ist, dass man seine eigene Kreativität nutzt und nicht die Ideen anderer übernimmt.“

Nach einer Weile habe er beispielsweise gemerkt, dass seine Mannschaft die Taktik ändern muss, da die ganze Welt auf diese goldene Generation des Wasserballs blickte: „Wir mussten einen Plan B und C entwickeln, da wir merkten, dass wir plötzlich gegen unsere eigene Taktik spielten“, sagt Kemény.

Der 65-Jährige war als Trainer berühmt für seine Liebe zur Statistik. Er legte großen Wert darauf und verbrachte viel Zeit damit, diese zu analysieren. „Die Statistik trifft aber keine Entscheidungen. Sie ist bloß eine Hilfe, falls ich etwas nicht erkannt habe“, fügt Kemény hinzu. Wichtig sei ihm immer auch die Videoanalyse gewesen. Dabei habe er oft zwei Stunden Material auf 20 Minuten zusammenschneiden müssen. „Die Jungs konnten mir höchstens 15 bis 20 Minuten zuhören, also verbrachte ich viele Nächte mit dem Schneiden der Videos“, erzählt er der Budapester Zeitung schmunzelnd.


Zukunftsmusik

2012 erreichte Kemény mit der ungarischen Nationalmannschaft den fünften Platz bei den Olympischen Spielen in London. Viele hätten ihm abgeraten, an diesen vierten Olympischen Spielen seiner Karriere teilzunehmen. Aber er sei weiterhin zielstrebig und mutig geblieben: „Ich kann nur eine dritte Goldmedaille gewinnen, wenn ich schon zwei habe und eine vierte kann ich nur gewinnen, wenn ich schon drei habe.“

Im Anschluss beendete er seine Laufbahn an der Seitenlinie der ungarischen Nationalmannschaft. Kemény ist ein Mann der bescheidenen Worte: „So wie alle persönlichen Entscheidungen werde ich auch diese nicht begründen. Das, was im Profisport zählt, steht auf der Ergebnistafel.“

2012 übernahm er den Posten als Präsident des ungarischen Wasserball-Verbandes. Auf die Frage, wie er die Nachwuchsarbeit heutzutage beurteile, antwortet er: „Heute haben wir auch viele Talente in unseren Reihen, genauso wie vor zehn Jahren, nur bekommen sie nicht die Unterstützung, die sie damals bekommen haben. Das Probleme ist manchmal, dass wir zu viele Kinder haben und zu wenige Trainer. Doch die 14- und 15-Jährigen konnten in den letzten Jahren trotzdem große Erfolge feiern.“

2018 trat Kemény als Präsident zurück. Der Budapester Zeitung erklärt er, dass er sich aber trotzdem auch in Zukunft immer „in der Nähe des Wasserballs“ aufhalten werde: „Sogar während wir unsere Suppe schlürfen, diskutieren mein Vater und ich noch immer über Wasserball“, verrät er schmunzelnd.

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