Trotz langwieriger Verhandlungen ist es der MTA nicht gelungen, die akademische Unabhängigkeit zu bewahren. Palkovics hatte seinen Entwurf mit der Verbesserung der Innovation und internationalen Wettbewerbsfähigkeit begründet und verwies auf deutsche Forschungsinstitutionen wie die Leibniz-Gemeinschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft.

Von nun an werden 15 MTA-Forschungsinstitute und das Forschungszentrum dem neuen Aufsichtsgremium Eötvös-Lóránd-Forschungsnetzwerk (ELKH) unterstellt. Das Gesetz ermöglicht zudem deren Umstrukturierung, Auflösung und den Beitritt weiterer Institute. Die Änderungen sollen bereits zum 1. September in Kraft treten. Das ELKH soll mit 13 Personen besetzt sein. Jeweils sechs werden von der Akademie und sechs vom Innovationsministerium entsendet. Der Vorsitzende wird auf gemeinsame Empfehlung des MTA-Präsidenten und des Innovationsministers von Ministerpräsident Viktor Orbán ernannt. Parallel dazu etabliert das neue Gesetz einen „Nationalen Wissenschaftspolitischen Rat“ unter Vorsitz des Innovationsministers, der die Regierung bei Innovations- und Forschungsthemen beraten soll.

Die Akademie hat sich geschlossen gegen die Gesetzesänderung ausgesprochen. MTA-Präsident László Lovász erklärte, man habe unermüdlich verhandelt, aber die Regierung habe an ihrer Position festgehalten. Nach seiner Auffassung sei die zukünftige Wissenschaftslandschaft „ungeeignet für die Forschungsgemeinschaft“ und verstoße das Gesetz „gegen europäische Prinzipien“.

Das Innovationsministerium betonte seinerseits, das neue Netzwerk erhalte im Haushalt einen eigenen Etat für die Grundfinanzierung und gelange nicht unter die Aufsicht der Regierung. Im Sinne des neuen Gesetzes ist die MTA nun verpflichtet, das Eigentum der Institute gratis zu übergeben.

Die DK sprach von einem Trauertag für die ungarische Wissenschaft und das ganze Land. Das Anti-MTA-Gesetz stelle praktisch die Verstaatlichung der akademischen Forschungsinstitute dar, erklärte Fraktions-Vize Gergely Arató auf einer Pressekonferenz am Dienstag. Dabei gehe es weniger um die Umstrukturierung der Arbeit der Institute, als um die Aufsicht über die Wissenschaft und die Verwaltung der EU-Gelder. Das Gesetz wolle die Abhängigkeit der Wissenschaft von der Regierung; nun werden mehrere tausend Wissenschaftler aus dem Land vertrieben, die Ungarn eigentlich zum Erfolg führen sollten.

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