Vor vier Jahren wurde das Deutsch-Ungarische Jugendwerk e.V. (DUJW) gegründet. Maren Schoening, die selbst Enkelin eines Ungarn ist, ist Gründerin und von Anfang an als dessen Vorsitzende dabei. Der Verein und sein inzwischen siebenköpfiger, ehrenamtlicher Vorstand haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Beziehung zwischen deutschen und ungarischen Kindern und Jugendlichen zu stärken. Im Mittelpunkt stehe laut dem DUJW daher die gegenseitige Begegnung durch Austausche, Sprachkurse, kulturelle Aktivitäten und Praktika. Das neue Büro in dem Bürohaus an der noblen Andrássy út sei nun der zentrale, administrative Ort, um Projekte organisieren zu können, betonte Maren Schoening nach der Eröffnung am vergangenen Donnerstag gegenüber der Budapester Zeitung. „Mit dem Hauptraum steht nun endlich auch eine große Fläche für Veranstaltungen zur Verfügung.“ Bisher habe man dafür immer extra teure Räumlichkeiten anmieten müssen.


Ort für Veranstaltungen

„Deutsche und Ungarn verbindet eine lange Geschichte miteinander“, erklärte die DUJW-Vorsitzende. Die Grenzöffnung vor 30 Jahren sei nur eines von vielen Beispielen dafür. Vor kurzem veranstaltete der Verein gemeinsam mit der Deutschen Botschaft Budapest eine zweitätige Veranstaltung mit einem Zeitzeugengespräch zu dem historischen Ereignis.

Zu Gast waren unter anderem der DDR-Flüchtling und Journalist Peter Escher, der Hauptorganisator des Paneuropäischen Picknicks László Nagy und der ehemalige EMMI-Minister und damalige Seelsorger für DDR-Flüchtlinge in Budapest, Zoltán Balog. Bei dieser Veranstaltung teilten die Zeitzeugen ihre Erlebnisse mit vor allem jüngeren Mitmenschen. Über 50 Teilnehmer zwischen 16 und 30 Jahren waren bei den Gesprächen in den neuen Büroräumen, der Botschaft und der Residenz dabei. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zu einer Reihe von Events, die sich mit der europäischen Grenzöffnung beschäftigen.


„Wir brauchen etwas, das uns noch in 30 Jahren verbindet"

Für solche Treffen hatte das DUJW bis vor kurzem keinen festen Ort. „Das Büro ist daher umso wichtiger, um gemeinsame Erlebnisse zu schaffen“, so die Staatssekretärin für Familie und Jugend Katalin Novák: „Die unter 30-jährigen können nicht nachvollziehen, wie es ist, wenn Länder und Lebensgeschichten getrennt werden“, sagte sie in ihrer Rede im Rahmen der Büroeröffnung. „Wir brauchen etwas, das uns auch noch in 30 Jahren verbindet.“

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Vor einem großen Publikum eröffnete das DUJW sein neues Büro. Hier sollen ab jetzt ihre Veranstaltungen stattfinden.


Auch der deutsche Botschafter in Budapest, Volkmar Wenzel, ging in seiner Rede auf die historische Verbindung beider Länder ein: „Man kann sich nie sicher sein, dass alles so bleibt, wie es jetzt ist. Von daher finde ich den Verein einen schönen Beitrag zur deutsch-ungarischen Freundschaft.“

Für Maren Schoening war die Büroeröffnung ein großer Tag und Meilenstein in der Arbeit des DUJW. „Das DUJW soll Menschen zusammenführen“, erklärte die Vorsitzende. Mit den Räumlichkeiten an der Andrássy út habe der Verein nun endlich ein Zuhause gefunden.


Sprache, Musik und Kultur

Das DUJW arbeite mit Institutionen wie Schulen, Kirchen, Ausbildungszentren, Universitäten, Ferienlagern, Sportvereinen, Jugendhäusern und kulturellen Einrichtungen zusammen, so Schoening und ergänzte: „Einer unserer Kooperationspartner ist die Andrássy Universität Budapest bei der Organisation des Deutsch-Ungarischen Forums.“ In diesem Jahr seien noch diverse, weitere Projekte geplant. Im August werde in Sopron eine Sommerakademie unter dem Motto „30 Jahre Paneuropäisches Picknick“ stattfinden. Anlässlich des Jubiläums der symbolischen Grenzöffnung zu Österreich, werden in der Stadt Symposien durchgeführt. Ziel sei es, dass junge Erwachsene, Zeitzeugen, Wissenschaftler und Politiker sich austauschen können. „So ein fünftägiges Camp vom 16. bis zum 20. August schweißt natürlich zusammen und es bilden sich neue Freundschaften“, äußerte sich Maren Schoening über einen weiteren Aspekt der Veranstaltungen.

Vom 9. bis zum 11. September organisiert das Jugendwerk mit der AUB das Deutsch-Ungarische Forum, welches in diesem Jahr in Berlin durchgeführt wird.

Die Vorsitzende berichtete auch, dass sich das DUJW im November zum Jubiläum des Mauerfalls an den Feierlichkeiten der Stiftung Berliner Mauer beteiligen werde. Außerdem sei 2020 ein Musikeraustausch zwischen einem deutschen und einem ungarischen Orchester mit geplant.


Bilaterale Zukunft

„Neben dem kulturellen Programm behandeln wir auch politische und wirtschaftliche Themen in unseren Workshops, an denen sich auch Schulklassen beider Länder beteiligen können“, führte Maren Schoening weiter aus. Ein mögliches, aktuelles Thema könne die Nachhaltigkeit sein, so die DUJW-Vorsitzende. Dabei sollen die Schüler gemeinsam Maßnahmen gegen Plastikmüll erarbeiten.

Das DUJW organisiere auch ein Mentorenprogramm, welches jungen Ungarn und Deutschen, die sich in der Ausbildung befinden, Unterstützung bei ihrem Start ins Berufsleben bieten soll. Dabei werden Inhalte wie Auslandsaufenthalte, Engagement für die bilateralen Beziehungen oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vermittelt. Die Mentoren seien Beschäftigte mit langjähriger Berufserfahrung aus verschiedenen Bereichen.

Außerdem werden Stipendien für Schüleraustausche oder Auslandspraktika vom Jugendwerk gefördert, erklärte Schoening weiterhin.

„Die räumliche Nähe der beiden Länder und die einfachen Reisemöglichkeiten machen einen Austausch heute unkompliziert“, bemerkte Volkmar Wenzel. Die DUJW-Vorsitzende ergänzte: „Der Perspektivenwechsel ist besonders wichtig, um die andere Kultur kennenzulernen.“ Für viele junge Ungarn seien gute Deutschkenntnisse außerdem ein großer beruflicher Vorteil.


Langfristiges Bündnis

Finanziert werde der Verein unter anderem durch die Sponsoren Audi und Siemens sowie durch Mitgliederbeiträge, Spenden und staatliche Zuschüsse für ausgewählte Projekte. Mitglied könne jeder werden, der sich für die deutsch-ungarische Beziehungen interessiere. Katalin Novák betonte, dass sie sich von der Initiative ein „langfristiges Bündnis“ erhoffe, welches die Freundschaft zwischen Deutschland und Ungarn stärken soll. Ihren besonderen Dank sprach sie allen jungen Menschen aus, die den Ort „mit ihren gemeinsamen Erinnerungen füllen“.


Mehr Informationen zu den Veranstaltungen des DUJW finden Sie unter www.dujw.org

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