Raus aus der Uni, rein ins Berufsleben – so sehen jedenfalls die gesellschaftlichen Erwartungen aus. Doch viele Studierende wissen am Ende ihrer Universitätszeit noch nicht so genau, womit sie ihre Karriere denn eigentlich beginnen wollen. So war es auch bei Eszter Tóth und Noémi Sziládi, als sie im Jahre 2015 ihren Abschluss an der Budapester Moholy-Nagy-Universität für Kunsthandwerk und Gestaltung (Mome) machten. Im Sommer desselben Jahres besuchten die Freundinnen allerdings ein Festival, das ihre Karriereplanung von Grund auf veränderte.


Vom Festivalbesuch zur Existenzgründung

Denn während der Musikveranstaltung kam ihnen die Idee, ihr eigenes Modelabel zu gründen und eine Kollektion mit stylischen Rucksäcken zu kreieren. Direkt nach dem Festival begannen die jungen Frauen, damals war noch eine dritte Mitentwicklerin dabei, an einem Logo, einem Namen und an den markenspezifischen Besonderheiten zu feilen, die sie von anderen Produkten auf dem Markt abheben sollten.

Dieser Prozess dauerte ungefähr ein halbes Jahr. Besonders bei der Namensfindung für die neue Marke taten sich die Designerinnen schwer. „Ideen gab es zwar genug, doch kein Namen hat perfekt gepasst“, erinnert sich Eszter Tóth.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Hochschulabsolventinnen große Fans des Budapester DJ-Duos „Küss Mich“, das seit 2008 Partys und Konzerte mit Musik versorgt. „Ich habe Noémi damals gefragt, ob sie mit mir zu einem der Auftritte gehen möchte“, erzählt Tóth. Doch statt „Küss Mich“ habe ihre Kollegin ein Wort verstanden, das so ähnlich klang wie Müskinn. Die ungewöhnliche Aneinanderreihung von Buchstaben habe den beiden Designerinnen so gut gefallen, dass sie es kurzerhand zu ihrem Markennamen machten. „Das Wort ‚Müskinn‘ erinnert uns bis heute an diese ganz besondere Zeit – damals im Sommer 2015“, schwärmen die beiden Frauen.


Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle

Mittlerweile haben die Designerinnen den Jungs Gördon und Splatter, so die Künstlernamen der „Küss Mich“-DJs, nicht nur ihren Markennamen zu verdanken. Auch designtechnisch hat das Label schon mit den Budapester Stimmungskanonen zusammengearbeitet. Das Endresultat ist in ihrer exklusiven Kollektion „Müskinn X Küss Mich“ zu sehen.

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Eszter Tóth und Noémi Sziládi stecken viel Arbeit in ihre Designerstücke.


Dies ist jedoch bei Weitem nicht die einzige Kollaboration, für die sich Tóth und Sziládi mit anderen Akteuren zusammengetan haben. Auch mit der Autistic Art Foundation und dem Musikproduzenten Bálint Zalka haben sie schon gemeinsam neue Produkte entwickelt.

Kooperationen wie diese seien charakteristisch für Müskinn und unterschieden die Marke von anderen Rucksackherstellern. „Wir haben immer mal wieder solche Projekte“, erklärt Eszter Tóth. Doch nicht nur das mache das Designlabel so attraktiv. Bei der Produktion achten die jungen Designerinnen besonders auf Nachhaltigkeit.

Der Mensch produziere generell zu viel Müll. Daher sei es wichtig, über Nachhaltigkeit nachzudenken, finden die beiden Frauen. „Die Arbeit mit recycelten Komponenten ist zudem einfach spannender, als wenn wir die Materialien alle neu kaufen würden“, erzählt Noémi Sziládi.

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Ausschließlich wiederverwertbare Stoffen für die Herstellung zu nutzen, sei aber auch bei Müskinn noch nicht möglich. „Es ist gar nicht so einfach, nachhaltige Artikel zu produzieren, die dann auch noch zu einem erschwinglichen Preis verkauft werden können“, schildert Sziládi.


Der Tiger als besonderes Symbol

Mit solchen und weiteren finanziellen Fragestellungen habe man sich bei dem Designlabel von Anfang an beschäftigt. „Wir konnten zu Beginn fast kein Geld in unsere Marke investieren“, entsinnt sich Eszter Tóth. Die vielen Stunden Arbeit mit gleichbleibendem Enthusiasmus zu bestreiten, ohne dabei auch nur einen Forint zu verdienen, sei nicht immer leicht gewesen. Auch das Aufbauen der Marke und deren Expansion waren laut den Designerinnen aufgrund der finanziellen Hürden große Herausforderungen.

Einen ersten Schritt in Richtung Markenausbau haben die beiden mittlerweile jedoch getan: Den jungen Frauen stärkt nun ein kleines Team den Rücken – angefangen von einer Mitarbeiterin für die Rucksackproduktion, einer Kollegin für die Betreuung der Online-Präsenz bis hin zu Praktikanten. Die helfenden Hände sind auch notwendig, denn mittlerweile verkauft Müskinn nicht mehr nur Rucksäcke, sondern bietet auch kleinere Accessoires und T-Shirts mit wildem Tigerprint an.

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Die Idee mit der grazilen Raubkatze sei aus dem Entschluss entstanden, eine Kollektion mit dem Fokus auf Selbstliebe und Selbstakzeptanz zu kreieren. Der Tiger stehe sinnbildlich für Stärke und Selbstvertrauen. „Eine solche Kraft brauchen wir alle in unserem Alltag“, so Noémi Sziládi.

Außerdem bietet Müskinn monatlich eine Reihe von Workshops an, in denen Laien unter Anleitung beispielsweise einen selbstdesignten Geldbeutel oder eine Gürteltasche herstellen können.

Mehr Informationen dazu sowie zu den Produkten von Müskinn finden Sie auf https://muskinn.com.

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