Bátor Tábor – deutsch: Mutiges Lager. Ein gewisses Maß an Tapferkeit gehört definitiv dazu, wenn ein Kind schwer erkrankt. „Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind acht Jahre alt und haben gerade erfahren, dass Sie an Krebs erkrankt sind. Und plötzlich verändert sich alles!“, schlägt Erna Kindli eine emotionale Brücke. Seit fast zwei Jahren ist sie CEO der gemeinnützigen Stiftung Bátor Tábor, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Kinder mit lebensbedrohlichen Erkrankungen und deren Angehörige zu unterstützen.

Oftmals können diese Kinder nach Erkennen ihrer Krankheit nicht mehr zur Schule gehen, verlieren ihre Freunde, dann ihr Selbstbewusstsein und schließlich auch einen großen Teil ihrer Selbstständigkeit. „Wenn ein Kind erkrankt“, so Kindli, „zerstört dies nicht nur die unbeschwerte Kindheit.“ Es sei auch eine Belastungssituation für die gesamte Familie.

Um den Kindern und deren Familien wieder neuen Mut zu geben, organisiert Bátor Tábor jährlich verschiedene Camps. Die Teilnahme daran ist vollkommen kostenlos.


Voll ausgestattetes Camp

Die Idee, Camps für schwerkranke Kinder anzubieten, stamme aus den USA, wo solche Ferienlager bereits seit den 1980er Jahren durchgeführt werden. Vor über zwei Jahrzehnten kam das Konzept mit dem ersten Camp in Irland schließlich auch nach Europa. „Ein paar ungarische Psychologen und Doktoren waren in dem irischen Camp zugegen. Ihnen war schnell klar, dass dieses Programm auch in Ungarn etabliert werden sollte“, berichtet Kindli.

Seit 18 Jahren bietet nun auch Bátor Tábor schwerkranken Kindern und Jugendlichen eine sichere Umgebung, in der sie trotz ihrer Lebensumstände wieder unbeschwert seien können. Mit den Jahren baute sich die NGO ihren eigenen Campingplatz auf, der circa 60 Kilometer von der ungarischen Hauptstadt entfernt liegt.

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„Pferde haben für die Kinder imCamp eine hohe therapeutische Bedeutung“, erklärt Kindli.


Umgeben von viel Natur sind hier neben Unterkünften für Campteilnehmer und die freiwilligen Helfer auch ein Kletterwald, ein kleiner See, eine Sporthalle und ein Fußballplatz zu finden. Auch eine Pferdekoppel sowie eine Reithalle sind auf dem Areal vorhanden. „Pferde haben für die Kinder im Camp eine hohe therapeutische Bedeutung“, erklärt Kindli. Natürlich existiere auch ein kleines Krankenhaus auf dem Gelände. So können die Campteilnehmer gesundheitlich betreut werden.


Die Kinder lernen, mutig zu sein

Neben krebskranken Teilnehmern sind auch Diabetiker und Patienten mit der Bluterkrankheit Hämophilie im Programm untergebracht. Zudem finden ab diesem Sommer auch Kinder und Jugendliche mit transplantierten Herzen und Nieren einen Platz im Bátor Tábor. Doch so schlimm diese Krankheitsbilder auch klingen mögen: In dem Camp gehe es nicht darum, dass die Teilnehmer über ihren Gesundheitszustand klagen, sagt Kindli. Vielmehr werde hier ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Eines der Ziele von Bátor Tábor sei es, das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen aufzubauen.

„Jedes Kind bekommt Aufgaben gestellt, die es bewältigen muss“, erklärt die CEO der gemeinnützigen Organisation. Diese seien individuell auf das jeweilige Kind zugeschnitten. Während es für manche Kinder eine Herausforderung sei, zu klettern, kann es für einen anderen Campteilnehmer schwierig sein, eines der Pferde zu streicheln. Während der Zeit im Camp haben die Teilnehmer stets ein volles Programm.


Motivierte Ehrenamtliche helfen im Camp

Mit dabei sind auch immer freiwillige Helfer. Sie unterstützen die Teilnehmer unter anderem dabei, ein Bewusstsein für ihre Fähigkeiten zu etablieren. Grundsätzlich sei fast jeder ab 20 Jahren als ehrenamtlicher Mitarbeiter willkommen, denn egal ob introvertiert oder extrovertiert: Für jeden gebe es passende Aufgabenbereiche. „Wichtig sei vor allem die richtige Motivation!“, erklärt Kindli. Bei Vorstellungsgesprächen wird diese durch Mitarbeiter von Bátor Tábor eingeschätzt.

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Die Ehrenamtlichen helfen den Campteilnehmern bei der Bewältigung ihrer individuellen Aufgaben.


Vor dem Einsatz im Camp absolvieren die Ehrenamtlichen, die im Bewerbungsprozess überzeugt haben, diverse Trainingseinheiten. Diese bereiten sie auf unterschiedlichste Situationen vor, die bei der Arbeit mit kranken Kindern und Jugendlichen vorkommen können. Bei der Betreuung der Kinder sind die engagierten Helfer nie allein: „Bei uns gilt eine 2:1-Regel. Das bedeutet, dass sich je zwei Freiwillige um ein Kind kümmern“, berichtet Kindli. So können sich die beiden in schwierigeren Situationen gegenseitig gut unterstützen. Unterstützung finden die Camper auch untereinander. Jeder helfe jedem.


Camps nach individuellen Bedürfnissen

Allein in diesem Jahr finden 15 Lager im Zeitraum von März bis November statt. Mit dabei sind neben rund Tausend freiwilligen Helfern auch 1.030 Camper. Dabei werden unterschiedliche Camp-Modelle angeboten. Kleine Kinder bis sieben Jahre können zusammen mit ihren Familien an viertägigen Aktivitäten teilnehmen. Die Camps der sieben bis 18-Jährigen dauern eine Woche. Zudem werden auch „Geschwister-Camps“ angeboten. Hierbei kommt das kranke Kind beziehungsweise der kranke Jugendliche zusammen mit dem gesunden Geschwisterkind.

Warum diese Art von Camp wichtig ist, kann Kindli genau erklären: „Wenn ein Kind krank wird, dreht sich in der Familie fast alles nur noch um diese eine Person.“ Dies habe Auswirkungen auf die Bindung der Geschwister. So könnten diese eifersüchtig werden, weil das kranke Kind mehr Aufmerksamkeit bekommt. Andererseits könne auch das erkrankte Kind neidisch auf das Geschwisterkind und dessen Gesundheitszustand sein. „Wenn dem nicht entgegengewirkt wird, dann gefährden diese Aspekte die geschwisterliche Bindung möglicherweise bis ins Erwachsenenalter“, ist Kindli überzeugt. In einem weiteren Modell werden Familien betreut, die ein Kind aufgrund dessen Krankheit verloren haben.


Auch international tätig

Bátor Tábor arbeitet mit 60 Krankenhäusern aus Ungarn, Polen, der Tschechischen Republik und der Slowakei zusammen. Aufgrund dessen gibt es zusätzliche internationale Camps, in denen Jugendliche über ihre kulturellen Grenzen hinauswachsen. Damit all diese Projekte realisiert werden können, benötigt die NGO 1,8 Millionen Euro pro Jahr. Ein großer Betrag, der unabhängig von Regierungsgeldern zusammenkommen muss. Für Privatpersonen und Unternehmen gibt es verschiedene Möglichkeiten, Bátor Tábor zu unterstützen. Das Campingareal könne beispielsweise für Unternehmensaktivitäten gebucht werden, wenn zu diesem Zeitpunkt kein Camp stattfinde.

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Die freiwilligen Helfer zeigen den Kindern, welche Fähigkeiten in ihnen stecken.


In den Camps hätten sich bereits Erfolgsgeschichten ereignet, die nicht nur eine positive Resonanz für die Arbeit der NGO aufzeigen, sondern auch Zuversicht geben, erzählt Kindli. Am Ende der Campzeit habe sich die Einstellung vieler Teilnehmer stark verändert. Einige Kinder hätten vor dem Camp ihre Hoffnung auf Genesung bereits verloren. Nach dem Camp nehmen sie freiwillig ihre Medizin, kooperieren mit den Ärzten und hätten ein neues Selbstbewusstsein erlangt, gibt Kindli einige Erfahrungen der letzten Jahre wieder. „Die Camps haben immer etwas sehr Magisches“, fasst sie zusammen.


Bátor Tábor

Budapest, XIII. Bezirk, Reitter Ferenc utca 46-48

Steuernummer: 18107913-1-41

Kontonummer: 10918001-00000015-88740016

Weitere Informationen finden Sie auf https://batortabor.hu/

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