Vor 25 Jahren wurde die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde Budapest offiziell als Teil der ungarischen Kirche gegründet. Aber bereits davor gab es eine deutschsprachige Kirchengemeinde. Die deutschsprachigen Gläubigen, vor allem Ehefrauen von in Budapest tätigen Beamten, hätten sich allerdings nicht zum Gottesdienst, sondern zu sogenannten Bibelstunden getroffen, erzählt Pfarrerin Barbara Lötzsch. Sie brachten den evangelischen Glauben und die deutsche Sprache mit.


Gleichbleibende Mitgliederzahlen

Heute zählt die Gemeinde etwa 220 eingetragene Mitglieder, was circa 50 bis 55 Familien entspricht. Die Anzahl sei in den letzten Jahren etwa gleichbleibend. In den 90er Jahren hingegen habe es aufgrund der damals generell höheren Zahl an Deutschen in Budapest, die etwa von Unternehmen nach Ungarn entsandt worden waren, mehr Mitglieder gegeben, so Barbara Lötzsch. Heute würden die Menschen durchschnittlich auch nicht mehr so lange wie damals im Land bleiben. Auch sei nicht jeder an Kirche und Religion interessiert. Und wiederum nur ein Bruchteil habe Interesse an der evangelischen Kirche. Man sei daher auch nicht automatisch Mitglied, so die Pfarrerin. Ähnlich wie bei einem Verein müsse man die Mitgliedschaft in der Gemeinde erst beantragen. Der Beitritt sei zudem mit einer finanziellen Verpflichtung verbunden.

Doch nicht nur Gemeindemitglieder, auch viele Touristen seien regelmäßige Gäste der Gottesdienste. An der Kollekte und den darin befindlichen unterschiedlichen Währungen bemerke man diesen Umstand, erklärt Lötzsch. Neben Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz würden auch Finnen, Holländer oder Ungarn mit guter Beziehung zur deutschen Sprache an den Gottesdiensten teilnehmen, erzählt die Pfarrerin.


Spezielle Angebote

Der Gottesdienst der deutschsprachigen Kirchengemeinde am Burgberg findet wöchentlich am Sonntag um zehn Uhr vormittags statt. Nach dem Gottesdienst könne man bei einem Kaffee neue Bekanntschaften schließen, schildert Lötzsch. Gerade dieses gesellige Miteinander sei als Kontaktbörse für Neuzugezogene besonders attraktiv.

Zufrieden erzählt sie vom neu eingerichteten Krabbelkreis für Mütter mit kleinen Kindern. „Auch Väter sind herzlich willkommen, nur hatten wir bisher noch keine.“ Zudem gebe es einen Studierendenkreis an der Andrássy Universität Budapest. Dieser sei auf speziellem Wunsch der deutschsprachigen Studierenden entwickelt worden, so Lötzsch. Nicht zuletzt habe sich vor Kurzem eine eigene Männerrunde innerhalb der Gemeinde gegründet.

Natürlich begeht die evangelische Gemeinde gemeinsam auch die üblichen Feste und Feierlichkeiten innerhalb des Kirchenjahres. Bei einigen Veranstaltungen stelle sich jedoch manchmal das Problem mangelnder Teilnahme. Die Gemeindemitglieder würden etwa zu Weihnachten meist in ihre Heimatländer fahren und könnten daher nicht in großer Zahl an den hiesigen Programmen teilnehmen, erklärt Lötzsch.

In der Vergangenheit habe man Veranstaltungen zu jener Zeit daher auch schon gemeinsam mit der katholischen Gemeinde organisiert. Die „Masse“ komme dabei aber sicherlich nicht von der evangelischen Gemeinde, erzählt die Pfarrerin lächelnd, ergänzt aber: „Diese ökumenischen Feste sind jedoch nicht in erster Linie aus der Not geboren, sondern eher aus dem Selbstverständnis heraus, dass wir hier als Glaubens- und Sprachgeschwister zusammenarbeiten können.“

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Barbara Lötzsch leitet als Pfarrerindie Deutschsprachige Evangelische Gemeinde in Budapest. (Foto: Deutschsprachige Evangelische Gemeinde Budapest)


Probleme der Gemeinde

Die hohe Mitgliederfluktuation sei aktuell ein fundamentales Problem der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Budapest. Aber noch schwerwiegender sei die finanzielle Lage. In Deutschland, so die Pfarrerin, funktioniere die Kirche in der Regel von Alleine. Organisationsstrukturen sind vorhanden und die Finanzen nicht unbedingt besorgniserregend. Nicht so im Ausland.

Ein positiver Umstand für die kleine Gemeinde in Budapest sei jedoch, so Lötzsch, dass sie Teil der ungarischen Kirche ist und zusätzlich als Auslandsgemeinde gefördert werde. Die Mitgliedsbeiträge würden zwar helfen, dennoch gebe es Kosten, die allein durch diese nicht gedeckt werden könnten.

Ein akutes Problem, für dessen Lösung die Pfarrerin auch um Spendengelder ersucht, sei eingedrungene Feuchtigkeit im Gemeinderaum, der auch als Kapelle genutzt wird. Unterhalb des Raumes befänden sich „dunkle und muffige“ Kellerräume. Eine Sanierung beider würde erst nach genauer Begutachtung des Schadens Sinn machen, so Lötzsch.

Die sanierungsbedürftigen Räume seien zwar nicht im Eigentum der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde, jedoch würden diese gemeinsam mit der ungarischen Burggemeinde benutzt. Daher, so die deutsche Pfarrerin, bestehe ein Unterstützungsinteresse.


Wünsche für die Zukunft

Für die Zukunft wünscht sich Barbara Lötzsch die gute Beziehung zu den ökumenischen Partnern weiter zu vertiefen und jene zu den anderen Institutionen deutscher Sprache in Budapest auszubauen. Ein Zuwachs der Berührungspunkte zwischen diesen sei für sie sehr wünschenswert.

Für fast alle Altersklassen hält die Gemeinde diverse Angebote bereit. Nur für Kinder gebe es derzeit nicht viel. Barbara Lötzsch hat es sich zum Ziel gesetzt, zukünftig daran etwas zu ändern.

Ein zentraler Wunsch der engagierten Pfarrerin ist die Schaffung einer soliden finanziellen Basis. Zwar erhalte die Kirchengemeinde regelmäßig Spenden für ihre sozialen Projekte, etwa zur Unterstützung eines Kinderheimes in Miskolc oder für die Obdachlosenarbeit, dennoch sei die Lage prekär.


25-Jahr-Feier

Am Sonntag feierte die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde Budapest ihre Einbindung in das Netzwerk von EKD und in die ungarische Kirche im Jahre 1993. Der Gottesdienst wurde vom Bischof der ungarischen Kirche, Tamás Fabiny, geleitet. „Die deutschsprachigen Christen gehören zur ungarischen Kirche und zu Ungarn seit jeher dazu“, predigte dieser.

Das Zusammenkommen aller bisherigen diensthabenden Kollegen und einer Kollegin der vergangenen 25 Jahre sowie sogar einiger Pfarrer aus der Zeit vor der offiziellen Gemeindegründung habe sie sehr berührt, sagt Lötzsch.

Im Anschluss an den Gottesdienst fand ein Begegnungsfest inklusive Erinnerungsgeschichte und Gemeindebegehung statt. Im Kreise der vielen ökumenischen Gästen ließ man das Fest schließlich ausklingen.

Weitere Informationen zu aktuellen Terminen der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Budapest finden Sie auf https://kirche.lutheran.hu/.

Wer die Gemeinde und ihre kirchliche Arbeit unterstützen möchte, hat die Möglichkeit, dies auf verschiedenen Wegen zu tun:

Wer in Ungarn Steuern zahlt, kann ein Prozent der Jahressteuern der Gemeinde zukommen lassen, indem er es im Rahmen seiner Steuererklärung deren Stiftung, der „Német Evangélikus Gyülekezet Alapítvány, Steuernummer 18047840-1-41“ zuspricht.

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, direkt zu spenden. Die Bankverbindungen der Gemeinde lauten:


UniCredit Bank Hungary Zrt.

BIC: BACXHUHB

IBAN für HUF Konto: 4910918001-00000410-78390002

IBAN für EUR Konto: 2310918001-00000410-78390002


Für Überweisungen aus Deutschland: Konto der Ev. Kirche in Deutschland bei der EKK Hannover; IBAN: DE05 5206 0410 0000 6600 00; BIC: GENODEF1EK1; Stichwort „Gemeinde Budapest“

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