Stellen Sie sich vor, es ist das Jahr 2030. Sie sitzen in Ihrem selbstfahrenden Auto, so wie viele auf der Straße. Doch plötzlich springt das Radio auf eine andere Frequenz, die Türen verriegeln sich und auch das Navi ändert seine Route. Sie haben keinen Einfluss mehr auf Ihr Fahrzeug, es ist das Ziel eines Hackerangriffs geworden. Das dies keine absurde Vorstellung aus einem Sciencefiction-Film ist, sondern bereits Realität, zeigen die neuesten Nachrichten über den Autohersteller Tesla. Chinesische Hacker hatten sich in das selbstfahrende Auto der Reihe Tesla S gehackt und dieses auf die Gegenfahrbahn gelenkt, um die Sicherheitssysteme des Herstellers zu überprüfen.


Mit Hacks Sicherheitslücken aufzeigen

An Sicherheitslücken wie diesem arbeitet auch Deloitte. Durch professionelle Tests dringen sie in die Geräte und Netzwerke ihrer Kunden ein, um so Schwachstellen in den Systemen zu finden und diese auszumerzen. Der Leiter des German Desk von Deloitte, Manfred Siebke, lud die Wirtschaftsjunioren am vergangenen Donnerstag zu einer praxisorientierten Präsentation ein, bei der Roboterarme und die Hauptplatine eines Autos gehackt wurden. In einer Diskussionsrunde wurden am Ende die Fragen der Zuhörer beantwortet.

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András Kabai klärt über die Gefahrenin den Bereichen Car-, Hardwareund Robothacking auf.


Ziel der Präsentation war es, aufzuzeigen, wie einfach technische Geräte zu manipulieren sind. Zwei Mitarbeiter von Deloitte veränderten beispielsweise in wenigen Minuten den Quellcode, sprich die DNA der Programme, um die Steuerung eines Roboterarms zu übernehmen. Dieser ließ Gegenstände nun einfach fallen, anstatt sie zu befördern. Der eigentliche Besitzer hat währenddessen keinen Einfluss mehr auf die Bedienung. Bei der Platine des Autos war es sogar möglich, die Geschwindigkeit und die Fahrtrichtung zu ändern, wie zuvor beim Tesla S.


Duell zwischen Entwicklern und Kriminellen

Solche Angriffe seien laut András Kabai von Deloitte keine Seltenheit im Alltag. Zwar seien Firmen und Banken, die mit hochsensiblen Daten arbeiten, verpflichtet, einmal im Jahr ihre Systeme auf Schwachstellen zu testen und diese gegebenenfalls verbessern zu lassen, dennoch sei das Risiko eines Hacker-Angriffs größer, als die Sicherheit, die geboten werden könne. Solange die Unternehmen die Vorschriften einhielten, könnten sie nicht haftbar gemacht werden, der Kunde sei machtlos. „Nichts ist unmöglich zu hacken“, so András Kabai. „Nicht einmal eine mehrfach geschützte Banking-App.“

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Für moderne Technologien stellen Hackerangriffe eine immer größere Gefahr dar. (Fotos: András Őrsi / Deloitte Hungary)


Die Sicherheit eines Systems sei ein permanentes Duell zwischen den Entwicklern und den Kriminellen, die auch die neuesten Updates immer wieder zu überwinden versuchen. Das zeigt sich unter anderem bei Unternehmen wie Facebook, bei dem erst letztes Jahr private Daten, wie beispielsweise die letzten Aufenthaltsorte oder Suchanfragen von rund 30 Millionen Nutzern entschlüsselt wurden. Leaks wie der Bundestag-Hack in Deutschland im Jahr 2015, bei dem 20 Gigabyte Daten aus dem internen Netzwerk abgeflossen sind, machen die Sicherheit von Computersystemen zu einer Frage der nationalen Sicherheit.


Die Gefahr beginnt im Alltag

Aber nicht nur große Organisationen seien das Ziel solcher Cyber-Angriffe, so Gábor Asztalos von Deloitte. Auch Alltagsgegenstände können oft problemlos infiltriert werden. Theoretisch ginge das mit jedem „smarten“, sprich computergesteuerten Gerät, selbst mit dem häuslichen Sicherheitssystem, dem Staubsauger-Roboter oder dem Kühlschrank.

Was zunächst absurd klingt, ermöglicht es den Hackern, über den schwächsten Punkt das Netzwerk des gesamten Hauses zu durchdringen, um Daten zu stehlen oder die Authentifizierung neu zu schreiben. Gefährlich werden kann dies auch bei dem eigenen Smartphone oder Laptop. Bei diesen Geräten könne beispielsweise die Kamera gehackt werden, während gleichzeitig die Signallampe ausgeschaltet wird, wodurch das Filmen von den Nutzern nicht bemerkt wird, erklärt Asztalos.

„Insbesondere wenn Sie günstige Speicherkarten und Smartphones aus China kaufen, besteht die Gefahr, dass sich Kriminelle Zugriff auf ihre Fotos und Videos verschaffen. Sie kennen sicher die Filme, in denen dunkle Gestalten hektisch Nummern und Buchstaben über den Bildschirm laufen lassen. Diese Filme sind längst Realität.“

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Die Hauptplatine eines Autos wurde in wenigen Minuten infiltriert.

Heftig diskutiert wird wegen ebendieser Sicherheitsbedenken auch der Plan Ungarns, beim Ausbau der 5G-Netze mit dem chinesischen Netzwerkausrüster Huawei zu kooperieren. Das Unternehmen stehe immer wieder in der Kritik, Hintertüren in Netzwerken zu installieren, um Spionage zu betreiben, so Asztalos. Huawei-Gründer Ren Zhengfei bestreite zwar Pläne seiner Firma, die Hardware zu manipulieren, allerdings habe er ausgezeichnete Kontakte zur Staatsführung. Erst diese Woche habe Google die Zusammenarbeit mit Huawei eingeschränkt, nachdem diese Firma auf der schwarzen Liste der US-Regierung gelandet war.

Für die Besucher steht am Ende des Tages bei Deloitte eine Lehre fest: Je mehr sich unser Alltag digitalisiert, desto mehr gilt es, sich mit den Risiken von Hacker-Angriffen zu beschäftigen und die eigenen Daten zu schützen. Die Unternehmen könnten jedenfalls keinen vollständigen Schutz gewährleisten. Wer vollständig auf Nummer sicher gehen möchte, für den blieben nur analoge Alternativen.

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