Sobald man den kleinen Laden „Repertory” betritt, strömt einem der leichte Duft ätherischer Öle entgegen. An den Wänden hängen getrocknete Blumen, die in Bilderrahmen eingerahmt sind. Auf den hölzernen Regalen stehen zwischen den minimalistischen Halsketten auch Duftkerzen. Die weißen Wände und die warmen Farben der ausgestellten Kleidungsstücke harmonieren mit den kleinen Details und den vielen Topfpflanzen, die dem Laden eine richtige Wohlfühlatmosphäre verleihen.

Genau hier arbeitet die junge Designerin und Gründerin des ungarischen Modelabels „Daige“ (ausgesprochen: [deːʃ]), Melinda Tóth. Mit der Budapester Zeitung unterhielt sie sich nicht nur über die Entstehungsgeschichte ihrer Marke, sondern auch darüber, woher sie ihre Inspiration nimmt und was sich hinter der Lebensphilosophie des „Slow Living“ verbirgt, die sich auch in der von ihr entworfenen Kleidung widerspiegelt.


Von London nach Budapest

Es sei nicht immer ihr Plan gewesen, Designerin zu werden, erzählt Melinda Tóth, erst recht nicht eine eigene Mode-Marke zu entwickeln. Jedoch habe sie sich schon immer für Ästhetik und das Visuelle interessiert. Zumindest für ihr Umfeld sei es deshalb keine große Überraschung gewesen, als sie sich dazu entschloss, den Schritt in die Modebranche zu wagen.

Die Erkenntnis, dass Mode und Design nicht nur in ihrem Privatleben eine große Rolle spielen, sondern auch zur Berufung werden könnten, kam Melinda Tóth, als sie ein Auslandsjahr in London verbrachte. Besonders das „London College of Fashion“ habe sie dazu motiviert und inspiriert, aus ihrer Leidenschaft ein Geschäft zu machen und ihre Liebe zur Mode zu stärken.

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Als sie nach Ungarn zurückkehrte, habe Tóth sich dazu entschieden, Modedesign auch in ihrer Heimat Budapest zu studieren. Kurz nach ihrem Abschluss gründete sie dann 2012 das Label Daige. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, denn bereits im nächsten Jahr folgte die Nominierung als beste Designerin für den ungarischen „Instyle Style Award“, 2014 eine Nominierung für die Auszeichnung „Glamour Woman of the Year“ und 2015 erneut eine Nominierung von
Instyle.

Vielfalt in der Inspiration

Die Inspiration für die Kleidungsstücken ändere sich mit jeder Kollektion, meint Tóth. So entwarf sie bereits Kollektionen, die eher im Bereich Vintage einzuordnen sind und an die Outfits von Tänzern aus den 20er- und 30er-Jahren angelehnt waren sowie an das goldene Zeitalter Hollywoods. Auch ihre letzte Kollektion war ein Sprung zurück in die Mode-Vergangenheit: eine Hommage an das Studio 54 und den dazu passenden Stil des Disco-Zeitalters.

Obwohl ihre Inspirationsquellen vielfältig sind, verbindet Melinda Tóth dennoch jede Daige-Kollektion mit einem roten Faden, der sich durch alle Veröffentlichungen der Marke zieht. Jedes einzelne Teil soll tragbar bleiben und den lockeren Lebensstil symbolisieren, für den das Label steht. „Wenn die Kunden morgens aufstehen und etwas von Daige anziehen, sollen sie das Gefühl haben, dass der Tag besser für sie startet“, erklärt Tóth. Sie möchte, dass die Kunden ein Gefühl der Gemütlichkeit durch ihre Kleidung vermittelt bekommen und währenddessen ihre natürliche Schönheit betont wird.

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„Slow Living“

Daige richtet sich in erster Linie an die Frauen, bei denen die Qualität ihrer Kleidung an vorderster Stelle steht. Die einzelnen Kleidungsstücke lassen sich sehr gut mit unterschiedlichen Stilen kombinieren, weshalb sich der Kundenkreis von Daige nicht auf eine bestimmte Zielgruppe beschränkt. Von jungen Frauen, die sehr viel Wert auf Trends und Vielfältigkeit legen bis hin zu Damen, die einen klassischen Businessstil bevorzugen, bietet Daige den verschiedensten Vorstellungen eine Auswahl an passender Kleidung.

Eine Einschränkung hat das Label laut Melinda Tóth jedoch schon: Es möchte sich dem „Slow Living“ anpassen und besonders die Leute ansprechen, die sich nach dieser Lebensphilosophie richten.

„Slow Living“ oder zu Deutsch „langsames Leben“ bedeutet, sich nicht von dem hektischen Alltag mitreißen zu lassen und sich stattdessen Zeit für alltägliche Rituale zu nehmen und diese zu genießen, wie zum Beispiel das Einkaufen von Kleidung. So versteht man auch, warum Melinda Tóths Laden Repertory den Fokus auf eine so entspannende Atmosphäre legt, die es den Kunden ermöglicht, ein wenig aus dem stressigen Alltag der Großstadt zu entfliehen. Außerdem steht das „Slow Living“ für ein bewussteres Einkaufen, also nur Kleidung zu kaufen, die wirklich zu einem passt.


Inspiration aus dem Osten

Die neuste Kollektion von Daige feierte gerade erst Anfang Mai ihre Veröffentlichung im Repertory und ist mittlerweile auch schon online verfügbar.

Wie Melinda Tóth der Budapester Zeitung erzählt, diente diesmal Fernost als Inspiration für die Designs. Genauer genommen lag der Fokus auf Indien und dessen Hinduismus-Kultur. Obwohl Tóth nach eigener Aussage selber noch nie in Asien war, fasziniere sie Indien sehr. So habe sie viel über die Hindu-Gottheiten recherchiert und viele indische Filme angesehen, um Inspiration für die neue Kollektion zu finden. Sehr geholfen habe ihr, sich selbst die Frage zu stellen: Was würde ich tragen, wenn ich in Indien wäre?

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„Ich habe versucht mir vorzustellen, wie es wäre, in Indien zu sein, und habe mich gefragt, in welcher Kleidung ich mich dort wohlfühlen würde“, so Tóth. So entstanden komfortable Oberteile und Kleider, die besonders den bunten Lebensstil Indiens widerspiegeln. Die Farben Orange, Lila und Grün, aber auch Abbildungen der Hindu-Göttin Ganga sind auf mehreren Kleidungsstücken wiederzufinden.

Wie bereits bei den vorherigen Kollektionen steht auch hier die Tragbarkeit im Mittelpunkt, schließlich sollen die Designerstücke es den Kundinnen ermöglichen, sich modebewusst zu kleiden, ohne Abstriche beim Komfort zu machen.


Die Kleider von Daige sind im Designladen Repertory und online auf www.daige.bigcartel.com zu finden.


Repertory

Budapest, XI. Bezirk, Budafoki utca 5

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 12 bis 20 Uhr, Samstag 11 bis 18 Uhr

Weitere Informationen finden Sie auf https://www.facebook.com/repertorystore/

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