Mindszenty´s Vermächtnis ist gewaltig. Er trat vehement für die christlichen Werte ein und bekam dafür Spott, Verachtung, Folter und Gefängnis. Im Revolutionsjahr 1956 wurde Mindszenty Ende Oktober von Soldaten und der Ungarischen Nationalwache (ung.: Magyar Nemzetőrség) befreit. „Ich kann nicht sagen, dass ich nunmehr ehrliche Worte finde, weil ich immer nur die Wahrheit gesagt habe!“, verkündete er am 3. November 1956 im Ungarischen Rundfunk. Am 4. November 1956 musste er vor seiner Verhaftung durch kommunistische Kräfte in das Gebäude der Budapester US-Botschaft flüchten, wo er bis zum 28. September 1971 lebte. An diesem Tag war er gezwungen, Ungarn zu verlassen.

Wahrheit und Gerechtigkeit – Mindszenty hätte auch heutzutage Platz in unserem Europa, wo die Wahrheit oft verschwiegen wird und Lügen verbreitet werden. Eine Persönlichkeit, die als Beispiel vor uns steht und uns auch vom Himmel her führt. Am 12. Februar 2019 erhielt er von Papst Franziskus den heroischen Tugendgrad.

Am 7. Mai 2019 feierten die Ungarn die Einweihung einer Gedenktafel zu Ehren von Kardinal Mindszenty im Kölner Dom. Diese ist zugleich eine gewisse Entschädigung für das frühere Mindszenty-Ungarnhaus, in dem die Ungarn Jahrzehnte lang zu Hause waren, und das in Zukunft vom Erzbistum Köln für andere Zwecke genutzt werden soll, obwohl die Anzahl der im Rheinland lebenden Ungarn stetig zunimmt. An der Stelle der Flüchtlinge, die im Jahre 1956 Ungarn verlassen mussten, leben nun zahlreiche ungarische Familien im Rheinland: sie finden ihr Zuhause für kürzere oder längere Zeit unter uns und besuchen die katholischen oder kalvinistischen Gottesdienste rund um Köln. Pfarrer József Lukács arbeitet mit unserer Kantorin Edit Mustos fleißig an der Betreuung der ungarischen Gemeinde. In mehreren deutschen Städten und in Luxemburg gibt es Gottesdienste. Außerdem gibt es Kindergarten- und Schulbeschäftigungen für ungarische Kinder, damit sie ihre Muttersprache sowie die ungarische Kultur und Geschichte nicht vergessen.

Bei der Einweihung der Gedenktafel erinnerten wir Ungarn uns gemeinsam mit unseren deutschen Freunden und Familienmitgliedern an den großen ungarischen Kardinal. Der Kölner Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp, der Weihbischof der im Ausland lebenden Ungarn, Dr. Ferenc Cserháti, der ungarische Pfarrer József Lukács sowie 21 Priester verschiedener ungarischer Gemeinden in Europa konzelebrierten vor dem Hohen Altar des Doms.

Bischof Dr. Schwaderlapp verwendete in seiner Predigt einen Ausspruch des vor kurzem verstorbenen Kölner Kardinals Meißner: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!“. Dieser Spruch gilt für Mindszenty ebenso wie für seine geistigen Nachfolger, aber eigentlich für alle Menschen gleichermaßen.

Über allem schwebt die Botschaft von Mindszenty: Trotz Verwirrung standhaft bleiben!

Der Autor des Leserbriefes ist Oberst und Kommandant der Ungarischen Nationalwache in Deutschland

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