Die ungarische Afrikagesellschaft, kurz AHU, ist vielseitig aktiv. Viele große Projekte liegen im Medizinbereich. Der erste Einsatz begann im Jahr 2009. Seither wurden insgesamt 19 weitere erfolgreich durchgeführt. Demnächst startet die 20. Hilfsaktion.


Auch in Ungarn aktiv

Die AHU ist aber auch in Ungarn aktiv. Mithilfe eines richtigen Rettungswagens fahren freiwillige Helfer in abgelegene Dörfer im Norden und Westen des Landes, und führen dort einfache medizinische Untersuchungen durch. Blutdruckmessung, die Durchführung eines EKG oder die Messung des Blutzuckers seien etwa möglich, so Zsuzsa Orzói, Mitarbeiterin der Afrikagesellschaft.

Bei den Patienten handele es sich nicht ausschließlich um arme Menschen. Auch seien es nicht etwa nur Migranten aus Afrika, die diese Art der medizinischen Hilfe in Anspruch nehmen. Die Dörfer wären vielmehr sehr abgelegen und hätten keine Ärzte oder medizinische Einrichtungen in unmittelbarer Nähe, erzählt Orzói. Die Menschen ersparen sich dank des medizinischen Dienstes der AHU kostspielige Zugtickets und lange Fahrten.


Laufende Projekte in Afrika

Momentan ist die AHU in zwei afrikanischen Ländern, Uganda und Malawi, aktiv. In den vergangenen Jahren gab es auch eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern Afrikas: Madagaskar, Äthiopien, die Demokratische Republik Kongo, Marokko, Mali, Guinea und Mauretanien.

Wichtig ist den Verantwortlichen der AHU, dass sie nur in jenen Ländern aktiv helfen, in denen sie willkommen sind und in die sie eingeladen werden, so Zsuzsa Orzói. Man wolle sich keinesfalls jemandem aufdrängen, der keine Hilfe braucht oder will. Man wolle die Menschen nicht verändern und ihnen vorschreiben, was sie zu tun hätten. Wenn die AHU aber um Hilfe gebeten werde, dann sei Nachhaltigkeit das primäre Ziel der Einsätze.


Medizinische Mission

Eine medizinische Mission zum Beispiel könne zwar innerhalb eines Monats die Krankheiten vieler Menschen behandeln. Aber was passiert, wenn die Ärzte das Land wieder verlassen? Ein Lösungsansatz, so Zsuzsa Orzói, sei es, zwischen den einzelnen Missionen die Arbeit am Laufen zu halten und somit einen Weg zur Nachhaltigkeit zu finden.

#

(Fotos: Magyar Afrika Társaság)

Natürlich sei es nicht möglich, innerhalb eines Monats einen Doktor auszubilden. Aber man könne bereits praktizierenden Ärzten vor Ort bei ihrer medizinischen Spezialisierung helfen und ihnen Möglichkeiten der Weiterbildung geben. Es sei daher nicht unbedingt wichtig, innerhalb des Einsatzes möglichst viele Menschen zu behandeln, sondern das Wissen über die Behandlungsmethoden weiterzugeben.

Als eindrucksvolles Beispiel führt die langjährige Mitarbeiterin der AHU die Situation in Malawi an. Nur einen einzigen HNO-Arzt habe es im ganzen Land gegeben! Dieser hätte zwei Studenten in Ausbildung gehabt. Durch die Mithilfe der AHU konnte einem dieser beiden eine Weiterbildung im ungarischen Pécs ermöglicht werden. Durch gemeinsames Arbeiten und spezielle Vorträge, erzählt Orzói stolz, habe man so einen zweiten HNO-Arzt nach Malawi zurückschicken können. So können sich die Situation „Schritt für Schritt“ verbessern.

Viele der Krankheiten, die man bei den Einsätzen in Afrika zu Gesicht bekäme, seien nicht etwa besonders ungewöhnlich, dafür aber oft über sehr lange Zeit nicht behandelt worden. Deren Symptome seien daher für ungarische Ärzte von besonderem Interesse. Die freiwilligen Helfer kämen jedenfalls mit vielen neuen Erfahrungen und interessanten Erkenntnissen nach Europa zurück.

Zwischen 2009 und 2016 haben mehr als 36 Ärzte und anderes medizinisches Fachpersonal an Hilfsprogrammen im Medizinbereich teilgenommen. Normalerweise dauern die Einsätze vier bis fünf Wochen und finden speziell in benachteiligten Regionen statt.


Nähprojekt in Uganda

Doch die AHU betreibe auch weitere Entwicklungshilfeprogramme: Im kleinen ugandischen Dorf Manafwa, an der Grenze zu Kenia, existiere derzeit beispielsweise ein Projekt namens „Knowledge for the Village“. Der Hauptfokus dieses Projekts liege auf den einheimischen Frauen. Denn ein altes afrikanisches Sprichwort besagt: „Wenn man einem Mann etwas beibringt, dann bringt man es dem Mann bei. Wenn man aber einer Frau etwas beibringt, dann lehrt man dadurch eine ganze Generation.“ Nach diesem Prinzip unterrichten die Entwicklungshelfer indigene Frauen unter anderem im Nähhandwerk. Sowohl das Nähen mit den Händen als auch jenes mit einer Nähmaschine würden dabei erlernt, so Kamilla Kiss, ebenfalls Mitarbeiterin des AHU.

Als erstes lehrte man die Frauen die Herstellung waschbarer und damit wiederverwendbarer Slipeinlagen für die Menstruation. Dies habe sich als besonders dringliches Anliegen herausgestellt, da man derartige Hygieneprodukte entweder gar nicht in lokalen Geschäften kaufen könne, oder kein Geld dafür vorhanden wäre, so Kiss. Überzeugt von der erschwinglichen und umweltschonenden Variante der Slipeinlage, würden die Frauen zurzeit ihr Können im Marketing unter Beweis stellen und das Produkt auch in benachbarten Dörfern verkaufen, erzählt die Mitarbeiterin der AHU.

Demnächst starte eine weitere Phase dieses Projektes, in welcher man Frauen die Herstellung von Gewändern beibringen werde.

Viele Vorträge ergänzen den praktischen Teil der Unterstützung. Themen sind etwa Hygiene, Gesundheitsfürsorge, der Umgang mit Neugeborenen und Verhütung. Bei letzterem soll nach Meinung der Entwicklungshelfer vor allem auf natürliche Methoden zurückgegriffen werden.

Schmuck stellen die Menschen aus Uganda besonders kunstvoll und ökologisch her. Dieser werde aus recycelten Magazinen, also Papier hergestellt. Schöne bunte Armbänder und Halsketten seien nicht nur Teil der indigenen Kultur, sondern dienten auch als besonderes Souvenir für Touristen.


Unterstützung bei der Durchführung von Hilfsprogrammen

Die Projekte der AHU werden durch Spenden und die Unterstützung vieler Privatpersonen und Unternehmen ermöglicht. Es gebe zwar eine Vielzahl Freiwilliger, aber die Einsätze würden dennoch viel Geld kosten, so Zsuzsa Orzói. Jedes Jahr müsse daher penibel genau budgetiert werden. Dennoch könnten sich die Pläne durch alternierende Prioritäten monatlich aufs Neue ändern.

#

Wenn die AHU in einem konkreten Fall um Spenden bitte, und zusätzlich in Relation zur Sache stehende Fotos im Internet veröffentliche, würden potentielle Spender sehr rasch helfen. Es existiere ein Unterstützungsprogramm für Kinder, bei dem monatlich ein gewisser Betrag gespendet werde. Dadurch würde man etwa den Schulbesuch für ein bestimmtes Kind ermöglichen.

Um den Spendern ein möglichst genaues Bild von der Situation vor Ort geben zu können, reisen die Mitarbeiter der AHU regelmäßig in die verschiedenen afrikanischen Gebiete, führen Interviews und machen Fotos und Filme. Dieses Feedback für erfolgreiche Entwicklungsarbeit werde anschließend den Sponsoren gezeigt. Gleichzeitig diskutiere man mit ihnen über neue Strategien für zukünftige Hilfsmaßnahmen.

Die sozialen Medien hätten sich als besonders hilfreiche Plattform beim Akquirieren neuer Sponsoren erwiesen, so die Mitarbeiterin der AHU. Sei das Bild eines Kindes einmal online, dann würde es glücklicherweise nicht lange dauern, bis sich ein Förderer für dessen Ausbildung gefunden habe. Sieben Minuten sei der Rekord, so Orzói.


Wie man die AHU unterstützen kann

Die AHU hat viele Pläne. Gerne würden ihre Mitarbeiter jeden einzelnen Monat eine neue Kampagne in unterschiedlichen afrikanischen Ländern starten. Geld ist aber der zentrale Faktor. Falls auch Sie einen Beitrag zur Entwicklungshilfe leisten wollen, das Engagement der AHU in Ungarn unterstützen oder sich über zukünftige Veranstaltungen informieren möchten, so finden sie Näheres online auf der ungarischsprachigen Homepage der Institution auf www.ahu.hu oder auf der Facebookseite der AHU. Dort können Sie sich auch ein genaueres Bild von den einzelnen Projekte machen.

Flóra Sass, die ungarische Entdeckungsreisende

Zum 155. Mal jährte sich in diesem Jahr die Forschungsreise des britischen Afrikaforschers Samuel Baker und seiner Frau, der gebürtigen Ungarin Florence Baker beziehungsweise Flóra Sass, zu den Quellen des Nils. Dieses Jubiläum nahmen die AHU und lokale Politiker Ugandas zum Anlass, eine Gedenkstätte zu Ehren der ungarischen Dame zu errichten. Für die von der ungarischen Entwicklungshilfe profitierenden Menschen sei es, so Orzói, interessant zu erfahren, dass bereits vor über 100 Jahren eine Ungarin durch ihr Land gereist war. Da diese nicht als Missionarin unterwegs war, sondern nach der Quelle des Nils suchte, sei die Erinnerung an die europäische Forschungsreisende, bei den Afrikanern nicht negativ konnotiert, ist sich die AHU-Mitarbeiterin sicher.

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Blue Fox The Bar präsentiert neues Cocktailmenü

Sommerlich frisch und ökologisch grün

Geschrieben von Katrin Holtz

Klimagipfel, Klimaproteste und Klimakiller – in diesem Sommer, so scheint es, geht am Thema Klima…

Lucky Chops live in Budapest

Blasmusik, die mitreißt

Geschrieben von Katrin Holtz

Obwohl Blasmusik ja allgemein als eher altbacken gilt, schafft es die US-amerikanische Musikgruppe…

VR Tours Budapest

Virtuelle Zeitreise durch die Geschichte der ungarischen Hauptstadt

Geschrieben von Michelle Dörner

Majestätisch prangt er über der ungarischen Hauptstadt: Der Palast auf dem Budaer Burgberg zählt…