Trotz der zeitlichen Nähe zu den Osterfeiertagen erschienen die Mitglieder und Freunde des DWC am 24. April zahlreich, um den „Meister der Kommunikation“ zu erleben. Staatssekretär a. D. Matthias Kleinert übertitelte seinen Vortrag „Ein Leben zwischen Politik und Wirtschaft – Perspektiven für die Zukunft“. Darin sprach er sich unter anderem für eine bessere Kommunikation zwischen den politischen Fronten und bessere deutsch-ungarische Beziehungen aus.

Die Karriere Kleinerts fasste DWC-Vorsitzender Arne Gobert vorab treffend mit den Worten „16 Jahre Landespolitik, 16 Jahre Daimler“ zusammen.


Ungarn hatte Mut zur Auflehnung gegen die Sowjetunion

Die Idee, Ungarn einen Besuch abzustatten, bekam Matthias Kleinert durch seinen „alten Freund“ und DWC-Vorstandsmitglied József Szepessy bei einem Empfang in Deutschland zum 62. Jahrestag des ungarischen Volksaufstandes. Für die ungarische Bevölkerung und ihren Mut zur Auflehnung gegen die Sowjetunion hegt Kleinert nach eigenen Aussagen seit dem Mauerbau, welchen er als Berliner Politikstudent 1961 miterleben musste, große Sympathien.

Er selbst flüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg aus Schlesien nach Baden-Württemberg. Berlin und „das Ländle“ sollten später seine beiden großen Wirkungsstätten werden. Von seiner Zeit beim Berliner Rundfunksender „RIAS“ über seine Arbeit als Pressesprecher der CDU-Fraktion in Baden-Württemberg bis hin zu seiner Funktion als PR-Chef der Daimler-Benz AG war seine Schlüsselqualifikation stets die Fähigkeit effektiv zu kommunizieren. „Dabei habe ich gelernt, wie wichtig der Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und der Bevölkerung ist“, schilderte Kleinert bei seinem Vortrag in Budapest.

Nach dem Bau der Berliner Mauer habe er nicht geglaubt, dass er eines Tages die Wiedervereinigung Deutschlands miterleben würde. Ungarn habe mit seiner Grenzöffnung zu Österreich einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Kleinert zitierte hierzu Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl: „Ihr habt den ersten Stein aus der Mauer gebrochen“, dankte dieser im Dezember 1989 der ungarischen Regierung in Budapest.


Dialog ist alles

Das Wissen über die Wichtigkeit der Kommunikation habe Kleinert auch bei geschäftlichen Auslandsreisen geholfen. Als Beispiel nannte Kleinert seinen Aufenthalt in Kuba mit einer Daimler-Delegation. Dort hätte er aus Neugierde eine Erntemaschine ausprobiert. Dieses Interesse an der Lebensweise der Kubaner hätte Kleinert die Gunst von Fidel Castro beschert.

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Kleinert möchte in Zukunft mit dazu beitragen, dass das Ungarnbild in Deutschland positiver wird.


„Es gibt nur drei wichtige Regeln für einen gelungenen Dialog in Unternehmen, in der Politik und im Journalismus“, sagte Matthias Kleinert. Man müsse Sympathie erzeugen und Antipathie vermeiden, woraus Empathie für das Gegenüber entstehe.

Umso mehr schmerze ihn das heutige mediale Bild Ungarns in Deutschland. Dieses stimme nicht mit der Realität überein, verlautete Kleinert während seines Vortrags. Kohl habe sich damals ein starkes und vereintes Europa gewünscht, darüber seien sich die europäischen Staaten auch heutzutage immer noch einig. Doch ohne Dialogbereitschaft und Sympathie füreinander sei dies nicht möglich, meinte Kleinert.

Daher empfinde er die derzeitige, kritische Stimmung in der EU und in Deutschland gegenüber der ungarischen Regierung als kontraproduktiv. „Man darf wegen Meinungsverschiedenheiten nicht die Zusammenarbeit beenden!“, so der CDU-Mann. Kleinert selbst möchte dem negativen Ungarnbild in Deutschland entgegentreten und Dialoge wie den Vortrag beim DWC in Deutschland weiterführen. Außerdem versprach Kleinert im Zuge der Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum der Wiedervereinigung Deutschlands „ein Zeichen zu setzen“, mit dem die ungarische Rolle in der deutschen Geschichte honoriert werden solle.


DWC-Ehrenmitgliedschaft

Vor seinem Vortrag im Budapester Kempinski Hotel Corvinus traf sich Kleinert zunächst zu insgesamt sieben Gesprächsrunden mit wichtigen Persönlichkeiten aus der ungarischen Politik. Eine davon: Pál Schmitt, welcher von 2010 bis 2012 Staatspräsident Ungarns war. Zur Überraschung beider verlieh ihnen der DWC für ihre Bemühungen um die deutsch-ungarische Freundschaft die Ehrenmitgliedschaft des Clubs. „So schnell als Ehrenmitglied aufgenommen zu werden, ist sensationell!“, bedankte sich Matthias Kleinert bei den Anwesenden. Außerdem dankte er dem Club für die perfekte Organisation seines dreitägigen Aufenthaltes. Er habe den intensiven Austausch sehr genossen.

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