Zurück in Budapest verhandelten zunächst die beiden Innenminister. Vor der Presse bedankte sich Pintér für die Anstrengungen, die Italien unternehme, um die „ungerufenen Gäste“ von den Außengrenzen fernzuhalten. Salvini äußerte sich anerkennend über seine Eindrücke von den Grenzanlagen im Süden, mit denen die ungarische Regierung schnell und effizient 600 km Grenzen unter Kontrolle nahm und dem Menschenschmuggel Einhalt gebot. Der Vorsitzende der in den Umfragen zur Europawahl in Italien führenden Lega kündigte an, das „neue Europa“ werde nach dem 27. Mai seine Außengrenzen auf dem Festland wie auf See schützen.

Den Anbruch einer neuen Geschichte für die europäischen Völker versprach der italienische Gast auch auf seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit Premier Orbán im Karmeliterkloster auf der Burg von Buda. Er stimme mit seinem Freund überein, Europa müsse sicherer gemacht werden. Das Problem bestehe nicht darin, wie man die Migranten neu verteile, sondern in der Schaffung eines Europas, das geschlossen für den Grenzschutz eintreten kann. Auf eine Journalistenfrage erklärte Salvini, die EVP sei nicht offen für seine Bewegung, doch bei der Europawahl dürfe sie nicht die Einwanderungsfreunde unterstützen, sondern müsse sich nach rechts öffnen.

Orbán bekräftigte den gemeinsamen Wunsch nach starken Nationalstaaten, dem Primat einer christlichen europäischen Kultur und einem effektiven Grenzschutz. „Salvinis Erfolg ist für Ungarn von entscheidender Bedeutung, denn Italien muss den Beweis antreten, ob sich Europas Außengrenzen auf dem Seeweg schützen lassen, wie es Ungarn auf dem Festland vorgemacht hat“, sagte der ungarische Premier. Er skizzierte Alternativen zum Ausgang der Europawahlen, darunter die ernsthafte Bedrohung, dass sich die EVP nach links öffnen könnte. Eine Allianz mit Salvinis Bewegung bezeichnete Orbán dabei als „Zwang“, der mit Nachdruck erklärte: „Wir Ungarn sind frei und behalten uns vor, selbst zu entscheiden, mit wem wir kooperieren.“

Auf die Kritik von CSU-Chef Markus Söder am Treffen Orbán-Salvini, dies sei „das falsche Signal“, merkte der Premier an, Ungarn erwarte sich mehr Respekt. Der Fidesz wolle die EVP auch nach den Wahlen zu einer Zusammenarbeit mit den im Europaparlament rechts von ihr platzierten Gruppierungen bewegen. In diesem Geist wird auch der Besuch von Österreichs FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache zu verstehen sein, der am Montag in Budapest erwartet wird.

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