Seit fast über dreißig Jahren widmet sich Kati Zsigóné, die gebürtig Julianna Bagi heißt, diesem Kulturbrauch. Und das mit großem Erfolg. 2009 wurde sie als „Beste Ostereimalerin Europas“ ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde sie bei einem internationalen Wettbewerb in Dubai sogar unter die fünf besten Ostereimaler der Welt gewählt.


Spitzenkünstlerin und Buchautorin

Eine Spezialität Zsigónés sind Eier, denen sie durch filigrane Aussparungen beinahe die Struktur feiner Spitze verleiht. Aber auch traditionelle Blumenmuster in bunten Farben sind unter ihren Werken zu finden.

Zum Brauchtum des Ostereierverzierens hat Zsigóné verschiedene Bücher verfasst. Sie war bereits in zahlreichen Fernsehsendungen zu sehen und hält Vorträge und Workshops in ganz Ungarn.

Vor allem um die Osterzeit, erzählt sie im Gespräch mit der Budapester Zeitung, werde sie häufig in Schulen eingeladen, um ihr Wissen über die Ostereiermalerei weiterzugeben.

„Im Schnitt benötige ich eine Woche für die Anfertigung eines Ostereies.“ Zu ihren zwei größten Kunstwerken gehören „A beszélő tojás“ (dt.: „Das sprechende Ei“) und „A nemzet tojása“ (dt.: „Das Ei der Nation“). An Ersterem arbeitete sie sieben Monate, an Letzterem sogar über ein Jahr. Ihr neuestes Projekt bezeichnet sie als ihr Lebenswerk. Die Arbeit daran wird über drei Jahre in Anspruch nehmen.


Kunst von Demut begleitet

Die 65-jährige Künstlerin wuchs in Kecskemét auf. Ihre Begeisterung für die Volkskunst konnte sie lange Zeit nicht ausleben. „Ich war sogar zwischen den Armen die Ärmste“, erzählt sie. Trotzdem habe sie schon in jungen Jahren auf die Frage, was ihr Berufsziel sei, selbstbewusst geantwortet: „Künstlerin.“

Ihr Weg dorthin begann jedoch nicht mit der Dekoration von Ostereiern. Stattdessen habe sie sich zunächst der Wandmalerei gewidmet. Als sie ihr erstes Osterei angefertigt hatte, erzählt sie, sei sie in Tränen ausgebrochen. Die perfekte Form des Eies sowie die traditionellen Muster und Zeichen hätten sie einfach gerührt.

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„Alle meine künstlerischen Tätigkeiten werden jedoch immer von Demut begleitet“, sagt Zsigóné. Neben der Ostereidekoration betätige sich die Künstlerin noch mit sieben weiteren Bereichen der ungarischen Volkskunst. Sie habe eine große Leidenschaft für Ölgemälde, verziere Möbel, beschäftige sich mit der Wandmalerei, gestalte Gläser und Teller und bemale Deckenrosetten.

Menschen aus der ganzen Welt kämen nach Kecskemét, um ihre Kunstwerke zu bestaunen, erzählt sie. Ihre Ausstellungsstücke seien für ihre Einzigartigkeit bekannt. Ihre Werke, die sie zu vielen verschiedenen Anlässen fertige, haben nach ihren eigenen Angaben einen Wert von rund 600 bis zu zwei Millionen Forint.


Tradition als Wegweiser

„Ich wünsche mir, dass man mich mit einem Osterei in der Hand begräbt.“ Im Gespräch mit der Budapester Zeitung erklärt sie begeistert, dass die Ostereier ein Geschenk der Natur seien. Sie seien ein Produkt der Natur und der menschlichen Begabung.

Die von ihr ausgeführten Techniken und angefertigten Muster erzählten, so erklärt sie, die Geschichten und Gedanken ihrer Vorfahren. Schon die Hunnen hätten Eier in die Gräber ihrer Frauen gelegt.

Im Laufe des Gesprächs macht Kati Zsigóné deutlich, wie wichtig ihr die Erhaltung der ungarischen Bräuche sei. Länder, die ihren Traditionen treu bleiben und diese weiter pflegen, glaubt sie, würden jede Zeit überdauern. Länder hingegen, die ihre kulturellen Bräuche vernachlässigten, würden in Vergessenheit geraten. „Wer nicht weiß, wo seine Wurzeln liegen, weiß auch nicht, wohin sein Weg führt“, so die Kunsthandwerkerin.

In vielen Kulturen symbolisiert das Ei das Leben und die Fruchtbarkeit. Betrachten wir aber das Osterfest, so steht das Osterei für die Wiedergeburt von Jesus Christus, ein rot bemaltes Ei für das Blut Christi. Früher war es jedoch nicht von Bedeutung, welche Farbe ein Osterei tatsächlich hatte.


Kulturliebe statt Abneigung

Laut Kati Zsigóné interessieren sich sowohl junge als auch ältere Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, für die Kunstform des Eierbemalens. Deshalb richtete die 65-Jährige in ihrer Wohnung eine Ausstellung zum Thema ein, die jederzeit besucht werden kann. Auch ein „Familienbesuch“, wie die Künstlerin ihn nennt, ist möglich. Dieser beinhalte eine vollständige Rundführung sowie ein leckeres Essen, um nach dem lehrreichen Rundgang den Hunger zu stillen.

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Natürlich darf man während des Besuchs das Handwerk der gelernten Verkäuferin ausprobieren. Mit viel Übung und Leidenschaft kann man diese Kunstform sehr gut verinnerlichen.

Leider bekomme Zsigóné in ihrer Heimat nicht die Aufmerksamkeit für ihre Arbeit, die sie verdiene. In der heutigen Gesellschaft, so sagt sie, würden viele Menschen sich von den traditionellen Kulturbräuchen abwenden. Auf die Frage, wie sie die Entwicklung der Volkskunst in den nächsten zehn Jahren sehe, antwortet sie ernüchternd: „Schlecht.“

Kati Zsigóné ist eine begeisterte Künstlerin, die mit voller Euphorie und Liebe die ungarischen Kulturbräuche vermittelt. Während unseres Gespräches betonte sie des Öfteren, dass die Volkskunst genauso wie das Weinen und Lachen Teil ihres Lebens seien. Obwohl sie es in der Kleinstadt Kecskemét schwer gehabt habe, sich selbst zu verwirklichen, habe sie es trotz der schwierigen Umstände geschafft. Mit viel Talent und Durchhaltevermögen ist ihr der Durchbruch zu einer international anerkannten Künstlerin gelungen.

Als wir Kati Zsigóné am Ende unseres Gesprächs ein frohes Osterfest wünschen, antwortete sie lachend: „Mein Glück besteht darin, dass ich 365 Tage lang Ostern feiern darf.“

Noch mehr Informationen zu den Werken Kati Zsigónés finden Sie auf www.zsigonekati.com

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