Jedes Jahr machen ungarische Pressefotografen unzählige Fotografien über Geschehnisse in Ungarn und der ganzen Welt, darunter a zeitlose Reportagen, aber auch tagesaktuelle Schnappschüsse. Die meisten Pressefotos erscheinen – wenn überhaupt – nur kurz in den Medien. Damit die Besten unter ihnen darüber hinaus ihre verdiente Aufmerksamkeit erhalten, gibt es die alljährliche ungarische Pressefotoausstellung.

In diesem Jahr sendeten 276 Fotografen insgesamt 6.305 Fotos ein. Daraus wählte eine Jury, bestehend aus fünf einheimischen und internationalen Experten, die besten Exemplare in 14 Kategorien aus. Diese werden nun im Robert-Capa-Zentrum für Zeitgenössische Fotografie in Budapest gezeigt. Ausgestellt werden auch nicht prämierte Pressefotografien, welche laut den Veranstaltern aber ebenfalls inhaltlich besonders wichtig oder interessant sind.


Mehr Fotos zum Klimawandel

„Normalerweise fokussieren sich ungarische Pressefotografen in ihrer Arbeit vor allem auf lokale Veranstaltungen und gesellschaftliche Probleme“, erklärt Tamás Szigeti, Kurator der Ausstellung und Sekretär der Abteilung Fotojournalismus des ungarischen Journalistenverbandes MÚOSZ. Doch diesmal seien mehr als in den Jahren zuvor Bilder und Bildreihen eingeschickt worden, die sich mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen.

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Diese Fotografie stammt aus der mit dem MÚOSZ-Hauptpreis ausgezeichneten Fotoreihe „HowWaterShapesEarth“ von Fotograf Milán Radisics.

Wie wichtig dieses Thema ist, zeigt auch der diesjährige Gewinner des MÚOSZ-Hauptpreises. Der selbstständige Fotograf Milán Radisics stellt in seiner Bildreihe „Wie Wasser die Erde formt“ (Originaltitel: „HowWaterShapesEarth“) die verheerenden Folgen der Erderwärmung dar. Damit wurde zum ersten Mal eine Bildreihe mit dem Hauptpreis geehrt, die sich mit dem Klimawandel beschäftigt. Mit seinem Projekt wollte Radisics den Betrachter mit Ehrfurcht vor dem Element Wasser erfüllen und aufzeigen, wie zerstörerisch das Verhalten der Menschheit ist. Gleichzeitig schuf er dabei aber auch atemberaubende Kunstwerke.


Herzensprojekt und Blindenfußball

Der Name Márton Mónus ist in der Ausstellung häufiger zu lesen. Er erhielt in diesem Jahr sowohl den Károly-Escher-Preis für das beste Nachrichtenfoto in Ungarn als auch den Zalán-Szalay-Preis für den besten Fotografen unter 30. Mit einem Auftragsfoto für die ungarische Nachrichtenagentur MTI / MTVA mit dem Titel „Luftballon“ (Originaltitel: „Lufi“) konnte er die Jury in der Kategorie „Nachrichten“ überzeugen. Die Aufnahme zeigt, wie Anhänger der ungarischen Opposition im August 2018 auf dem Kossuth Platz demonstrieren. Der Fotograf fing ein, wie die Demonstranten Heliumballons in den Nationalfarben Ungarns in den Himmel aufstiegen ließen.

Zudem belegte Márton Mónus mit seinem persönlichen Projekt „Das Leben nach dem Tod“ (Originaltitel: „Élet a halál után“) den dritten Platz in der Kategorie „Fotoreportage“. Die Bildreihe, die im Zeitraum von einem Jahr entstand, zeigt den Verlauf einer Herztransplantation von der Spende eines Verstorbenen bis zur Genesung des empfangenden Patienten. „Mit diesem Projekt wollte ich den Betroffenen einer Herztransplantation helfen“, erklärt Mónus sein sprichwörtliches Herzensprojekt. Die Bilder sollen den Erkrankten und ihren Angehörigen zeigen, wie der Prozess einer Transplantation abläuft. Jährlich erhalten in Ungarn rund 50 Menschen ein Herztransplantat. Bei den Aufnahmen der Prozedur handelt es sich um unterschiedliche Patienten. Doch eines haben sie gemeinsam: Sie haben den Eingriff am offenen Herzen laut dem Fotografen alle gut überstanden.

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MÚOSZ-Hauptpreisträger: Milán Radisics.
Die junge Fotografin Dzsenifer Varga meldete sich mit ihrer Diplomarbeit zum Wettbewerb an und belegte prompt den zweiten Platz in der Kategorie „Sport“. Für ihre Bildreihe „Blindenfußball“ (Originaltitel: „Vakfoci“) begleitete und porträtierte die Freiberuflerin die einzige Blindenfußballmannschaft Ungarns. Das Interesse für diese Form des Ballsports kam bei der jungen Fotografin durch eine Dokumentation auf. „Außerdem ist meine Großmutter blind“, so Varga.

Die im Februar 2018 entstandene Fotoreihe zeigt die ungarische Fußballmannschaft „LÁSS“ (dt.: „Sieh“) unter anderem auf dem Spielfeld im Zweikampf und beim Verbinden der Augen. Damit soll bei unterschiedlich starken Sehbeeinträchtigungen die Chancengleichheit unter den Spielern gewahrt werden. Zu den Fußballspielern des Vereins habe Dzsenifer Varga noch immer Kontakt, erzählt sie. „Tatsächlich werde ich die Mannschaft später im Training besuchen“, verrät die Preisträgerin bei der Ausstellungseröffnung.


Bilder, die nachdenklich machen

Tamás Szlukovényi ist Präsident der Jury und dementsprechend, wie er selbst sagt, von allen ausgestellten Beiträgen begeistert. Doch eine Bildreihe aus dem soziokulturellen Bereich habe es ihm besonders angetan: Der Beitrag „Bin ich anders?“ (Originaltitel: „Más vagyok?“) von Hajnalka Erika Valczer.

Auf den Fotos zeigen ein Roma-Mädchen und ihre der ungarischen Mehrheitsgesellschaft angehörige Freundin, wie viel sie gemein haben. Dabei strahlen sie in die Kamera. Ihre Botschaft: Wir machen keine Unterschiede aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft! Zwar wurde „Bin ich anders?“ nicht prämiert, aber: „Die Botschaft und Art der Darstellung gefällt mir sehr“, sagt Szlukovényi. Valczers Bildreihe verfügt übrigens wie alle in der Pressefotoausstellung gezeigten Aufnahmen über ungarische und englische Untertitel.

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Die Ausstellung zeigt eine vielfältige Auswahl an Bildern und Fotoreportagen, die das Jahr 2018 repräsentieren.

Auch das Ende 2018 in Kraft getretene „Obdachlosengesetz“ der ungarischen Regierung hat die Pressefotografen 2018 vielfach beschäftigt. Das Schicksal der auf der Straße lebenden Menschen war eines der hervorstechenden Themen in der Pressefotoausstellung. Das völlige Fehlen von Privatsphäre wird beispielsweise in einem Foto deutlich, auf dem ein obdachloses Pärchen kuschelnd im Schlafsack auf einem öffentlichen Platz gezeigt wird.

Diese und viele weitere Fotografien in der Ausstellung erlauben den Betrachtern einen besonderen und sicher zum Nachdenken anregenden Einblick in den ungarischen Alltag.


Robert-Capa-Zentrum für Zeitgenössische Fotografie

Budapest, VI. Bezirk, Nagymező utca 8

Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 19 Uhr,

An Feiertagen ist die Ausstellung geschlossen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.capacenter.hu

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