Seit mehr als drei Jahrzehnten hat die Koller-Galerie ihren Sitz in einem dreistöckigen Haus unweit der Matthiaskirche. Die älteste Galerie auf dem Budaer Burgberg ist durch einen Eingang im Innenhof zu erreichen. Ihre Räume sind edel gestaltet und die erlesenen Kunstwerke fallen sofort ins Auge. Doch nicht nur im Inneren des Hauses wird ausgestellt, es gibt auch einen Garten, in dem Skulpturen gezeigt werden.


Weitreichende Historie

Die Geschichte des Gebäudes und die der Galerie der Familie Koller sind schon seit vielen Jahren miteinander verflochten. Im Jahr 1950 hat György Koller, Großvater des heutigen Inhabers, Daniel Köster, mit dem Kunsthandel begonnen. Von diesem Moment an hat sich sein Geschäft immer weiterentwickelt. 1953 eröffnete er seine erste Galerie in der Munkácsy Mihály utca. Durchhaltevermögen und Geschick halfen dabei, dass sie selbst im Kommunismus überleben konnte – wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten: Koller saß in diesen Jahren für eine kurze Zeit wegen des Kunsthandels sogar einmal im Gefängnis. Dank der Hilfe und Unterstützung verschiedener Künstlergemeinschaften kam er wieder frei. Anschließend konnte er nur noch unter strengen Auflagen mit Kunstwerken handeln.

György Koller war allerdings nicht nur Galerist, sondern galt selbst als aktives Mitglied in der Künstlerszene. Dabei lernte er auch den berühmten ungarischen Bildhauer Amerigo Tot kennen. Die enge Freundschaft der beiden Künstler führte dazu, dass Tot der wachsenden Galerie sein Wohnhaus in der Táncsics Mihály utca zur Verfügung stellte. Der Umzug ins Burgviertel erfolgte 1982.

Die Wende 1989 eröffnete der Galerie neue Möglichkeiten, man konnte andere Schwerpunkte setzen und so die Vielfalt des Angebots weiterentwickeln. Nach dem Tod György Kollers 1996 wurde der Kunsthandel eine Zeit lang kommissarisch geführt, ist aber - seit Daniel Köster 2006 die Zügel übernahm - inzwischen wieder gänzlich unter der Leitung der Gründerfamilie.


Dauerausstellung von Amerigo Tot

„Wir würdigen Amerigo Tot weiterhin und erinnern an ihn, da er einen großen Teil zum Erfolg unserer Galerie beigetragen hat“, so der Enkel von Koller im Gespräch mit der Budapester Zeitung. Eine ständige Ausstellung von Amerigo Tot ist im Dachgeschoss des Hauses zu sehen. Köster erklärt: „Er ist die Nummer eins unter den ungarischen Bildhauern und für uns sehr wichtig. Daher haben wir ihm diesen Gedenkraum gewidmet und sein Vermächtnis ausgestellt.“ Die Ausstellung zeigt sein künstlerisches Lebenswerk. Ein Meilenstein in der Karriere von Amerigo Tot war beispielsweise die Mitgestaltung der ungarischen Kapelle im Vatikan. Gezeigt werden auch Werkzeuge Tots. Darüber hinaus erfährt man auch Kurioses über den Künstler. So habe er etwa im Film „Der Pate - Teil II“ in der Rolle des Sicherheitsmannes des Protagonisten mitgewirkt. Der vielfältige Mann wird von der Galerie in Ehren gehalten und seine Kunstwerke gehören zum Haus dazu – sie sind daher nicht verkäuflich.

Im Gedenkraum für Amerigo Tot werden diverse Werke des Künstlers gezeigt.


Von Kupferstichen bis zur Fotografie

Doch natürlich dient die Koller-Galerie nicht nur als Ausstellungsraum, sie ist letztendlich auch Verkaufsfläche. Der Großvater von Daniel Köster handelte einst vor allem mit Kupferstichen. Heute wird neben zeitgenössischer aber auch moderne Kunst verkauft. Es gibt nicht mehr nur Grafiken, sondern auch Fotografien, Skulpturen, Malereien und seit neuestem auch Antiquitäten. „Die Palette unserer Kunst hat sich stark erweitert“, so Daniel Köster. Das liege auch daran, dass viele Künstler die Praxis des Kupferstiches nicht mehr ausüben. „Wir wollen mit den Techniken und Neuerungen, die die Künstler nutzen, Schritt halten und uns auch entwickeln.“

Weiterhin arbeite die Koller-Galerie seit einiger Zeit vermehrt auch mit internationalen Künstlern zusammen. Das Geschäft sei immer offen für neue Künstler und Inspirationen, allerdings werde strikt darauf geachtet, einen roten Faden zu verfolgen. „Wir wollen vor allem figürliche Kunst verkaufen und für unsere Kunden eine qualitative Auswahl anbieten. Ein weiteres Ziel ist die Darstellung einer runden und in sich geschlossenen Ausstellung.“ Die Preisspanne der angebotenen Kunst ist so vielfältig wie die Werke selbst. Von sehr hochpreisigen Kunstwerken für das große Portemonnaie bis hin zu Werken für ein paar Hundert Euro ist alles erhältlich.


Starke Veränderung im letzten Jahr

Im letzten Jahr hat sich in der Koller-Galerie viel getan. Vor allem ist das Angebot an Fotografien stark gewachsenen und im Keller des Hauses werden nun Antiquitäten ausgestellt. Der Gedanke dahinter sei, die Zeitgeschichte der Kunst darzustellen und eine Entwicklung zu zeigen.

Weiterhin etablierte man einen Online-Shop sowie die Möglichkeit zum sicheren Online-Bezahlen via des Finanzservices „Simplepay“ der OTP Bank. In den meisten Geschäftsfeldern weltweit sei eine Präsenz auf dem Online-Markt sehr gefragt und der Kunsthandel wolle da mitziehen, erklärt Köster. Bei der Kunst bleibe jedoch oft das Bedürfnis, sie sich vor Ort anzuschauen. Laut dem Kunsthändler ist der Online-Handel vorteilhaft, um sich einen Überblick über den Bestand der Galerie zu verschaffen, wird aber nie die physische Galerie ersetzen können.


Vielfältige Kunst steht zum Verkauf

In der Koller-Galerie sind die unterschiedlichsten Werke zu finden. Für Jedermann bekannt sind die Schuhe am Donauufer in Budapest. Das Monument wurde im Gedenken an die ermordeten Juden errichtet, die im Zweiten Weltkrieg unschuldig erschossen und in die Donau geworfen wurden. Eine vorbereitende und um ein Vielfaches kleinere Ausgabe des Werkes von Künstler Gyula Pauer kann in der Galerie erworben werden.

Außerdem werden ausgewählte Fotografien verkauft, beispielsweise die Werke des zeitgenössischen Fotografen Bence Bakonyi. Von diesem bietet die Galerie aktuell eine Fotografie zum Verkauf an, die das Innere des Gellért-Bades in Budapest zeigt. Im zweiten Stockwerk des Hauses sind temporäre Ausstellungen zu sehen. Momentan werden die schwarzweißen Fotografien von Elek Papp gezeigt. Die dort ausgestellten Künstler und deren Werke ändern sich regelmäßig.

Weiterhin stehen Skulpturen des Künstlers Boldizsár Szmrecsány, genannt Boldi, zum Verkauf. Beispielsweise eine kleine Bronzeversion des sogenannten „Rollerező“ (deutscher Titel: „Der Junge auf dem Roller“), der in Budapest am Március 15. tér als öffentliches Kunstwerk zu sehen ist. Weltweit gibt es nur acht Versionen der Skulpturen-Reihe und eine davon ist in der Koller-Galerie erhältlich.


„Wir wollen uns weiterhin international positionieren und unsere Künstler gut vertreten!“

Darüber hinaus arbeitet der Kunsthandel gerne mit anderen Galerien zusammen. Zuletzt wurde ein ungarischer Künstler an eine Galerie in Belgien vermittelt. Die Koller-Galerie habe beim Transport und der Betreuung des Künstlers geholfen. Eine besonders enge Kooperation gebe es mit Galerien in Italien.

Eine starke Konkurrenz zwischen Kunsthändlern innerhalb Ungarns sieht der Inhaber nicht. Zwar gebe es hierzulande nur einen kleinen Kreis von Kunstsammlern, „die Galerien konkurrieren jedoch nicht um die Käufer. Wir versuchen eher im Interesse der Kunst zusammenzuarbeiten und ein breites Angebot aufzustellen“, so Daniel Köster.

Auf die Frage nach den Plänen für die Zukunft antwortet er: „Wir wollen uns weiterhin international positionieren und unsere Künstler gut vertreten. Im letzten Jahr gab es durch die Erweiterung unseres Sortiments und den Online-Verkauf einige Neuerungen, die wir nun erstmal in der Praxis beobachten müssen. Jetzt machen wir weiter bestmöglich unsere Arbeit und heißen alle unsere Besucher jederzeit herzlich willkommen.“


Koller-Galerie

Budapest, I. Bezirk, Táncsics Mihály utca 5

Öffnungszeit: täglich 10 bis 18 Uhr

Weitere Informationen finden sie unter www.kollergaleria.hu

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