Beherzt greift man nach dem Pfeil und spannt den Bogen. Die Plattform, auf der man steht, scheint sich in schwindelerregender Höhe zu befinden. Suchend schaut man sich in alle Richtungen um. Dann erscheint sie – die Figur, die mit einer Axt in der Hand auf das Tor zuläuft. Ein Tor, welches es unter allen Umständen zu beschützen gilt.

Diese Szene spielt sich nicht etwa in einem Hollywoodstreifen ab, noch findet sie im wirklichen Leben statt, sie ist Teil der fiktiven Abenteuerwelt des Virtual-Reality-Spiels „QuiVR“.

Virtual Reality, kurz VR, ist im Bereich der Unterhaltungsindustrie derzeit in aller Munde. Zita Széplaki, Eventmanagerin der Spielhalle Play VR Budapest, weiß, warum Spiele, die diese Technologie nutzen, immer beliebter werden. „In VR-Spielen kann man alles sein. Man kann völlig neue Welten erkunden und sich beispielsweise inmitten einer Zombie-Apokalypse wiederfinden“, so Széplaki.

Mit ihren VR-Spielen begeistert die Budapester Spielhalle ungefähr 200 Besucher pro Woche. Stehen besondere Veranstaltungen wie Team-Buildings an, können es sogar bis zu 400 sein, weiß Széplaki.


Stetig am wachsen

Mit einer so hohen Nachfrage haben Péter Gubán und Márton Jánosa, die Gründer von Play VR Budapest, anfangs nicht gerechnet. 2016 kam den beiden die Idee, einen Ort zu einzurichten, an dem Leute die in der Anschaffung sehr teure VR-Technik und die dazu passenden Spiele ausprobieren können. Schon einen Monat später eröffnete Ungarns erste VR-Spielhalle ihre Türen.

Zunächst bestand diese jedoch lediglich aus einem angemieteten Raum und der technischen Ausstattung für einen Spieler. Damit wurde man dem schon bald sehr hohen Andrang durch VR-Begeisterte jedoch nicht gerecht. Deshalb zog Play VR Budapest vor circa eineinhalb Jahren an einen neuen Standort, in ein Gebäude in der Kecskeméti utca um. Hier mietet die Spielhalle größere Räumlichkeiten über zwei Etagen.

Doch schon jetzt wird der Platz knapp, denn die Hardwareausstattung wächst stetig. Insgesamt verfügt Play VR Budapest inzwischen über 15 Headsets, darunter Modelle namhafter Hersteller wie die VR-Brille HTC Vive und die Oculus Rift von Facebook, die beide in Kombination mit leistungsstarken Computern genutzt werden können. Zudem gibt es in der Spielhalle auch zwei VR-Laufbänder des Herstellers KAT VR, die helfen, Laufbewegungen der Spieler zu simulieren.


Eintauchen in eine völlig neue Realität

Die „KAT Walks“, wie die Laufbänder dieses Herstellers heißen, sind auch die VR-Geräte, die Besuchern beim Betreten von Play VR Budapest als erstes ins Auge stechen. Die klobigen, schwarzen Podeste stehen direkt neben dem Empfangsbereich im Erdgeschoss des Gebäudes. Dahinter befinden sich ungefähr ein Dutzend weiterer Spielfelder. Einige davon sind mit Wänden voneinander getrennt. Damit verhindere man, dass die Sensoren aus dem einen Spielbereich mit denen des benachbarten Spielbereichs kollidieren, erläutert Zita Széplaki.

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Eine Etage tiefer sind weitere Spielfelder vorhanden. Hier wird die VR-Brille HTC Vive Pro zum Spielen verwendet, die sich durch eine besonders hohe Bildqualität auszeichnet. Wer noch nie zuvor in virtuelle Welten eingetaucht ist, kann sich vor der ersten Spielerfahrung einer kurzen Einführung unterziehen – natürlich ebenfalls in VR: Dabei findet sich der Nutzer in einer virtuellen Halle wieder. Hier erklärt ein freundlicher, kugelförmiger Roboter, was beim Spielen der VR-Spiele zu beachten ist – von der Nutzung der Handcontroller bis hin zum Spielraum der Bewegungssensoren. Letzterer erscheint im Spiel als orangenes Gitter, um zu verhindern, aus dem Blickfeld der Sensoren zu geraten.


Von der virtuellen Küche bis zur Zombieapokalypse

Als Einstiegsspiel empfiehlt Play VR Budapest seinen Besuchern den „Job Simulator“, bei dem der Spieler beispielsweise in die Rolle eines Kochs schlüpft und für die Kundschaft Sandwiches belegt, Spiegeleier brät oder Smoothies zubereitet. Das Spiel sei besonders bei jüngeren Kindern beliebt, erzählt Széplaki.

Viele Erwachsene begeistern sich dagegen für das Spiel „QuiVR“, bei dem man mit virtuellem Pfeil und Bogen in der Hand auf feindliche Truppen schießt. Für Musikfans eignet sich „Beat Saber“. Hierfür müssen Spieler im Rhythmus eines zuvor gewählten Liedes virtuelle Boxen zerschlagen, um Punkte zu sammeln. Adrenalinjunkies dürften sich im Spiel „Arizona Sunshine“ – dem derzeit beliebtesten Spiel der VR-Spielhalle – gut aufgehoben fühlen. Hier kann man in Zweierteams gegen Zombies kämpfen oder auch in einem Team von bis zu vier Personen ein Camp vor Eindringlingen beschützen.

Wenn man mal bei einem Spiel nicht weiterkommt – kein Problem: In der VR-Spielhalle stehen einem Gamemaster zur Seite, die notfalls auch Hilfestellung geben.

Wer sich dafür nicht in die Spielhalle bewegen will, für den organisiert der Anbieter auf Anfrage auch VR-Erlebnisse innerhalb der eigenen vier Wände sowie im Unternehmen oder bei Veranstaltungen. Für solche Gelegenheiten werde laut Széplaki die Oculus Go verwendet. Dabei handelt es sich um ein VR-Headset, das keinen Computer und auch kein Kabel benötigt.

Fazit

Play VR Budapest bietet eine tolle Möglichkeit, den manchmal tristen Alltag durch eine neue Realität zu ersetzen. Jedenfalls für ein paar Stunden.


Play VR Budapest

Budapest, V. Bezirk, Kecskeméti utca 5

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 11 bis 21 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 22 Uhr

Reservierung unter +36-20-212-2201

Preise variieren je nach Spieleranzahl und Zeitumfang zwischen 4.500 und 6.000 Forint

Weitere Informationen finden Sie auf www.playvr.hu/

Was ist Virtual Reality (VR)?

Virtuelle Realitäten sind künstlich erzeugte Wirklichkeiten, bei denen der Spieler einen 360-Grad-Blickwinkel hat und mit seiner Umgebung interagieren kann. Die virtuelle Realität wird mithilfe von speziellen Headsets und anderen Geräten simuliert. Ist das VR-Erlebnis so detailgetreu, dass es vom Spieler als real empfunden wird, spricht man von Immersion.

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