Am Montag schoss der Leitindex BUX der Budapester Wertpapierbörse (BÉT) um 750 Punkte über den Abschlusswert der Vorwoche hinaus und landete mit 42.085 Punkten einen neuen historischen Rekord. Am Dienstag hielt der Schwung noch eine Weile an, so dass bereits die Marke von 42.500 Punkten angepeilt wurde.

Im vergangenen Jahr hatte sich der BUX in einem relativ breiten Band zwischen 35.000 und 40.000 Punkten bewegt. Noch im Januar 2018 wurde ein Rekord mit 41.609 Punkten erzielt, anschließend ging es jedoch auf eine monatelange Talfahrt. Mit einem Anfang 2019 erreichten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) um 10 gilt der Budapester Börsenplatz gewiss nicht als überbewertet. Das trifft nicht nur im Regionalvergleich zu, denn zwischen 2014 und 2017 bewegte sich der hiesige Leitindex nach dem KGV um 12-14. (Da brauchte es also mindestens ein Dutzend Jahre, um den Einkaufspreis der Aktie über die Dividenden herauszuwirtschaften; heute genügt dafür im Schnitt ein Jahrzehnt.)


Erfolgsmeldungen realisiert

Getragen wird der Aufschwung der Budapester Börse in erster Linie durch den Blue Chip OTP: Die Bankaktie legte allein am Montag um weitere vier Prozent auf 12.830 Forint zu und stellt momentan beinahe im Tagesrhythmus neue Hausrekorde auf. Dabei war die OTP-Aktie erst im vorigen November stabil über 11.000 Forint geklettert. Im März brauchte sie mehrere Anläufe, um die Marke von 12.000 Forint zu knacken. Seit dem 4. März kämpfte das Bankpapier mit der historischen Marke, bevor der 14. März den endgültigen Durchbruch markierte: An diesem Tag wurden mehr als 1 Mio. OTP-Aktien gehandelt, mit dem Ergebnis, dass der Kursrekord vom Vortag um weitere anderthalb Prozent getoppt wurde. Nach vier gescheiterten Anläufen konnten die Skeptiker den führenden Blue Chip in Budapest vor dem langen Wochenende des Nationalfeiertags nicht noch einmal hinunterziehen.

Solcherart gestärkt trat die OTP mit ungebremstem Elan in die neue Woche: Der Handel weitete sich um ein Achtel auf annähernd anderthalb Millionen Papiere aus; die euphorischen Anleger hoben die Bankaktie auf den neuen Rekordkurs von 12.830 Forint. Am Dienstag war die Luft sichtlich raus: Zwar probierten sich die Enthusiasten gleich noch an der Marke von 13.000 Forint, doch der Handel flaute ab, und nach 16 Uhr gelangten die Verkäufer in die Überzahl. Die OTP ist somit Mitte März ein Achtel mehr wert, als noch zu Jahresbeginn. Damit haben die Anleger praktisch nichts weiter getan, als die Erfolgsmeldungen der vergangenen Monate zu realisieren.


Commerzbank hinter sich gelassen

So konnte OTP-Chef Sándor Csányi, der aktuell noch mit Orbán-Freund Lőrinc Mészáros um den Titel als reichster Mann Ungarns streitet, die Traummarke von 1 Mrd. Euro erklimmen, die „seine“ Bank 2018 an Gewinnen realisierte. Mit einem Marktwert von über 11 Mrd. Euro hat die führende ungarische Handelsbank längst jene Commerzbank hinter sich gelassen, die mit dem deutschen Branchenprimus fusionieren soll. Das kumulierte Ergebnis nach Steuern des kompletten ungarischen Bankensektors belief sich nach Angaben der Ungarischen Nationalbank (MNB) im Vorjahr auf 650 Mrd. Forint; die OTP hat demnach knapp die Hälfte des Gesamtgewinns für sich gepachtet. Csányi agiert als einer der erfolgreichsten Manager des Nachwende-Ungarns wie ein „Hansdampf in allen Gassen“. Auf der aktuellen globalen Forbes-Rangliste der Dollarmilliardäre hat er mit geschätzten 1,1 Mrd. Dollar einen Platz in der TOP2000 gefunden.

Selbstverständlich wird der BUX auch durch die weiteren Blue Chips getragen, denn MOL, Richter und Magyar Telekom versprechen ebenfalls viel Potenzial. Die Kapitalisierung des ungarischen Börsenplatzes erreicht aktuell 8.850 Mrd. Forint, der BUX ist seit Jahresbeginn um 7,5% gestiegen. Daran hat auch ein neuer „Komet“ Anteil, denn 4iG wurde nach Ablösung des Managements am Montag bereits für 2 Mrd. Forint gehandelt, also in der Größenordnung des Pharmakonzerns Richter Gedeon. Im Hintergrund steht die Ernennung von Gellért Jászai zum neuen operativen Chef der Gesellschaft, die damit ebenfalls dem Imperium von Lőrinc Mészáros untergeordnet wurde. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis der 4iG-Aktie nahezu verdreifacht. Der Tausendsassa Mészáros mischt in immer mehr Börsengesellschaften mit, wobei die vor ihrer Fusion stehenden Holdinggesellschaften Opus und Konzum zweifelsohne die Flaggschiffe des neuen Imperiums sind. Die neu entstehende Opus Nyrt. wird voraussichtlich der fünfte Blue Chip am Budapester Börsenparkett.


Langjährige Trendlinie durchbrochen

Unterdessen zeigt auch der Forint ungewohnte Stärke. In der vergangenen Woche durchbrach die einheimische Währung bei 315 HUF/EUR nicht nur eine langjährige Trendlinie, sondern blieb anschließend von jeder Korrektur verschont. Am Montag gelangte der Kurs nach dem langen Feiertagswochenende stabil unter 314 zum Euro; damit war ein 10-Monats-Hoch erreicht. Die nächste Widerstandslinie liegt bei 312. Am Dienstag nahm die einheimische Währung bereits den Eurokurs von 313 ins Visier, der am Tagesende nur noch knapp verfehlt wurde.

Offenbar spekulieren immer mehr Akteure auf eine bevorstehende Trendwende in der monetären Politik der Ungarischen Nationalbank (MNB). In der Tat gab es wegen der momentan ungezügelten Inflation erste Hinweise darauf, dass die MNB ihre ultralockere monetäre Politik nun aufgeben wird. Die Währungshüter betonen dabei nur zu gerne, ein Inflationsziel zu verfolgen, das mittelfristig eine Teuerungsrate um drei Prozent anpeilt. Der vom Statistischen Amt ermittelte Verbraucherpreisindex bewegt sich aktuell um diese drei Prozent, die um Steuereffekte korrigierte Kerninflation als wichtigster Teilindikator für die Notenbank ist derweil auf dreieinhalb Prozent in die Höhe geschossen.


Leitzins in Beton

Der historisch niedrige Leitzins von 0,9 Prozent dürfte dessen ungeachtet im laufenden Jahr Bestand haben. Die MNB verfügt nämlich über ein Repertoire an sonstigen monetären Instrumenten, um die Geldschwemme der jüngsten Jahre einzudämmen, ohne deshalb gleich am einbetonierten Leitzins rütteln zu müssen. Experten warnen in diesem Zusammenhang, die Spekulanten könnten zu leichtsinnig agieren, wenn sie den Forint ins „Bodenlose“ drücken. Sobald der Währungsrat tagt und den Leitzins nicht unverzüglich anhebt, könnte es deshalb mit dem Höhenflug des Forint schon wieder vorbei sein.

Die Regierung betrachtet die aktuelle Entwicklung vermutlich als Eintagsfliege. Gerade hat sie nämlich die EU-Fördermittel im Rahmen der Operativprogramme neu kalkuliert. Der vor Jahren festgelegte „technische Anker“ von 310 Forint für den Euro wurde auf rund 320 angehoben. Durch diese realitätsnahe „Inflationierung“ können weitere gut 200 Mrd. Forint an Fördergeldern im Zuge von öffentlichen Ausschreibungen verteilt werden. Ein extrem starker Forint liegt wie gesagt nicht im Interesse der ungarischen Wirtschaftspolitik.

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