Dabei wurden Gedichte rezitiert, wie Sándor Petőfis „Nationallied“ (ung.: „Nemzeti Dal”) und „Hier ist mein Pfeil, worin soll ich ihn versenken?” (ung.: „Itt a nyilam, mibe lőjjem?”).

Doch was „national” eigentlich bedeutet, das habe ich nie verstanden. 1848 machte es anscheinend Sinn – und bedeutete wohl hauptsächlich, dass man Ungarisch sprach (und nicht etwa Deutsch). 2019 ist der Begriff dagegen inhaltsleer geworden.


Schwache Leistungen auf beiden Seiten

Heute wird er – wie auch die Kokarde – von einigen Ungarn nur noch für ein bisschen plumpe Ungarntümelei missbraucht (ein Beispiel hierfür sind auch die Logos der nationalen Tabakgeschäfte).

Dieses Jahr waren die offiziellen Feierlichkeit zum 15. März aber keineswegs „national“. Die im Garten des Nationalmuseums versammelten Massen wurden aus Polen und ganz Ungarn hierher gekarrt, um selig den törichten Lügen zu applaudieren, welche die beiden Ministerpräsidenten vortrugen. Unser Regierungsoberhaupt streute – wie ein zwischen Bäumen gefangenes Ungetier (oder ein „steckengebliebener Holzwurm“) – Hass in Richtung der Führungsfiguren unserer europäischen Verbündeten.

Doch auch unsere parlamentarische Opposition hat keine Glanzleistungen abgeliefert – das hätte uns zugegebenermaßen auch verwundert. Die Parteien versuchten, das ihnen bereits ausgestellte Zeugnis für die nahenden EU-Wahlen (in Ungarisch und Mathematik durchgefallen, Sport: mangelhaft) anscheinend noch zu bekräftigen: Was sie ablieferten, war zum Großteil – in Ermangelung wirklicher Inhalte – kraftlos und erbärmlich.


Parteien müssen in den Hintergrund treten

Nur ein einziger Satz fiel, den es sich lohnt, zu Herzen zu nehmen. Péter Márky-Zay sagte: „Bei den Kommunalwahlen im Herbst müssen die einzelnen Parteien in den Hintergrund treten. Dafür sollten sie sich mit voller Kraft der Unterstützung der parteiunabhängigen Kandidaten widmen.”

Was der Anführer der 2018 gegründeten Bewegung „Mindenki Magyarországa“ jedoch nicht aussprach, war, dass man das bereits im letzten Frühjahr hätte tun sollen. Es jetzt zu tun, erscheint als späte Reue. Außerdem steht zu befürchten, dass es niemand verstehen wird.

Die – außerordentlich talentierte – Spitzenkandidatin der DK (Anm.: Klára Dobrev) hat es jedenfalls nicht verstanden, oder will es auch nicht verstehen. Sie sprach – erneut ausschließlich – über den „Zusammenschluss“ der oppositionellen Parteien. Diese müssen sich aber nicht weiter zusammenschließen, sondern sollten endlich entschieden in den Hintergrund treten. Dann wäre eine erneute Niederlage – die für’s Frühjahr schon vorprogrammiert ist – im Herbst vielleicht noch zu verhindern.


Der Autor ist Chirurg.


Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 17. März auf dem Onlineportal des linksliberalen Wochenmagazins Magyar Narancs.

Aus dem Ungarischen von Elisabeth Katalin Grabow

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