Die Ausstellungsbesucher blicken auf eine weiße Tafel, die durch LED-Lichter angestrahlt wird, darüber bewegen sich bunte Quadrate, die stark an das Videospielpuzzle Tetris erinnern. Eine Fotografie von einer jungen Frau, die ein wallendes schwarzes Kleid trägt, hängt an einer der Wände. Daneben befindet sich eine Skizze zum Kleid, bestehend aus Kreisen, Linien und quadratischen Formen. Auch Skulpturen werden gezeigt, eine davon flach und rund, vermutlich aus Terrakotta hergestellt. Von oben mutet sie wie ein Labyrinth an.

All dies ist bloß ein kleiner Querschnitt durch eine Ausstellung, die auch veranschaulicht, wie vielseitig die Bauhaus-Bewegung ist und wie sehr sie auch heutige Künstler inspiriert.

Ein weiterer Zweck der in Kooperation mit der ebenfalls im Haus ansässigen Open Structures Art Society (OSAS) organisierten Ausstellung besteht zudem darin, zu bewerten, inwiefern konstruktive, konkrete, figurative und nicht figurative Phänomene des Bauhauses auch noch im Rahmen der zeitgenössischen ungarischen Kunst interpretiert werden können. Hier bleibt sie jedoch weitgehend abstrakt, sodass es letztendlich über weite Strecken bei einer Hommage bleibt.


Doch wie gelangte „Bauhaus“ überhaupt nach Ungarn?

Ihren Ursprung hat die Bewegung in Deutschland. Alles begann mit dem Architekten Walter Gropius, der nicht viel von der traditionellen Baukunst hielt und eine Vision des Baus der Zukunft vor Augen hatte. Angetrieben davon, Kunst und Handwerk miteinander zu verbinden, gründete Gropius 1919 in Weimar das Staatliche Bauhaus, eine Schule für Architektur, Kunst und Design. Hier gab es keine Professoren, stattdessen Künstler und Handwerker (zwischen denen auch nicht gesondert unterschieden wurde), die ihre Lehrlinge in Werkstätten ausbildeten. Die Grundidee des Bauhauses beruhte auf einer geometrischen Formsprache, die – möglichst modern – den Geschmack des damaligen Mainstreams treffen sollte. Schöner Schein oder verspielte Verzierungen wurden im Bauhaus verpönt, denn die Funktionalität jedes Gebrauchsgegenstandes stand an oberster Stelle.

In Ungarn sah man das Bauhaus als Form des politischen Widerstandes an und als eine Utopie. Bauhaus verbreitete sich dort vor allem dank des gebürtigen Ungarns László Moholy-Nagy, der über Jahre mit Walter Gropius zusammenarbeitete. 1923 lud Gropius Moholy-Nagy ein, als Meister am Staatlichen Bauhaus in Weimar und später in Dessau tätig zu werden. Dort leitete dieser für ungefähr fünf Jahre die Vorkurse und die Metallwerkstatt.

Das geistige Erbe von Bauhaus-Größen wie Gropius und Moholy-Nagy lebt weiter und kann bis Ende Mai in Form ganz unterschiedlicher Kunstwerke in der Ausstellung des Vasarely-Museums bewundert werden. Das im Óbudaer Zichy-Palais befindliche Museum gehört zu den versteckten Perlen der Budapester Kulturszene und ist auch ansonsten einen Besuch wert. Die Dauerausstellung, die Werke des Namenspatrons Victor Vasarely (1906 bis 1997) zeigt, verdeutlicht ebenfalls den Einfluss des Bauhauses auf die ungarische Kunst. Vasarely besuchte die in der Tradition des Bauhaus geführte Műhely Schule für Grafik in Budapest und wurde in den 1960ern zur Schlüsselfigur der abstrakten Op-Art.


Ausstellung „Bauhaus 100 - OSAS"

im Vasarely-Museum

Budapest, III. Bezirk, Szentlélek tér 6

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17.45 Uhr

Eintritt: 800 Forint / ermäßigt 400 Forint

Weitere Informationen finden Sie auf www.vasarely.hu

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