Sie stammten von Mitgliedern einer Delegation von AfD-Mitgliedern aus Berlin. Sie waren eigens zum ungarischen Nationalfeiertag angereist, um diesen gemeinsam mit ungarischen Patrioten zu begehen. Der Höhepunkt der Reise war die Teilnahme am offiziellen Festakt der ungarischen Regierung vor dem Nationalmuseum.

Die Berliner waren vom dort erlebten Nationalstolz der Ungarn begeistert. „So viele Nationalfahnen gibt es bei uns höchstens mal zur Fußball-WM“, so ein Delegationsteilnehmer. Positiv überrascht waren sie auch von der Offenheit und Freundlichkeit der Ungarn. „Als neben uns stehende Ungarn mitbekamen, dass wir aus Deutschland und noch dazu AfD-Mitglieder sind, wurden wir immer wieder herzlich begrüßt. Man bot uns Übersetzungshilfe an und versuchte, mit uns ins Gespräch zu kommen.“


Kein Kontakt zu Fidesz-Politikern

Weniger offen als die einfachen Bürger gaben sich jedoch Fidesz-Politiker. Obwohl sich ein ungarischsprechender Teilnehmer der Delegation, zu der auch zwei Abgeordnete der Berliner AfD-Fraktion gehörten, im Vorfeld der Reise intensiv darum bemühte, eine Begegnung mit Fidesz-Politikern zu arrangieren, blieb es letztlich nur bei Begegnungen mit einfachen, aber dafür umso herzlicheren Fidesz-Anhängern auf der Straße. „Noch ist der offizielle deutsche Parteipartner des Fidesz die CDU. Daran scheint sich der Fidesz eisern zu halten und geht Kontakten insbesondere zu unserer Partei noch aus dem Weg“, vermutet ein Delegationsteilnehmer.

#

So sehen nach der Vorstellung der deutschen Antifa und ihrer Hintermänner heutzutage „Nazis“ aus. (Fotos: Regina Hoffmann)

Aber auch so herrschte kein Mangel an Programmpunkten. Dazu gehörten unter anderem eine Stadtrundfahrt, ein Besuch im Parlament und ein Ausflug nach Visegrád. Befragt nach ihren besonderen Eindrücken erwähnten die Teilnehmer gegenüber der Budapester Zeitung übrigens ganz vorne die für sie überraschende Beobachtung, dass jüdische Einrichtungen in Budapest vergleichsweise gering oder überhaupt nicht geschützt seien. Und natürlich fiel den deutschen Patrioten auch positiv ins Auge, dass die ungarische Trikolore an diesem Feiertagswochenende nicht nur direkt beim Festakt vor dem Nationalmuseum, sondern überall im Budapester Stadtbild präsent war.


Lebensgefährlicher Anfang

Fast hätten die Berliner all diese Eindrücke aber nicht sammeln können, um ein Haar wäre ihre Ungarnreise schon kurz nach dem Start wieder vorbei gewesen. Ihr Reisebus war am Donnerstagmorgen vom Treffpunkt am Berliner Ostbahnhof erst wenige hundert Meter gefahren, als dieser plötzlich Opfer eines gezielten Angriffs einer Gruppe von rund zehn Linksterroristen wurde. Innerhalb weniger Augenblicke machten sie den Bus mit Steinen, Farbbeuteln und Pyrotechnik reiseunfähig. Bevor die geschockten Businsassen realisierten, was genau geschehen war, war der Angriff schon wieder vorbei. Auf eine rote Signalfackel hin flüchteten die sich selbst als „Antifaschisten“ bezeichnenden schwarzmaskierten Kriminellen.

#

Die Antifa sorgte auf ihre Weise dafür, dass mit der Busreise nach Ungarn schon nach wenigen hundert Metern Schluss war. (Fotos: Olaf Busch)

Rasch war die Polizei am Tatort und nahm die Ermittlungen auf. Fest stand, dass das Reiseziel Budapest mit diesem Bus nicht mehr zu erreichen war. Zahlreiche Scheiben waren zerstört oder mit Farbe beschmiert. Von den Delegationsteilnehmern war jedoch niemand verletzt worden. Glücklicherweise muss man dazu sagen, denn wäre der Bus voll gewesen, und hätte jemand auf der Rückbank gesessen, dann hätte es auch anders ausgehen können. Ein von einer Überführung geworfener großer Stein hatte die Heckscheibe durchschlagen und war ins Innere des Busses gedrungen. Tragisch hätte es ebenso ausgehen können, wenn der Busfahrer das Fahrzeug im morgendlichen Berufsverkehr nicht sofort sicher hätte stoppen können.

„Die Linksterroristen machen bei ihren Angriffen auf Andersdenkende inzwischen nicht einmal mehr vor Menschenleben halt“, so ein Businsasse noch immer fassungslos. Dass die Reisegruppe Opfer linker Gewalt geworden war, daran bestand für sie kein Zweifel. Kleidung und Vorgehensweise der Kriminellen hätten eine klare Sprache gesprochen. Wenig später erschien zudem auf der Seite antifa-berlin.info unter der zynischen Überschrift „AfD-Urlaub startet mit Schwierigkeiten“ ein Bekennertext. Darin heißt es wörtlich: „Am Donnerstag morgen wollten 17 AfDlerInnen zu einer Städtereise nach Ungarn aufbrechen. Kurz nach ihrem Start am Ostbahnhof wurde der Bus jedoch von engagierten Antifaschist*innen abgefangen. Mit Pflastersteine, Farbbeutel und Pyrotechnik stoppten sie das traute Urlaubsglück der RassistInnen…“

#


„Jetzt erst recht“

Nachdem die Businsassen ihren ersten Schock überwunden und die Polizisten bei ihrer Arbeit unterstützt hatten, wurde überlegt, wie es weitergehen solle. Für einige, insbesondere ältere Teilnehmer kam eine Reise nicht mehr in Frage. Die meisten aber überlegten, wie sie trotzdem nach Budapest kommen könnten. „Jetzt erst recht! Wir lassen uns unsere Ungarn-Reise nicht von Kriminellen kaputt machen“, war das bestimmende Gefühl. Da das Reisebusunternehmen auf die Schnelle keinen Ersatzbus stellen konnte, musste jedoch improvisiert werden. Schließlich machten sich knapp über 20 Reisende mit Privat-Pkw und Flixbus auf den Weg nach Budapest, wo sie Donnerstagabend ankamen, gerade noch rechtzeitig, um den ungarischen Nationalfeiertag am anderen Tag ausgeruht und in vollen Zügen genießen zu können.

#

Um ein Haar hätte es auch Tote oder Verletzte gegeben.
Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Theateraufführung der Österreichischen Schule Budapest

Schüler begeistern mit Bühnenwerk frei nach Paul Watzlawick

Geschrieben von Nina Barth

In der Bibliothek der Österreichischen Schule in Budapest führten 12 Schüler der Theatergruppe THEO…

5G-Koalition

Staatliche Rolle beim Netzausbau

Geschrieben von BZ heute

„Der Staat muss eine Rolle beim Ausbau der Infrastruktur des 5G-Netzes übernehmen, um den Prozess…

Haushaltsentwurf für 2020

Historisches Defizitziel, de facto Nullsaldo

Geschrieben von Rainer Ackermann

Die Förderung der Familien und der Schutz der Unternehmen stehen im Mittelpunkt der Vorlage zum…