Warum bauen Sie den Flughafen so massiv aus?

Die Wachstumsparameter unseres Flughafens entwickelten sich zuletzt sehr dynamisch. Der Budapester Flughafen ist in den letzten Jahren in der Spitzenliga der am schnellsten wachsenden Flughäfen in Europa angekommen. Letztes Jahr nutzten knapp 14,9 Millionen Passagiere unseren Flughafen. Also anderthalb mal so viele Menschen wie Ungarn Einwohner hat! Allein im vergangenen Jahr betrug unser Passagierzuwachs 13,5 Prozent. Wir haben sehr hart daran gearbeitet, dieses dynamische Wachstum zu erreichen. Seit dem Konkurs der nationalen Fluggesellschaft Malév vor sieben Jahren, arbeitet unser Airline-Marketing-Team unermüdlich daran, die Destination Budapest den Fluggesellschaften so gut wie möglich zu präsentieren. Immer mehr Fluggesellschaften kommen neu hinzu und bereits etablierte erhöhen die Frequenz ihrer angebotenen Flüge oder ihre Flugzeugkapazitäten. Mindestens genauso wichtig wie die absoluten Passagierzahlen ist uns aber auch die Ausgewogenheit und Vielfalt des Angebotes: Nie zuvor gab es mehr Fluglinien, Destinationen und Langstrecken beziehungsweise Interkontinentalflüge direkt ab Budapest! Nie zuvor gab es eine bessere Konnektivität. Der Mix zwischen traditionellen Netzwerkfluglinien und Low-cost-Airlines mit ihren unterschiedlichen Geschäftsmodellen, Produktangeboten und Ticketpreisen ist sehr ausgewogen. Diese Erfolge bringen aber natürlich auch neue Herausforderungen mit sich. Daher haben wir entschieden, neben einem massiven neuen Terminalbauprogramm auch erheblich in die bestehende Terminalinfrastruktur und Servicequalität zu investieren, um das Komfortniveau für unsere Passagiere deutlich und nachhaltig zu verbessern: diese Initiative und das detaillierte Maßnahmenpaket dazu heißen BUD:plus.


Wird das äußerst dynamische Wachstum anhalten?

Wir erwarten auch für 2019 weiteres Wachstum, jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau. Es war abzusehen, dass sich die Wachstumsrate irgendwann abflachen wird. Wir sind da realistisch. Die Größe Ungarns, die Größe seiner Bevölkerung, der finanzielle Spielraum der Reisenden und einige weitere Parameter sind endliche Größen. Im Januar 2019 hatten wir zum Beispiel nur ein geringes Wachstum von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber erst im Mai oder Juni können wir genauere Prognosen für das Gesamtjahr abgeben, denn zur Zeit sind einige Unsicherheiten im europäischen Luftverkehrsmarkt gegeben. Auch die Diskussion um den Brexit wird dann hoffentlich geklärt und seine Auswirkungen auf den europäischen Luftverkehr werden klarer abzusehen sein. Natürlich werden wir auch weiter an unserem Passagierwachstum arbeiten und das unsrige tun, um die jüngste Erfolgsgeschichte des Flughafens fortzuschreiben.


Wodurch wird das Passagierwachstum in diesem Jahr konkret angetrieben?

Wir werden in diesem Jahr eine ganze Reihe von neuen Flugverbindungen starten. China Eastern Airlines wird im Juni einen Direktflug in Betrieb nehmen, dreimal wöchentlich von und nach Shanghai, was für uns einer unserer Jahreshöhepunkte ist. Die polnische Fluggesellschaft und StarAlliance-Mitglied LOT wird ihre Kapazitäten ausbauen und neue Destinationen ab Budapest anbieten. Unter anderem wird London City zweimal täglich sechs Tage die Woche angeflogen – eine phantastische Nachricht und Verbindung für Geschäftsreisende in die Finanzmetropole London. Darüber hinaus hat LOT erst gestern angekündigt, neue Flugverbindungen nach Brüssel und Bukarest ab September diesen Jahres anzubieten. Robustes und stetiges Wachstum erwarten wir auch für Wizz Air und Ryanair, die bereits jeweils neue attraktive Destinationen für 2019 angekündigt haben. Schließlich freuen wir uns auch auf flydubai ab Mitte des Jahres als Newcomer mit einem täglichen Flug nach Dubai.


Was ist das Ziel des BUD:plus-Programms?

Sein Hauptziel besteht darin, dass abfliegende und ankommendeFluggäste innerhalb des Flughafens so einfach und bequem wie möglich durch den Flughafen gelangen und den Beginn oder das Ende ihrer Reise genießen können. Sie sollen die Zeit bis zum Boarding vor allem zum entspannten Kaffeetrinken, Einkaufen, Free-Wifi-Surfen oder Ähnlichem nutzen, und möglichst wenig Zeit beim Einchecken und in der Sicherheitskontrolle beziehungsweise in den Warteschlangen davor verbringen. Das BUD:plus-Programm sieht aktuell insgesamt rund 70 Maßnahmen vor, die alle das Ziel verfolgen, die Passagiere reibungsloser abzufertigen und ihren Komfort zu erhöhen. Geplant ist unter anderem, dass die Passagiere die Sicherheitskontrollen schneller passieren können.

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Mihály Hardy, Leiter der Unternehmenskommunikation der Budapest Airport Zrt.: „Das BUD:plus-Programm sieht aktuell insgesamt rund 70 Maßnahmen vor, die alle das Ziel verfolgen, die Passagiere reibungsloser abzufertigen und ihren Komfort zu erhöhen.“


Wie soll das möglich werden?

Die Passagierkontrolle ist eine direkte Aufgabe und Verantwortlichkeit des Flughafens. Wir werden die Anzahl der Sicherheitsschleusen und Passagierkontrollstellen um jeweils eine Schleuse erhöhen, sowohl im Terminal Bereich 2A als auch im Bereich 2B. Außerdem werden wir die Wartebereiche vor der Sicherheitsüberprüfung der Passagiere im Terminal 2A umbauen und erweitern, indem wir Ladenflächen reduzieren. Und wir werden den Ankunftsbereich im Terminal 2B, im Non-Schengen-Bereich, deutlich vergrößern und die Anzahl der Waschräume und -flächen am Flughafen um die Hälfte erweitern sowie bestehende komplett renovieren. Zudem haben wir das Reinigungsunternehmen für den gesamten Flughafen ausgetauscht, da dessen Servicequalität im letzten Sommer völlig unakzeptabel war.

Des Weiteren werden wir ein Fluggasthilfe-Team mit rund 20 Mitarbeitern aufstellen, das unseren Gästen beim Passieren unseres Flughafens rund um die Uhr behilflich sein wird. Auch im Bereich der Servicequalität unserer Airline-Partner und deren Abfertigungsdienstleister und anderer Subunternehmer machen wir Druck, um Verbesserungen und erhöhte Qualitätsstandards zu bewirken. Dies ist nicht immer ganz einfach, da der Flughafen ja kein Vertragspartner ist im Verhältnis zwischen Fluglinie und Passagier, die ja beide durch den Ticketkauf vertraglich verbunden sind. Zum Beispiel kann der Flughafen nicht vorschreiben, wie schnell das Gepäck eines ankommenden Passagiers auf dem Ankunftsband zu liegen hat oder wie schnell und wieviele Busse zwischen Terminal und Flugzeug verkehren. Dies alles sind Leistungen, die zwischen Airline und Abfertigungsunternehmen vereinbart werden. Auch das Check-in ist Aufgabe und Verantwortung der Airline und ihres Erfüllungsgehilfen des jeweiligen Abfertigungsunternehmens. Am Ende des Tages ist es aber für den Passagier natürlich egal, wer genau zuständig ist, so dass wir uns als Flughafenbetreiber in der Pflicht sehen, in allen Bereichen kontinuierliche Verbesserungen bei unseren eigenen wie bei den Leistungen unserer Partner zu bewirken.


Wird es auch technische Aufrüstungen geben?

Ja, ganz klar, Automatisierung und Digitalisierung sind große Themen an allen Flughäfen. Im April beginnen wir mit dem Testen von sogenannten Self-Bag-Drop-Automaten. Mit diesen kann der Fluggast nicht nur seine Bordkarte auszudrucken, sondern auch das Gepäcketikett. Anschließend kann es selbständig vom Passagier am Gepäck befestigt und das Gepäckstück automatisch aufgeben werden. Dieses vereinfachte Abfertigungsprozedere wird schon an vielen Flughäfen genutzt und wir konnten für unser Projekt mit der Lufthansa-Gruppe, AirFrance/KLM, Wizzair und Ryanair gleich die wichtigsten Partner mit ins Boot holen. Sobald die Testphase erfolgreich absolviert wurde, wird es ein umfangreiches Rollout und die Umrüstung vieler Check-in-Schalter geben. Außerdem werden wir in Abstimmung mit der Polizei und dem Grenzschutz erstmalig automatische Passkontrollen für alle Nationalitäten einführen. Letztlich stellen wir dafür nur die Flächen zur Verfügung, die IT-Infrastruktur und die Geräte werden von der Polizei gestellt. Polizei und Grenzschutz allein planen hier am Flughafen eine Personalaufstockung bei den Passkontrollen um 70 Personen. Auch das wird sich positiv auf die Wartezeiten bei der Ein- und Ausreise im Non-Schengen Bereich auswirken. Weitere Automatisierungsmaßnahmen sehen wir in vielen anderen Bereichen und mit zunehmender Bedeutung – auch um der mittlerweile drastischen Situation bei der Beschaffung von neuen Mitarbeitern und der Personalknappheit vor allem bei den Dienstleistungspartnern am Flughafen insgesamt entgegenzuwirken.

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Sogenannte Self-Bag-Drop-Automaten sollen für eine zügigere Aufgabe des Reisegepäcks sorgen.


Wie viel wird das BUD:plus-Programm den Flughafen kosten?

Der Budapester Flughafen hat für die nächsten zwei Jahre dafür rund 20 Millionen Euro eingeplant. Sollten wir weitere Maßnahmen identifizieren und für notwendig erachten, werden wir sicher darüber hinausgehende Mittel bereitstellen.


Müssen sich die Fluggäste während dieser Veränderungen, also durch die BUD:plus-Projekte oder den Bau des großen neuen Terminals auf Beeinträchtigungen am Flughafen einstellen?

Um genau das zu minimieren, werden wesentliche Projekte des BUD:plus-Programms in der verkehrsärmeren Winter- und Frühlingszeit realisiert und erste Maßnahmen sind schon seit Oktober/November letzten Jahres in der Umsetzung. Hauptziel ist es, alle wesentlichen Projekte noch vor dem Höhepunkt der kommenden Sommersaison, also bis ungefähr Juni abzuschließen. Es ist heutzutage jedoch normal, dass man auf jedem Flughafen Baustellen und geschlossene Bereiche antrifft. Ein Flughafen ohne Baustellen ist ein toter Flughafen. Es ist ein Zeichen für Fortschritt und Vitalität, wenn an einem Flughafen gebaut wird. Natürlich werden wir alles unternehmen, um mögliche Unannehmlichkeiten für die Passagiere soweit wie möglich zu minimieren.


Wie wird der neue Terminal finanziert?

Der Terminal 3, den wir bis 2023 errichten und in Betrieb nehmen werden, wird vom Budapester Flughafen selbst finanziert. Es geht um ein Investitionsvolumen von rund 700 Millionen Euro. Ein Teil dieser Investition, rund 200 Mio. Euro wird aus einem Darlehen der Europäischen Investitionsbank finanziert. Den Rest finanziert der Flughafen aus eigener Kraft.


Ist schon bekannt, wer den neuen Terminal 3 entwerfen oder bauen wird?

Noch nicht. Wir werden demnächst eine entsprechende Ausschreibung veröffentlichen. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr den Planungs- und Genehmigungsprozess abschließen können. Spätestens Mitte 2020 wird dann der erste Spatenstich erfolgen.

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