Bereits zum sechsten Mal richtete die Ungarische Nationalbank (MNB) jene Konferenz aus, die

dem „Vater des Euro“, Alexandre Lamfalussy, gewidmet ist. In seiner Heimat, die er im Jahre

1949 gerade einmal 20-jährig verließ, blieb dem Vordenker der europäischen

Gemeinschaftswährung sein ursprünglicher Name Sándor Lámfalussy erhalten. Der 2013

gestiftete Lámfalussy-Preis der MNB erkennt international herausragende fachliche Leistungen

an, die Einfluss auf die internationale monetäre Politik nehmen. Erster Preisträger war Ewald

Nowotny, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank; in diesem Jahr wurde Yves Mersch

gewürdigt, der frühere Präsident der Zentralbank Luxemburgs, der heute das EZB-Direktorium

stärkt. Nowotny und Mersch lauschten am Montag in Budapest jenem Vortrag ihres Gastgebers

Matolcsy, der sich konsequenterweise um den Euro drehte.


Darin führte der MNB-Präsident aus, die zurückliegenden zwei Jahrzehnte des Euro dienten mit

Lehren, die wichtige Schlussfolgerungen zuließen. Die ersten zehn Jahre bis 2008 hätten einen

eindeutigen Erfolg gebracht. Unter den aufstrebenden Mitgliedstaaten der Eurozone hätten von

diesem Erfolg hauptsächlich die Südstaaten profitiert. In der sich anschließenden Zeit aber litt

und leidet die Eurozone. Die Konvergenz scheint abhandengekommen. Wenngleich die

Weltwirtschaftskrise von den Vereinigten Staaten nach Europa gelangte, fiel sie doch in der

Eurozone länger und tiefer aus. „Man darf den Euro nicht zum Sündenbock machen, doch

zweifellos war das System der Eurozone nicht auf die Krise vorbereitet“, resümierte Matolcsy.

Im fehlerhaften Krisenmanagement der EU wurde der entscheidende Fehler begangen, für die

Krise ausschließlich restriktive Maßnahmen als Antwort bereitzuhalten. Die EZB in Frankfurt

verspätete sich mit ihrem Krisenmechanismus runde zwei Jahre.


Abgestimmte Strategien unabdingbar

Ganz im Gegensatz dazu konnten die US-Regierung und die Zentralbank FED mit einem

zügigen Auftreten in einer gemeinsam getragenen Krisenbewältigung die Voraussetzungen

schaffen, dass die USA die Krise im Wesentlichen bereits 2009 abzuschütteln wussten. Auf jede

Blütezeit folgt eine Krise, Amerika lehre uns jedoch, in der Krise schnell zu handeln, in einem

engen, ja strategischen Bündnis der Notenbank mit der Regierung. Der MNB-Präsident sei sich

sehr wohl bewusst, dass die Notenbanken gestützt auf Verfassungen und Gesetze unabhängig

von den Regierungen bleiben müssen. Die Abstimmung der Strategien bei der Abwendung von

Krisen aber sei für ein erfolgreiches Krisenmanagement unabdingbar.


Angesichts dieser Euro-Kritik kam Matolcsy der folgende Satz wahrscheinlich leicht über die

Lippen: „Ungarn ist zwar noch nicht Mitglied der Eurozone, aber irgendwann in den

kommenden Jahrzehnten wird es den Euro einführen.“ Irgendwie musste er den Bezug zum

Lebenswerk des Namensgebers der Konferenz ja herstellen. Wenn ungarische Politiker des

anderen Lagers seit den 1990er Jahren inmitten des Integrationsprozesses die Euro-Einführung

für das jeweils kommende Jahrzehnt ankündigten, handelte es sich um nicht mehr als

Lippenbekenntnisse. Die Matolcsy-Aussage „irgendwann in den kommenden Jahrzehnten“ ist

noch weniger als das – sie mag wie ein Druckfehler erscheinen. Es ist nichtsdestotrotz die klarste

Ansage, seit die MNB im Herbst 2017 in einem Grundsatzpapier darlegte, die Maastricht-

Kriterien reichten bei weitem nicht aus, um den Konvergenzprozess abzusichern. Jedenfalls will

sich Ungarn die Konvergenz nicht durch den Euro kaputtmachen lassen, um nicht das Los der

Südstaaten zu teilen.

Konversation

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