Was hat Sie zu dieser deutlichen Ansage motiviert?

Meiner Meinung nach gibt es einfach einen Punkt, an dem man sagt: „Bis hierher und nicht weiter“. Dass heute in Ungarn regierungsnahe Journalisten als „Propagandisten“ abgestempelt werden, sind wir schon gewohnt. Dieser Prozess setzte vor etwa zwei bis drei Jahren ein, als diese „Kritiker“ damit begannen, uns mitzuteilen, wir seien keine Journalisten und würden deswegen von ihnen keine Interviews mehr bekommen. Doch dann nutzten sie uns gegenüber auch offen das Schlagwort „Propagandist“. Danach spitzte sich die Lage immer weiter zu. Mich beschimpfen sie inzwischen regelmäßig als „Regierungshure“. Meinen Arbeitsplatz, das Portal PestiSrácok.hu (Pester Jungs) und die dortigen Mitarbeiter bezeichneten sie als „ProstiSrácok“ (Prostituierte Jungs). Wir müssen tagtäglich ertragen, dass wir auf diese Weise gedemütigt und in unserer menschlichen Würde verletzt werden.



In Ihrem Kommentar sprachen Sie auch von physischer Gewalt.

Am 15. März 2017 erlebte ich zum ersten Mal, dass ich während meiner Berichterstattung über die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag angepöbelt wurde. Oppositionelle begannen mit Beschimpfungen, jedoch nicht nur gegen mich, sie provozierten auch andere friedliche Teilnehmer der Gedenkfeier. Einer von ihnen wollte einen älteren Mann angreifen, doch ich ging dazwischen, um ihn zu beschützen. So wurde ich Ziel des Angriffs. Als ich dann meinen Bericht durchgab, wurde ich mitten in der Live-Sendung als Hure beschimpft. Danach kam sofort die Lügenpresse der Opposition gegen mich in Gang. In einem vulgären Stil wurde über mich hergezogen und versucht, die Oppositionellen gegen mich aufzustacheln, weil ich ja angeblich eine „Dienerin Viktor Orbáns und des Systems“ sei. Bei den CEU-Demonstrationen fruchteten diese Diffamierungen bereits. Von Seiten der Demonstranten wurde versucht, Zigaretten an uns ausdrücken. Mein Kameramann und ich wurden von den „friedlichen“ Demonstranten herumgeschubst und gestoßen. Schließlich erhielt ich sogar mehrere Morddrohungen, nicht nur in privaten Postings, sondern auch öffentlich. Sie drohten, mich mit Säure zu übergießen, aufzuhängen, mich vor meinen Kindern zu vergewaltigen usw.


Hat Ihnen der Journalistenverband in dieser Situation geholfen?

Nein, überhaupt nicht. Wir konservativen Journalisten können da auch auf nichts hoffen. Im Gegensatz zu linken und liberalen Journalisten. Als einmal eine Journalistin des von Soros finanzierten Blogs 444.hu behauptete, sie sei mit Gewalt von einer Fidesz-Veranstaltung entfernt worden, erklärte sich der Verband sofort mit ihr solidarisch und ging bis zum internationalen Journalistenverband. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Dinge in Wahrheit etwas anders lagen, als die Journalistin dargestellt hatte. Eine Entschuldigung blieb freilich aus. Interessant ist, dass damals wegen des angeblichen Vorfalls sofort einige Dutzend Menschen auf die Straße gingen. Darüber, was mir so alles zugestoßen ist, schwiegen sich die oppositionellen Medien jedoch bis heute aus. Dabei gab es bei jeder Demonstration, über die ich berichtete, mindestens einen handfesten Vorfall, der auch tatsächlich so stattgefunden hat. Inzwischen kann ich öffentlich nur noch mit Bodyguards arbeiten. Wegen der vielen Drohungen musste ich sogar schon um Polizeischutz bitten. Inzwischen habe ich gelernt, damit zu leben, ständig Mitteilungen von hasserfüllten Menschen zu erhalten. Ich habe nur Angst um meine Kinder… Schon einmal mussten sie sich in einer Live-Sendung mit ansehen, wie ihre Mutter getreten wurde und ihr Morddrohungen an den Kopf geworden wurden. Dabei mache ich nur meine Arbeit als Journalistin.

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Zerstochener Reifen des Autos der Journalistin: "Ich habe nur Angst um meine Kinder."


Kann da nicht die Polizei helfen?

Selbstverständlich, sie ermittelt seit Jahren. Bisher vergeblich. Ebenso in einem anderen drastischen Fall: Vor zwei Jahren wurde mein Auto komplett zerkratzt und die Reifen zerstochen. Auch hier konnte bisher noch kein Täter ermittelt werden. Wie hasserfüllt muss jemand sein, dass er einem anderen Menschen so etwas zufügt? Sie hassen mich, weil ich sie frage, warum sie denken, dass es in Ungarn eine Diktatur gibt? Oder ob sie wissen, was das Wort Regime bedeutet? Und welche Perspektive es gibt, sollte die Orbán-Regierung nicht mehr an der Macht sein, wer dann das Land führen würde? All diese Fragen machen sie sehr wütend.


Welche Konsequenzen hat all das für Ihre Arbeit?

Ich mache keine Reportagen mehr über oppositionelle Demonstrationen, weil man mir meine körperliche Unversehrtheit selbst mit Sicherheitspersonal nicht zusichern kann. Doch jemand muss schließlich zu solchen Ereignissen gehen. Denn wenn nicht, dann beschweren sie sich gleich, dass ihre Rechte verletzt werden, weil wir nicht über ihre „friedlichen Demonstrationen“ berichten oder nur aus sicherer Entfernung.


Nimmt die Gewalt weiter zu?

Die Mitte Dezember begonnenen Anti-Regierungsdemonstrationen finden in deutlich aggressiverer Stimmung statt als die früheren Proteste. Inzwischen werden TV-Reporter und Kamerateams regelmäßig angegriffen. Der Reporter der Sendung „Informátor“ des Echo TV, Dániel Bohár, wurde im Dezember auf unübliche Weise von Jobbik-Parlamentsabgeordneten und -Aktivisten bei einer Demonstration zur Rede gestellt. Das provokative „Verhör“ übertrug Jobbik auf seiner Facebook-Seite. Die 15-20-köpfige Gruppe konnte Dániel Bohár jedoch in keine unangenehme Lage bringen. Den verbalen Angriffen folgte Mitte Januar aber bereits Gewalt. Am 19. Januar berichtete ein Kamerateam von Echo TV über die Demonstration vor dem Budapester Burggartenbasar, als die beiden Kollegen von einer größeren Gruppe umringt und mit unflätigen Worten beschimpft wurden. Schließlich wurde Kameramann Csaba Miklósvölgyi sogar tätlich angegriffen, woraufhin das Mikrophon seiner Kamera abbrach. Die beiden Journalisten erstatteten sofort eine Anzeige.


Sind das nur Einzelfälle?

Keinesfalls. Jeder bekannte konservative Journalist könnte Ihnen inzwischen von eigenen Vorfällen dieser Art berichten. Ottó Gajdics, István Stefka, Gergely Huth, László Szentesi-Zöldi, Zsolt Bayer und etliche weitere populäre Publizisten der nationalen Seite werden regelmäßig bedroht oder man versucht auf andere Art, ihre Arbeit zu behindern. Veranstaltungen von ihnen werden gestört. Wikipedia-Seiten gelöscht. Facebook-Seiten gesperrt. Besonders erwähnen möchte ich den Fall des Moderators Vilmos Velkovics, der im Interesse der körperlichen Unversehrtheit seiner Tochter „gebeten“ wurde, den Oppositionellen in Zukunft „klügere Fragen“ zu stellen. Jeder bekanntere Publizist des konservativen, regierungsnahen Spektrums erhielt bereits Drohungen. All das müssen wir ertragen. Trotz all dem müssen wir weiter unsere Arbeit tun. Irgendwann ist aber einmal Schluss. Ist ein Punkt erreicht, an dem wir nicht mehr alles ertragen.

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Journalistin Kata Jurák. "Unser ganzer Elan ist darauf gerichtet, unseren Beruf möglichst gut zu tun."


Wie wird es weitergehen?

Ich kann nicht mit den Köpfen der Leute denken, die uns so abgründig hassen, und möchte es auch nicht. Ich werde jedoch dafür beten, dass der Hass, von dem sie gelenkt werden, möglichst bald von ihnen ablässt. Es muss eine furchtbare Strafe sein, mit einer solchen Seele zu leben. Auf der anderen Seite müssen wir jedoch nicht erdulden, dass uns mit der Ausrottung unserer Familie gedroht wird oder dass sie uns angreifen. Wir möchten in einem normalen Land leben, wie auch die Mehrheit der Bürger. Es ist kein Zufall, dass der Fidesz von den Wählern zum dritten Mal in Folge mit einer Zweidrittelmehrheit ausgestattet wurde. Für die ungarischen Bürger sind Sicherheit und Stabilität sehr wichtig. Sie werden nicht zulassen, dass einige aufgestachelte Anarchisten versuchen, unser christliche Nation zu spalten. Auch wir Journalisten möchten unter ganz normalen Umständen arbeiten. Selbst wenn die Liberalen der irrigen Auffassung sind, dass wir keine Journalisten sind, sondern nur „fremdgesteuerte Propagandisten“. Die selbsternannten liberalen „Toleranzapostel“ können einfach nicht begreifen, dass es auf der Welt auch noch andere Meinungen und Ansichten als ihre gibt. Wir sind leidenschaftliche Journalisten mit eigenen Ideen und Vorstellungen. Niemand steuert uns. Unser ganzer Elan ist darauf gerichtet, unseren Beruf möglichst gut zu tun und damit unser Land weiter voranzubringen.
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