Man konnte ihn lieben, man konnte ihn hassen, aber klar ist, dass seit der Wende keiner die ungarische Filmszene derart in Schwung gebracht hat wie Andy Vajna. Der in Hollywood mit der Produktion dutzender Kassenschlager, darunter Aktion-Hits wie die ersten drei „Rambo“-Filme oder „Terminator 3“ erfolgreich gewordene Ungar stand ab 2011 dem Ungarischen Filmfonds vor und wirkte als Regierungsbeauftragter für die Entwicklung der nationalen Filmindustrie auf Wunsch der Orbán-Regierung daran mit, dem ungarischen Film neuerlich zu Weltruhm zu verhelfen. Unter seiner Ägide hat sich das Volumen der in Ungarn gedrehten Filme verfünffacht, es wurden Welterfolge wie „Son of Saul“, „1945“ oder „Über Körper und Seele“ geboren und internationale Anerkennung errungen: In die „Vajna-Epoche“ fallen mehr als hundert internationale Preise für ungarische Filmschaffende, heißt es auf der Seite des Ungarischen Filmfonds, darunter sogar zwei Oscars, ein Golden Globe und ein Goldener Bär.

Vajna: „Meine Leidenschaft ist, zurückzugeben“

Geboren wurde der spätere Hollywoodproduzent 1944 als András György Vajna in Budapest. Nach dem Scheitern des ungarischen Volksaufstandes 1956 verließ er im Alter von 12 Jahren seine Heimat und emigrierte über Kanada in die USA. Seine Jugend verbrachte er in Kalifornien, wo er die Universität besuchte. Obwohl bereits seit Studientagen an der Filmproduktion interessiert, trieb es Vajna stets dort hin, wo er ein gutes Geschäft witterte: so eröffnete er etwa einen Fotoladen, gründete eine Perückenmacherfirma in Hongkong oder betrieb ein Kino.

1976 rief er gemeinsam mit Mario Kassar das unabhängige Filmstudio Carolco Pictures ins Leben, welches bis Mitte der 90er mit zahlreichen Blockbustern äußerst erfolgreich war. 1989 verkaufte Vajna seine Anteile, um seine eigene Produktionsfirma Cinergi Pictures Entertainment Inc. zu gründen. Trotz einiger Kassenschlager wie etwa dem dritten Teil der „Stirb langsam“-Reihe und der Musicalverfilmung „Evita“ wurde diese jedoch bereits 1997 wieder aufgelöst. 2002 tat sich Vajna erneut mit seinem alten Geschäftspartner Kassar für die Gründung des Studios C-2 Pictures zusammen. C-2 produzierte unter anderem „I Spy“, „Basic Instinct 2“ und den dritten Teil der „Terminator“-Reihe.

Sein Heimatland Ungarn verlor Vajda auch während seiner Hollywoodjahre nicht aus den Augen. Immer wieder brachte er Filmdrehs auch nach Ungarn, bereits 1989 gründete er Ungarns erste private Filmvertriebsgesellschaft InterCom, die heute noch marktbeherrschend ist. 2007 wurde er Teilhaber der gerade erst gegründeten Etyeker Korda-Filmstudios. 2010 eröffnete er gemeinsam mit Schauspieler Robert De Niro das erste Nobu-Restaurant in Mitteleuropa.

Vajna sagte von sich selbst, es sei „seine Leidenschaft zurückzugeben“, zurückzugeben an das Land, in dem er geboren wurde. Dies gelang ihm ab 2011, indem er die ungarische Filmbranche als Kopf des Ungarischen Filmfonds entscheidend voranbrachte. Vajna distanzierte sich dabei vom vielerorts als zu abstrakt empfundenen ungarischen Film der 90er und 2000er. Stattdessen wollte er auch kommerziell erfolgreiche Filme für ein breites ungarisches Publikum schaffen.

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Prominente Freunde: Andy Vajna, Viktor Orbán und Arnold Schwarzenegger im Juli 2000 bei einer Führung durch das ungarische Parlament.

Kritik erntete Andy Vajna unter anderem für wenig transparente Geschäfte, etwa dem durch Kredite staatlicher Banken finanzierten Kauf der privaten Sender TV2 und Radio 1 sowie den Erwerb der Las-Vegas-Casinokette. Der Filmproduzent galt als guter Freund Viktor Orbáns und war einer der bevorzugten Oligarchen unter der Fidesz-Regierung.

Reaktionen aus Politik und Kultur

In seiner Jahrzehnte umspannenden Karriere arbeitete Vajna mit zahlreichen internationalen Stars zusammen, darunter etwa Regielegende Oliver Stone, Schauspielidole Sylvester Stallone, Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger und Samuel L. Jackson und sogar Pop-Queen Madonna. Dementsprechend groß war auch die internationale Anteilnahme an seinem Tod.

Arnold Schwarzenegger erklärte via Twitter, dass er den Produzenten vermissen werde: „Andy Vajna war ein lieber Freund und eine revolutionäre Kraft in Hollywood.“ Er habe bewiesen, dass man keine großen Studios brauche, um Action-Hits zu produzieren, so Schwarzenegger. „Er hatte ein riesiges Herz und war einer der großzügigsten Menschen überhaupt.“ In Gedanken sei der frühere Terminator-Darsteller bei der Familie Vajnas.

Doch auch in Ungarn gab es Reaktionen. Zahlreiche Promis, darunter auch Schauspielerin Kata Dobó, die über Jahre mit Vajna liiert war, gaben auf diversen Onlineportalen ihrer Trauer Ausdruck.

Fidesz-Pressesprecher Balázs Hidvéghi reagierte auf die Nachricht vom Tod des Filmproduzenten mit folgendem Post: „Vielen Dank für alles, was du für den Erfolg des ungarischen Films getan hast. Die Ergebnisse sprechen für sich. Wir werden dich vermissen!“

Viktor Orbán erinnerte sich auf Facebook mit einem gemeinsamen Foto, das ihn und Andy Vajna bei einem privaten Treffen zeigt, an den langjährigen Wegbegleiter. Darunter die Worte: „Hasta la vista, Andy! Ich danke Dir für alles, mein Freund!“

Gerüchten zufolge könnte Andy Vajna neben seinen Eltern und seinem 2007 verstorbenen Sohn auf dem Westwood-Village-Friedhof in Los Angeles beigesetzt werden. Die Entscheidung obliegt seiner Witwe, dem 36-jährigen Ex-Modell Timea Vajna.

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