Was genau ist Toastmasters eigentlich?

Toastmasters International ist eine globale Non-Profit-Organisation, die seit 1924 besteht. Heute gibt es mehr als 15.000 Clubs in 141 Ländern mit insgesamt über 332.000 Mitgliedern. Ziel ist es, den Mitgliedern bei regelmäßig stattfindenden Treffen die Möglichkeit zu bieten, ihre Rhetorik- und Führungsfähigkeiten zu verbessern. Die Treffen sind strukturiert und bieten die Gelegenheit, vorbereitete Reden anzumelden und vorzutragen. Aber auch Stegreifreden, also spontane Reden, werden regelmäßig auf freiwilliger Basis trainiert. Es gibt keinen Trainer. Stattdessen pflegen wir eine offene Feedback-Kultur, durch die wir Wertschätzung und Anhaltspunkte zur Verbesserung geben. Außerdem folgen unsere Redeprojekte einem Handbuch, in dem die Projekte aufeinander aufbauen und immer ein wenig schwerer werden. So verbessern wir uns stetig. Ein Club wird von einem Führungsteam aus gewählten Mitgliedern geführt, wodurch sich auch die Möglichkeit ergibt, spannende Aufgaben bei der Führung einer Organisation zu übernehmen.


Für einige Leute sind Präsentationen vor vielen Zuhörern eher etwas Unangenehmes, häufig haben sie Lampenfieber und fühlen sich davor unwohl. Kann Toastmasters diesen Leuten helfen?

Definitiv hilft Toastmasters dabei, Lampenfieber zu überwinden! Das Selbstbewusstsein in das eigene Auftreten wird massiv gestärkt. Die Teilnahme ist freiwillig. Als Mitglied oder Gast werde ich nie gezwungen, zu reden. So habe ich stets die Kontrolle. Für eine Rede oder eine Rolle bei einem Treffen melde ich mich vorher an. Auch, ob ich mich für eine Stegreifrede melde, ist völlig meine eigene Entscheidung. So kann ich meine Herausforderungen stets selbst wählen, wenn ich mich dazu bereit fühle. Punkt eins ist also die volle Kontrolle.

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Machmal gibt es bei den Toastmasters auch etwas zu gewinnen.

Zum zweiten ist die Atmosphäre innerhalb der Treffen von äußerster Wertschätzung geprägt. Ich persönlich habe mittlerweile gut zehn Clubs in drei Ländern mit vier unterschiedlichen Sprachen besucht. Immer wurde das Bemühen der Redner gewürdigt und auf ihre Entwicklung eingegangen. In wohlwollender Weise wurden Vorschläge zur Verbesserung gegeben. Punkt zwei ist also der respektvolle und fördernde Umgang.

Zum dritten wird das Lampenfieber nach einigen Reden viel leichter kontrollierbar. Immer wieder höre ich, wie stolz unsere Mitglieder auf sich selbst sind, wenn sie ihre Grenzen überwinden konnten. Mir geht es ja selbst genauso. Dieses Selbstvertrauen nehmen wir auch mit in unser Arbeits- und Privatleben. Punkt drei ist also Stolz.


Es gibt in Ungarn bereits zahlreiche ungarisch- und englischsprachige Toastmasters-Clubs. Warum wollen Sie jetzt einen deutschsprachige Toastmaster-Club gründen?

Ich habe als Deutscher natürlich meine eigene Sicht. Es gab einige Dinge, die mir das Gefühl gegeben haben, dass eine solche Initiative sinnvoll ist. Eine meiner ersten Erfahrungen hier in Budapest war, dass sehr viele Ungarn, die ich bisher kennengelernt habe, sehr gut Deutsch sprechen. Mit den vielen Shared Service Centern in Budapest bietet eine solche Fähigkeit natürlich auch geldwerte Vorteile. Ebenso darf man die kulturelle Bedeutung nicht unterschätzen, die sich aus der Fähigkeit, eine Fremdsprache zu sprechen, ergibt.

Die Einheimischen kennen ihr Land, sie kennen ihre Stadt und sie haben hier viele Kontakte und wissen sozusagen, wie hier der Hase läuft. Dieses Wissen können sie natürlich teilen. So könnten deutsche Muttersprachler von der Initiative profitieren.

Außerdem leben in Budapest und generell in Ungarn viele deutsche Muttersprachler. Neben den vielen Studenten der Universitäten wie Semmelweis und Andrássy, wird Ungarn auch ein immer beliebteres Ziel für Auswanderer aus Deutschland und Österreich. Nicht zu vergessen sind auch die Ungarndeutschen. Der Kontakt mit deutschen Muttersprachlern bietet natürlich die Möglichkeit, durch das Zuhören und Interaktionen das eigene Deutsch schnell und effektiv zu verfeinern. So können die Einheimischen und Alle, die Deutsch lernen, sprachlich profitieren, wohingegen die deutschsprachigen Expats eher inhaltlich etwas mitnehmen werden.

Die Toastmasters Clubs bieten auch die Möglichkeit zum Erwerb von Rhetorik- und Führungsfähigkeiten. Aber kein Club gleicht mit seinen individuellen Angeboten einem anderen. Unsere Idee ist es, einen Club zu gründen, der - neben Impulsen in Sachen Rhetorik und Führung - auch einen speziellen kulturellen Austausch und Sprachimmersion auf Deutsch bietet.


Den Club gibt es also noch gar nicht?

In der Tat. Das Treffen am kommenden Freitag wird ein sogenanntes Demo-Meeting. Das heißt, dass erfahrene Toastmasters ein einstündiges Meeting vorbereiten und einem möglichst großen Publikum zeigen werden, was wir zu bieten haben. Es wird kein Eintritt verlangt, wir tragen alle anfallenden Kosten selbst. Ziel ist es natürlich, unsere Gäste für das Konzept zu begeistern, indem wir ihnen ganz praktisch zeigen, wie genau wir ihnen weiterhelfen können, ihre Ziele zu erreichen. Aus unserer Erfahrung ist es wahrscheinlich, hier in Budapest, einen tragfähigen deutschsprachigen Toastmasters Club zu gründen, von dem jeder Teilnehmer profitieren kann. Dafür benötigen wir aber auch, über das erste Meeting hinaus, neue Mitglieder, die Reden halten möchten und die die Idee verbreiten, sodass der neue Club wachsen kann.


Was können Sie uns bezüglich der ersten Zusammenkunft noch mitteilen?

Zunächst einmal laden wir jeden sehr herzlich zu unserem ersten Treffen ein. Es findet am Freitag den 18. Januar im Pannon Kincstár in der Váci utca 47 von 18:30 bis 19:30 Uhr statt. Dort sorgen wir für ein Abendprogramm, in dessen Rahmen wir uns genauer austauschen können. Bei dem Meeting wird es vorbereitete Reden zu hören geben, Stegreifreden werden auf freiwilliger Basis vorgetragen und es wird natürlich auch konstruktives Feedback geben. Alles wird eingehüllt in die typisch positive und förderliche Toastmasters-Atmosphäre. Wir freuen uns sowohl auf Teilnehmer, die bei uns reden möchten als auch auf solche, die bei der Gründung und Führung des Club mithelfen möchten.

Weitere Informationen gibt es auf der Facebook Event-Seite: https://www.facebook.com/events/350516762194630/

Die Registration ist über folgendes Formular möglich: https://goo.gl/forms/MjMskQioOvCItkR93


Tobias Zwadlo: „Unsere Idee ist es, einen Club zu gründen, der – neben Impulsen in Sachen Rhetorik und Führung – auch einen speziellen kulturellen Austausch und Sprachimmersion auf Deutsch bietet.“

Tobias Zwadlo ist Master-Psychologiestudent an der Fern-Universität Hagen und lebt seit September 2017 in Budapest, wo er mittlerweile Fuß gefasst hat. Hier arbeitet er für die IT-Firma Unisys. In seiner Freizeit widmet er sich unter anderem dem englischsprachigen Toastmasters Club „Budapest Toastmasters“, den er als Präsident führt. Seine Passion ist es, Menschen Möglichkeiten zu bieten und aufzuzeigen, wie sie sich dorthin entwickeln können, wo sie hinmöchten. Toastmasters sei dazu ein perfektes Medium.

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