Am Freitagnachmittag zogen die Anhänger der Witzpartei MKKP unter dem Motto „Je schlechter, desto besser!“ durch die Innenstadt, was die Veranstalter ironisch als „Friedensmarsch“ deklarierten – in Anspielung auf die von Orbán-Anhängern veranstalteten Großdemos. Ironie schwang auch in den Reden mit, in denen man sich bei der Regierung für all die guten Taten zum Wohle des Volkes bedankte, Überstunden forderte, auf die Rente verzichtete und die Partei hochleben ließ.

Auf Initiative der Momentum-Bewegung, jedoch unter Teilnahme sämtlicher Oppositionsparteien zogen die Demonstranten anschließend vom Parlament über die Kettenbrücke ins Burgviertel, um vor dem Sándor-Palais des Staatspräsidenten getreu dem Aufruf „Schäm Dich, János!“ ihren Frust abzulassen, weil János Áder die umstrittenen Gesetze zum AGB und zu den Verwaltungsgerichten kritiklos durchgehen ließ. Hier riefen Oppositionspolitiker und Gewerkschafter zur Durchsetzung ihrer fünf Forderungen zum Zusammenschluss, zu zivilem Ungehorsam und zum Streik auf. Momentum-Vize Anna Donáth erklärte 2019 zum Jahr des Widerstands.

Regierungssprecher István Hollik warf der Opposition vor, Lügen zur AGB-Änderung zu verbreiten. Die Wahrheit sei, dass Überstunden von der freiwilligen Zustimmung des Arbeitnehmers abhängen und der zusätzliche Lohn am Monatsende ausgezahlt werden müsse. Die Lügen wären der Grund, warum die Opposition die Parlamentswahlen verlor, die nun mit der Gewalt der Straße – und Soros-Geldern – die Macht an sich reißen wolle.

Ministerpräsident Viktor Orbán riet im Kossuth-Radio, politische Meinungsäußerungen klar von Vandalismus zu trennen. „Niemand darf Gewalt anwenden, niemand darf randalieren.“ Die aktivsten und besonders aggressiven Demonstranten würden von Soros bezahlt.

Konversation

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