Zur Erinnerung: Bei der jüngsten Änderung des Haushaltsgesetzes im Sommer wurde unter anderem entschieden, dass staatliche Fördergelder in Zukunft nicht mehr direkt an die MTA fließen, sondern nur noch mittelbar über das Ministerium von László Palkovics an die Institution verteilt werden sollen. Als Erklärung wurde herangezogen, dass Gelder für Innovation und Forschung so zentral in einer Hand verwaltet werden können. Minister Palkovics forderte die MTA daraufhin auf, jene Gebiete zu benennen, die bei der Finanzierung Priorität genießen sollen. Die Gelehrtengesellschaft weigerte sich dagegen. Sie sieht in dem neuen Finanzierungsmodell einen Einschnitt in die Freiheit der Forschung.

Wie geht es mit der Finanzierung weiter?

Am Donnerstag vergangener Woche überschlugen sich die Ereignisse: Die Akademie hatte eine außerordentliche Vollversammlung einberufen, an der eigentlich auch Akademiemitglied und Innovationsminister László Palkovics hätte teilnehmen sollen. Doch dieser erschien nicht. Stattdessen hielt er eine Gegenpressekonferenz ab. Palkovics teilte dabei mit, dass er den Standpunkt der MTA als „der akademischen Vollversammlung unwürdig” ablehne.

Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die MTA-Veranstaltung hatte der Direktor der Akademie, László Lovász, erneut bekräftigt, dass man den Plan der Regierung für die Umstrukturierung der Forschungsgelder für ungeeignet halte, um das ungestörte Fortbestehen des wissenschaftlichen Lebens in Ungarn zu gewährleisten.

Ebenfalls am Donnerstag wurde bekannt, dass Minister Palkovics damit droht, die Fördergelder fürs erste Quartal zurückzuhalten, sollte es keine Einigung zwischen MTA und Regierung geben. Es handelt sich dabei um rund zwei Milliarden Forint.

Die linke Tageszeitung Népszava befragte nach Bekanntwerden des ministeriellen Vorhabens Forscher der MTA: Dabei äußerte sich unter anderem Gábor Zoltán Szűcs, Mitglied der gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät. Er sprach davon, dass viele seiner Kollegen mit existenziellen Ängsten zu kämpfen hätten und bereits an alternativen „Überlebensstrategien” arbeiten würden. „Bei einigen bedeutet dies die Suche nach einem neuen Karriereweg, andere packen die Koffer und schauen sich bereits im Ausland um”, so Szűcs.

Judit Padisák, Professorin für Biologie an der Pannonischen Universität Veszprém und Mitglied der Academia Europaea, betonte die Notwendigkeit der Gelder. Sie erklärte, dass schon die monatlichen Unterhaltkosten, beispielsweise für Strom, bei naturwissenschaftlichen Forschungsinstituten schnell in die Millionen gingen. Einige Geräte ließen sich schlicht nicht abschalten, da sonst laufende Experimente und gewonnene Erkenntnisse zunichtegemacht würden. Gegenüber der Népszava bemerkt Padisák enttäuscht: „Vielleicht sollten die Akademiker eine Fußballmannschaft gründen, dann würden ihnen sicher mehr staatliche Gelder zugesprochen.“


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