Zwischen dem 1. September 2017 und dem 1. September 2018 stiegen die Grundgehälter bei den deutschen Unternehmen in Ungarn um durchschnittlich 7,5%. Dabei nahmen die Einkommen von Arbeitern (angelernte und Facharbeiter) mit 8,9 Prozent etwas schneller zu als die der Angestellten (6,8%). Für das kommende Jahr wird eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 5,8 Prozent erwartet. Erneut können Arbeiter und Facharbeiter mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs rechnen (+7,6%), während Angestellte auf ein Plus von 5,5 Prozent hoffen können.

Moderate Lohnsteigerung geplant

Die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer (DUIHK) und die Beratungsfirma Kienbaum Consultants Austria haben dieses Jahr bereits zum 20. Mal eine gemeinsame Vergütungsumfrage durchgeführt, die auf den tatsächlichen Lohndaten von rund 16.000 Arbeitnehmern basiert. Die Studie analysiert detailliert die Höhe, Dynamik und Zusammensetzung der Vergütung für 76 gängige Positionen in der Wirtschaft. Dirk Wölfer, Leiter Kommunikation bei der DUIHK, hob bei der Präsentation der Ergebnisse hervor, dass die geplante Anhebung der Löhne um knapp sechs Prozent im kommenden Jahr angesichts der aktuellen Steigerungsraten von zehn Prozent und mehr eher als moderat angesehen werden kann. Dies ist nach seiner Einschätzung zum Teil darauf zurückzuführen, dass die an der Umfrage beteiligten Unternehmen meist schon heute ein höheres Lohnniveau als im Durchschnitt des Landes aufweisen. Zudem können in großen Unternehmen mit Zentrale im Ausland auch interne Faktoren den Spielraum für Lohnerhöhungen einschränken.

Signifikante Einkommensunterschiede

Die individuellen Arbeitseinkommen weisen naturgemäß erhebliche Unterschiede auf. Ein bestimmender Faktor ist die hierarchische Stellung des Mitarbeiters im Unternehmen. Der aktuellen Umfrage zufolge betrug das Grundeinkommen bei (Fach-)Arbeitern 2.725 Mio. Forint, bei Angestellten immerhin schon 3,38 Millionen. Arbeitnehmer mit höherer fachlicher Qualifikationen sowie leitende Angestellte erhalten noch deutlich höhere Einkommen, auf Geschäftsführerebene erreichen sie bereits 23 Mio. Forint pro Jahr. Der Gehaltsunterschied zwischen diesen Hierarchiestufen, der „Spread“ ist jedoch laut Alfred Berger, Leiter Compensation bei Kienbaum Consultants ähnlich groß wie in anderen Ländern. Natürlich gibt es auch in Abhängigkeit von der Branche oder vom Standort des Unternehmens erhebliche Unterschiede in der Vergütung. Während beispielsweise in Budapest bzw. West-Transdanubien Löhne deutlich über dem nationalen Durchschnitt liegen (um 27 bzw. 15%), liegen sie in Süd-Transdanubien und der nördlichen Tiefebene im Schnitt um fast 10% darunter.

Variable Einkommen weit verbreitet

Neben dem Grundgehalt sind an verschiedene Leistungskriterien gebundene Gehaltselemente ein wichtiger Einkommensbestandteil. Der Studie zufolge bezieht ein erheblicher Teil der ungarischen Arbeitnehmer solche Einkommen: Bei Geschäftsführern sind es 85% (bei ihnen machen sie durchschnittlich 23% ihres Jahreseinkommens aus); bei leitenden und höheren Angestellten 72 bis 75% (hier stammen 16% bzw. 10% des Gesamteinkommens aus variablen Lohnelementen), und selbst bei den Fach- und angelernten Arbeitern wird nahezu jeder Zweite über Unternehmensergebnis beteiligt. Dies ist übrigens laut Alfred Berger ein deutlich höherer Anteil als z.B. in Österreich. Die am häufigsten angewendete Bezugsgröße für variable Einkommen sind Gewinnkennziffern, doch auch Umsatzzahlen oder – vor allem bei höheren Angestellten – wertbasierte Kennzahlen werden oft herangezogen.

Arbeitskräftemangel verstärkt Fluktuation

Ein wichtiger Grund für den hohen Lohndruck ist der Fachkräftemangel. Mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen befanden die Fachkräfteversorgung allenfalls als „ausreichend“, darunter 25 Prozent sogar „unzureichend“ – im Vorjahr waren es zusammen „nur“ 71% der Befragten. Besonders betroffen sind produzierende Unternehmen, aber die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Logistik und Supply Chain Management.

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Der Arbeitskräftemangel schlägt sich allerdings nicht nur in der Lohnentwicklung nieder. Fast alle Unternehmen berichten von steigenden Gehaltsvorstellungen der Stellenbewerber, laut jedem dritten Unternehmen sind diese sogar „viel höher“ als im Vorjahr. Eine andere Folge ist eine zunehmende Fluktuation: bei jedem zweiten Unternehmen war sie 2018 „höher“, und bei weiteren 23 Prozent „deutlich höher" als vor einem Jahr.

Ähnliche Arbeitsmarkttrends in anderen Ländern

Die hohe Lohndynamik wie auch der Fachkräftemangel sind keine ungarische Besonderheit, sondern lassen sich auch in anderen mittel- und osteuropäischen Ländern (MOE) beobachten. Die diesjährige internationale Konjunkturumfrage der DUIHK – sie wurde zusammen mit den deutschen Auslandshandelskammern unter 1.600 Unternehmen in 15 anderen Ländern der Region MOE durchgeführt – zeigt, dass insbesondere in der Tschechischen Republik, aber auch in der Slowakei und in Rumänien ebenfalls ein empfindlicher Fachkräftemangel herrscht.

Beim Lohnwachstum gehört Ungarn zwar aktuell zu den Spitzenreitern, aber Wachstumsraten zwischen 7 und 10% waren im vergangenen Jahr auch für fast alle anderen Länder der Region typisch. Was die nominellen Arbeitskosten (einschließlich der Abgaben für Arbeitgeber sowie eventueller staatlicher Zuschüsse) betrifft, gehört Ungarn allerdings in der EU noch immer zu den Ländern mit dem niedrigsten Kostenniveau. Im vergangenen Jahr machte der durchschnittliche Stundenlohn von neun Euro kaum mehr als ein Viertel des deutschen Wertes von 34 Euro aus, daher wird es trotz der aktuell hohen Lohndynamik noch auf längere Sicht einen erheblichen Kostenvorteil zugunsten Ungarns geben.

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