Das Empathy Café und Bistro ist István Kardos ein ganz persönliches Anliegen, deshalb nimmt er sich trotz seines prall gefüllten Terminkalenders gerne die Zeit, um über das in Ungarn einmalige Projekt zu sprechen. Dass der Geschäftsführer des Ungarischen Roten Kreuzes das Ganze zur Chefsache erklärt, ist vielleicht auch damit zu erklären, dass ihm die Idee dafür schon vor knapp einer Dekade anfing, im Kopf herumzuspuken.

Café nach norwegischem Vorbild

Alles begann vor rund zehn Jahren mit einem Besuch in Norwegen: „Damals hatte ich die Möglichkeit eine Zweigstelle des Norwegischen Roten Kreuzes zu besuchen“, erinnert sich Kardos. Besonders beeindruckt habe ihn dort, dass neben Büroräumen auch ein Bistro im Gebäude untergebracht war, welches ebenfalls zur Hilfsorganisation gehörte. „Dort konnten Mitarbeiter, Helfer, aber auch ganz normale Menschen zusammenkommen, gemeinsam essen, trinken und sich unterhalten. Ich habe sofort erkannt, dass das eine tolle Möglichkeit war, die Arbeit des Roten Kreuzes mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.“ Zurück in Ungarn hat Kardos die Idee nicht mehr losgelassen: „Ich habe daran geglaubt, dass sich ein ähnliches Konzept auch prima in Budapest umsetzten ließe. Unser Haus war geradezu prädestiniert dafür.“

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Das Empathy Café befindet sich in der Arany János utca, zwischen Podmaniczky Frigyes und Szabadság tér, im Erdgeschoss des MVK-Hauptquartiers. Wo heute Tische und Stühle stehen, befand sich früher eine Parkgarage. „Dort hing bis zuletzt noch ein Poster aus den 80ern. Seitdem hatte niemand etwas daran gemacht. Da wusste ich, es ist Zeit für etwas Neues“, sagt Kardos lachend.

Über zehn Jahre, erzählt er, habe er in winzigen Schritten immer weiter auf die Verwirklichung des Empathy Cafés hingearbeitet, habe die Idee im Bewusstsein der Entscheidungsträger wachgehalten und sich - wann immer er konnte - mit möglichen Förderern unterhalten. Seine Hartnäckigkeit wurde belohnt. „Mit der Zeit konnte ich immer mehr Menschen für dieses Projekt begeistern und zahlreiche Partner verpflichten“, erklärt Kardos mit sichtlicher Freude in der Stimme. Unter anderem die Wohltätigkeitsstiftung des Internetriesen Google hat mit einer beträchtlichen Spende den Umbau der ehemaligen Parkgarage in ein Café ermöglicht. Doch auch zahlreiche weitere Unterstützer haben beigetragen. „Nicht nur mit Geldspenden“, wie Kardos erklärt. So habe LG Magyarország beispielsweise die Klimaanlage spendiert, ein anderes Unternehmen habe bei der Renovierung der Böden unter die Arme gegriffen, die wunderschönen Holztische habe das Designerkollektiv Hello Wood in Zusammenarbeit mit der Möbelwerkstatt Technika für Empathy maßangefertigt. Es könnten noch viele weitere Helfer genannt werden, sie alle wurden an einer Wand des Cafés, der „Wall of Empathy“ gewürdigt.

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Werte des Roten Kreuzes spiegeln sich im Design

Trotz der zahlreichen Spenden aus unterschiedlichsten Quellen, macht das Interieur des Empathy Cafés jedoch keinesfalls einen zusammengestückelten Eindruck. Alle Elemente fließen vielmehr in ein stimmiges Gesamtkonzept zusammen. Man habe bei der Einrichtung aber auch darauf geachtet, dass der Charakter des Lokals die Werte des Roten Kreuzes repräsentiert, erklärt Kardos. Das habe man jedoch nicht mit der Holzhammermethode erreichen wollen, weshalb auf übergroße Logos oder Werbeplakate des Roten Kreuzes verzichtet wurde.

Vielmehr spiegeln sich die Tugenden der Hilfsorganisationen in subtilen Gestaltungsentscheidungen wider: So dominieren den Gastraum des Empathy Cafés nackte Ziegelwände, die Kardos etwa mit Transparenz und Bescheidenheit in Verbindung bringt. Statt vieler kleiner, separater Tische gibt es im Empathy Café eine 17 Meter lange Tafel. „Wir wollen die Leute an einem Tisch zusammenbringen, unabhängig davon, ob sie sich nun kennen, woher sie kommen und was sie hier machen. So kann auch leichter ein Dialog zustandekommen“, erklärt Kardos weiterhin. Besonders gut anzukommen, scheint dieses Konzept vor allem bei Studierenden, aber auch Büronomaden. An vielen Plätzen sind Lehrbücher und Laptops ausgebreitet, ein stabiler Internetzugang und Steckdosen an fast jedem Platz bringen zusätzlichen Komfort.

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Wer etwas mehr Privatsphäre wünscht, kann sich aber auch an eine der Fenster- und Wandnischen des Cafés niederlassen, die zum Teil mit Kissen ausgestattet auch einen kuscheligen Rückzugsort bieten. Da auch die Inklusion bei der Konzeption eine Rolle spielte, verfügt das Empathy Café sowohl über einen barrierefreien Zugang als auch eine Kinderspielecke und Möglichkeiten zum Wickeln.

Mittagsmenüs, Magnesiumwasser und „ungarischer Kaffee“

Natürlich bleibt hier auch die Kulinarik nicht auf der Strecke. An der Theke des Café und Bistros findet sich eine Auswahl an teils vor Ort zubereiteten Backwaren, wie Croissants, kleine Tarts und verschiedene Kuchen sowie herzhaft belegte Sandwiches. Zur Mittagszeit bietet das Lokal darüber hinaus ein täglich wechselndes Mittagsmenü an, das, wo es geht, auch besondere Diätbedürfnisse berücksichtigt. Jeden Montag gibt es beispielsweise vegane Speisen.

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Eine Empfehlung sind die Kaffeespezialitäten des Lokals. Seinen Kaffee bezieht es von der ungarischen Rösterei Lucky Cap, die Bohnen stammen von einer Plantage in Costa Rica, deren Betreiber selbst ungarische Wurzeln habe. „Das war allerdings nur ein Zufall“, beteuert Kardos schmunzelnd. Dass die angebotenen Produkte aus nachhaltiger Produktion stammen sollen, betont er, sei ebenfalls wichtig. Um die Umwelt zu schonen, kommt das angebotene Wasser – ob still, ob sprudelnd – nicht aus der Flasche, sondern aus dem Hahn. Mittels einer modernen Aufbereitungsanlage – eine Spende der Firma BWT – wird das Wasser allerdings vorab gefiltert und mit Magnesium angereichert. Auch Weine und Biere lokaler Produzenten stehen auf der Getränkekarte. Alle Einnahmen kommen dem MVK zugute.

Bestellt werden muss an der Theke, die freundlichen und auf internationale Gäste eingestellten Mitarbeiter servieren Kaffee und Kuchen aber anschließend am Tisch. Auch beim Thema Personal, so Kardos, setze man ein Zeichen für Vielfalt. So gehört beispielsweise ein iranischer Flüchtling zum Team.

Damit das Empathy Café zur wirklichen Begegnungsstätte werden kann, ist man um Veranstaltungen bemüht. In der Vergangenheit wurden einige Buchlesungen abgehalten, auch Live-Musik erfüllte bereits den Raum, und in der vergangenen Woche öffnete das Lokal auch für Filmvorführungen des Verzió-Dokumentarfilmfestivals seine Türen.

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Fazit

Gute Produkte, eine kreative und freundliche Atmosphäre und dann mit jedem Kaffee auch noch etwas zu einem guten Zweck beitragen – kann man sich eigentlich noch mehr von einem Besuch in einem Café wünschen?

Auch für Unternehmen ist das Empathy Café übrigens von Interesse. Die Räumlichkeiten des Lokals können für Events mit 40 bis 60 Personen (sitzend, stehend sogar 90) gemietet werden. Die lange Tafel macht es einerseits ideal für Firmenweihnachtsfeiern und informellere Treffen, die Ausstattung mit moderner Projektortechnik eröffnet andererseits die Möglichkeit, hier auch kleinere Konferenzen oder Produktvorstellungen abzuhalten. Und natürlich unterstützt man auch hier mit der anfallenden Raummiete das Ungarische Rote Kreuz!

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Empathy Café und Bistro

Budapest, V. Bezirk, Arany János utca 31

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 7.30 bis 20 Uhr

Anfragen unter +36-20-222-8282

Weitere Informationen finden Sie auf www.facebook.com/empathycafe und


Preise

Frühstück: 900 bis 1.000 Forint

Backwaren und Sandwiches: 400 bis 850 Forint

Mittagsmenü (2 oder 3 Gänge): ab 1.150 / ab 1.350 Forint

Heißgetränke: 290 bis 800 Forint

Bier und Wein: ab 650 Forint

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Das 1881 ins Leben gerufene Ungarische Rote Kreuz ist die nationale Rotkreuz-Gesellschaft in Ungarn und als solche seit 1921 Teil der internationalen Rotkreuz und Rothalbmond-Bewegung. Als einer der größten Wohlfahrtsverbände des Landes engagiert sich das MVK in den Bereichen Sozialarbeit, Katastrophenvorsorge und -hilfe, Vermisstensuche, Gesundheitsschutz und Jugendarbeit. Darüber hinaus organisiert es Blutspenden sowie Erste-Hilfe-Ausbildungen.


Sie wollen die Programme und Hilfsaktionen des Ungarischen Roten Kreuzes mit mehr als einen Besuch im Café unterstützen? So können Sie spenden:


  • schnell und unkompliziert online spenden auf www.voroskereszt.hu
  • per Direktüberweisung auf das Spendenkonto des Ungarischen Roten Kreuzes (K&H BANK NYRT., 10405004-00026542-00000005)
  • 1-Prozent-Steuerspende zugunsten des Hilfsdienstes unter Angabe der Steuernummer 19002093-2-41
  • Anruf unter der Spendenhotline 1359 oder SMS mit dem Kommando ADOMANY an dieselbe Nummer (je 250 Forint, nicht aus dem Ausland verfügbar)
Konversation

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