Popmusik erschallt aus den Lautsprechern, die Farbe Blau dominiert die 3.000 Quadratmeter große Halle. Englische Slogans an den Wänden wie „JUMP TO THE SPACE” fordern zum Erkunden der Anlage und der eigenen Fähigkeiten auf. Etwa ein halbes Dutzend Gäste, unter ihnen fast ausschließlich Kinder, haben am frühen Nachmittag im Cyberjump-Trampolinpark schon motiviert losgelegt. Sie knobeln gemeinsam an der „Interaktiven Wand“, einem von zahlreichen Spielen des Parks, oder machen Saltos auf den Trampolinen.

Ein Mädchen, das seinen Lieblingsplatz im Park schon gefunden hat, ist Éva Miklos. „Sie hat heute Geburtstag und deshalb sind wir extra die 200 Kilometer hierher gefahren”, so ihre Mutter. Das 10-jährige Geburtstagskind hangelt sich konzentriert von Balken zu Balken auf dem „Ninja Warrior”-Feld, ehe sie mit ihrer Mutter die Trampoline erkundet.

Der Trend ist angekommen

Den weiten Weg zum Park nehmen Gäste gerne auf sich, weil Trampolinhallen wie der Cyberjump in Ungarn noch nicht weit verbreitet sind. Tatsächlich gab es hierzulande bis vor Kurzem noch überhaupt keine, während sie in den USA und Deutschland schon seit etwa einem Jahrzehnt aus dem Boden sprießen wie Pilze. Der Cyberjump war bei seiner Eröffnung 2017 der erste Trampolinpark in ganz Ungarn.

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Stefan Fritsch, CEO der 11 EntertainmentGroup, möchte in Zukunft weitere Cyberjump-Parks in Mittel- und Osteuropa etablieren.


Stefan Fritsch, gebürtiger Münchner und Inhaber der Halle, sagt: „Ich habe diese Art von Park natürlich schon gekannt, habe aber noch nicht so richtig an das Konzept geglaubt. Mittlerweile, mit den abwechslungsreichen Flächen, sieht das jedoch anders aus.”

Seit zwei Monaten gibt es in Budapest sogar noch einen weiteren Anbieter, Superfly Air Sports. Auf die Frage, was den Cyberjump von der Konkurrenz abhebt, antwortet der 50-jährige Unternehmer: „Der andere Park hat keine Fenster, ist also dunkler. Noch dazu ist er kleiner und trotzdem etwa 50 Prozent teurer als unser Park. Ich finde ihn gut, er ist aber eher etwas für Freaks und Profis. Er ist teilweise mit Elementen für Vollprofis, zum Beispiel für Street Running, ausgestattet.” Diese Elemente seien im Cyberjump nicht notwendig, da unser Park für die breite Masse gestaltet sei, für die „Normalsterblichen”, wie Fritsch sagt.

Fokus auf ältere Klientel

Der Cyberjump-Trampolinpark sei ein Freizeitangebot für alle Altersgruppen. „Unsere Hauptbenutzergruppe sind Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren, es kommen aber durchaus auch Gäste im Alter von bis zu 70 Jahren zu uns”, so Fritsch. Sein Ziel sei es, die Klientel zwischen 18 und 40 Jahren noch stärker für das Trampolinspringen zu begeistern.

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Die mentale Barriere sei, dass viele der Meinung wären, es würde sich lediglich um einen Indoor-Spielplatz für Kinder handeln. „Das stimmt aber definitiv nicht, es geht im Cyberjump schon deutlich in die sportliche Richtung”, ist Fritsch überzeugt. In Zukunft möchte der Inhaber noch weitere Standorte mit Cyberjump-Parks ausbauen, der nächste eröffnet Ende Oktober in Győr. Es seien darüber hinaus in naher Zukunft noch fünf weitere Trampolinhallen geplant, nicht nur in Ungarn, sondern in ganz Mittel- und Osteuropa.

Safety first

Dass das Trampolinspringen nicht nur reines Herumgehopse ist, leuchtet ein: Es werden Muskelgruppen angestrengt, von deren Existenz man bis dahin vermutlich gar nicht wusste. Deshalb gilt es, sich vorher ordentlich aufzuwärmen. Kleinere Verletzungen kommen aber trotzdem vor. Laut Fritsch gebe es etwa ein bis zweimal pro Woche leichte Unfälle, meist handele es sich um Zerrungen des Sprunggelenks, wenn jemand beim Springen falsch aufkommt. „Ganz selten haben wir auch mal einen Bruch dabei”, gibt Fritsch zu. Damit das auch so bleibt, seien zunächst die Sicherheitshinweise, die man vor der Benutzung der Anlagen bestätigen muss, gründlich durchzulesen und die darin und im Sicherheitsvideo aufgeführten Regeln einzuhalten.

Zur Sicherheitsgewährleistung stehen an den Anlagen außerdem Animateure zur Verfügung. Sie beaufsichtigen die Gäste und helfen gegebenenfalls mit Tipps.

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Gergő Révy arbeitet neben seinem Studiumals Animateur im Cyberjump – schon vorher war er von Trampolinparks begeistert.


Die Animateure interessieren sich in der Regel selber sehr fürs Trampolinspringen. Sie sind keine ausgebildeten Fitnesstrainer, aber trotzdem enthusiastisch, so wie der 20-jährige Gergő Révy: „Ich habe immer gerne YouTube-Videos von ausländischen Trampolinparks gesehen. Als ich im Internet entdeckt habe, dass in Budapest auch endlich einer eröffnet, habe ich mich riesig gefreut und auf Vermittlung durch einen Bekannten hin hier gleich angefangen.” Neben seinem Studium sei das für ihn der perfekte Nebenjob. „Viele Animateure beherrschen auch krasse Tricks, ich bin bislang aber noch am Üben. Mein Job ist es in erster Linie, auf unsere Gäste aufzupassen”, sagt Révy mit einem Lächeln.

Mehr als nur Springen

Wer sich durch das schlichte Springen unterfordert fühlt, dem sind genügend Möglichkeiten geboten, Sport und Spaß zu kombinieren. Zu den verschiedenen Anlagen gehören Spiele wie Dodgeball, Slamball, aber auch eine Kletterwand und eine Slackline bietet der Park sowie eine High-Performance Arena, deren Trampoline einen weitaus höher fliegen lassen als die regulären.

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Bei vielen Trampolinparks ist es mittlerweile üblich, dass diverse Kurse angeboten werden, beim Cyberjump ist das bisher noch nicht der Fall. „Wir wollten auch mal Kurse einführen, in denen man beispielsweise Salti lernen kann. Das haben wir dann aber nicht gemacht, denn man benötigt dazu einen speziellen, zugelassenen Trampolin-Trainer und die Gefahr ist schlichtweg gegeben, dass beim Training Unfälle passieren. Das wollen wir vermeiden”, erklärt Stefan Fritsch und ergänzt mit Blick auf die Zukunft: „Wir haben definitiv vor, später auch Kurse anzubieten. Nebenan haben wir beispielsweise einen Fitnessklub, mit dem wir eventuell kooperieren können, sodass abends ein Trainer zu uns rüberkommt und eine zusätzliche Attraktion in Form eines Fitnesskurses anbietet.“

Doch auch bis diese Pläne in trockenen Tüchern sind, haben die Gäste des Cyberjump-Trampolinparks in jedem Fall genug zu entdecken. Schon am späten Nachmittag füllt sich die Halle deutlich – aus dem halben Dutzend Besucher werden gegen 15 Uhr, entnimmt einer der Animateure der Anmeldeliste, schon 70 Gäste. Sich einen der Zeitslots für den Trampolinpark im Vorfeld per Onlineanmeldung zu sichern, ist obligatorisch. Man kann eine oder auch zwei Stunden buchen, doch spätestens nach zwei Stunden Auspowern möchte man vermutlich höchstens noch per Salto auf die heimische Couch springen.

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Cyberjump Trampolinpark

Budapest, XI. Bezirk, Hengermalom út 19-21 (im Újbuda Center)

Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 13 bis 21 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10 bis 21 Uhr, freitags 10 bis 23 Uhr (20 bis 23 Uhr „Friday Night Jump“), samstags 9 bis 22 Uhr und sonntags 9 bis 21 Uhr; Öffnungszeiten variieren während der Schulferien

Eintritt: Ab 4 Jahren; 2.500 Forint für eine Stunde / 4.500 Forint für zwei Stunden; Trampolinsocken 500 Forint (müssen einmalig gekauft werden)

Infos zum „Friday Night Jump“, Familien- und Gruppentarifen, Trampolinflächen sowie Anmeldungen unter www.cyberjump.hu/en

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