Womit befasst sich Ihr Staatssekretariat?

Wir beschäftigen uns mit sämtlichen Bereichen des Sports, vom Freizeitsport bis hin zum Spitzensport. Zu unseren Aufgaben gehören auch die Nachwuchsförderung und die Entwicklung von Sporteinrichtungen. Darüber hinaus sind wir auch für die Austragung von internationalen Sportereignissen verantwortlich. Von der Bewerbung bis hin zur Abwicklung. Bei allen unseren Aktivitäten arbeiten wir eng mit den verschiedenen Sportfachverbänden zusammen und kümmern uns um deren finanzielle Unterstützung.


Welche Arbeitsteilung besteht hier?

Prinzipiell obliegen Fachfragen den Verbänden. Wir unterstützen sie lediglich in darüber hinausgehenden Fragen und stellen ihre Finanzierung sicher. Als ehemalige Profisportlerin, Sportmanagerin und Sportjuristin habe ich den großen Vorteil, dass ich die verschiedenen Ebenen gut kenne, sowohl aus der Perspektive der Sportler als auch der der Manager. Das erleichtert meine Arbeit ganz wesentlich. Von Seiten des Staates helfen wir, wo wir können. Insbesondere seit der Sport 2011 von der Regierung zum nationalstrategischen Gebiet erklärt worden ist. Seit 2016 gibt es eine einheitliche, zentralisierte Finanzierung, die über uns läuft. Unser Staatssekretariat hat zudem noch zahlreiche Aufgaben des Ungarischen Olympischen Komitees übernommen. Jetzt sind wir über vier uns unterstellte Körperschaften für folgende Gebiete verantwortlich: olympische und nicht-olympische Sportarten, Schüler- und Studentensport sowie Freizeit- und Behindertensport. In diesen Bereichen sind wir unter anderem für die Finanzierung und die Kontrolle verantwortlich. Darüber hinaus kümmern wir uns auch um die Sportgesundheit und die Sportwissenschaft.


Worin besteht die Sportstrategie der ungarischen Regierung?

Unser oberstes Ziel besteht darin, dass so viele ungarische Bürgerinnen und Bürger wie möglich Sport treiben. Vor allem im Interesse einer besseren Volksgesundheit. Wir müssen die Möglichkeiten dafür schaffen, dass alle Kinder möglichst früh damit beginnen, Sport zu treiben. Diesem Zweck dient auch die Einführung des täglichen Sportunterrichts. Ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Sportstrategie ist die Entwicklung von Sportanlagen. Sie müssen dem Stand des 21. Jahrhunderts entsprechen. Und wenn wir schon gute Sportler und Sportanlagen haben, dann müssen wir auch internationale Sportereignisse nach Ungarn holen. Auch das ist eine große Aufgabe unseres Staatssekretariats. Derzeit unterstützen wir jährlich etwa 150 große internationale Sportereignisse. Das letzte internationale Mega-Event war die FINA Wassersport-WM im Sommer 2017. Für unsere Sportler sind solche Ereignisse eine riesige Motivation, weil sie sich dabei mit Heimvorteil international messen können. Internationale Wettkämpfe sind aber auch mit Blick auf das Landesmarketing Ungarns bedeutsam. Durch unsere gute Arbeit konnten wir inzwischen übrigens erreichen, dass sich Ungarn international einen guten Ruf als verlässlicher Austragungsort von Sportereignissen erarbeitet hat. Sowohl ausländische Sportler als auch Sportfunktionäre kommen gerne nach Ungarn. Es wird für uns immer leichter, internationale Verbände für die Vergabe des Ausrichtungsrechts von internationalen Wettkämpfen nach Ungarn zu überzeugen.


Wie kommt das?

Sie sehen, dass wir ein sicheres Land sind. Bei der Abwicklung von Sportereignissen ist auf unsere Zusagen Verlaß. Wir haben inzwischen sehr gute Organisationsteams und einen immer größeren Erfahrungsschatz. Und natürlich gibt es in Ungarn immer mehr Sporteinrichtungen von internationalem Niveau. Inzwischen ist es kein Problem mehr, internationale Ereignisse nach Ungarn zu holen. Und das schöne ist: Wer einmal hier war, kommt gern wieder.

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Zusammen mit Imre Ritter, Parlamentsabgeordneter der Ungarndeutschen, Ende September bei der Eröffnung einer Sporthalle in Budaörs.


Was ist der nächste große Höhepunkt?

Im kommenden Jahr wird Budapest die Europäische Sporthauptstadt sein. Das ist eine riesige Ehre und zugleich Möglichkeit für uns. Von allen bisher bei uns stattgefundenen internationalen Sportereignissen ist das eine der größten Anerkennungen. Das ist unsere kommende große Herausforderung, der wir auf Weltniveau entsprechen möchten.


Was waren die wichtigsten Ergebnisse Ihrer drei Jahre an der Spitze des Staatssekretariats?

Vor allem die Schaffung eines einheitlichen Finanzierungssystems. Aber auch die Integration der Aufgaben, die wir vom Ungarischen Olympischen Komitee übernommen haben. Jetzt ist ein sehr guter Überblick über sämtliche relevante Bereiche des ungarischen Sportlebens gegeben. Die Administration gestaltet sich jetzt einfacher. Wir können schneller und effizienter agieren. Ganz speziell kümmern wir uns jetzt um die 16 olympischen Sportarten. Außerdem um die seit der Änderung des TAO-Gesetzes steuerlich geförderten sogenannten Schau- und Mannschaftssportarten wie Fußball, Basketball, Handball, Wasserball und Eishockey. 2017 kam hier als sechste Sportart noch Volleyball dazu.


Ist geplant, dass noch weitere Sportarten in den TAO-Kreis mit aufgenommen werden?

Nein, erst einmal nicht. Indirekt profitieren aber schon jetzt wesentlich mehr Sportarten von den Förderungen als nur die sechs. Etwa durch die gemeinsame Nutzung von Sporteinrichtungen, die in den Genuss von TAO-Geldern gekommen sind. Seit der Änderung des TAO-Gesetzes entstanden mit TAO-Geldern immerhin mehr als 300 Sportstätten und wurden etwa ebenso viele komplett erneuert.


Worauf sind Sie mit Blick auf Ihre drei Jahre noch stolz?

Auch darauf, dass sich die Zahl der internationalen Sportereignisse, die bei uns stattfinden, deutlich erhöht hat.


Wird es in Ungarn in absehbarer Zeit Olympische Spiele geben?

Wir haben uns von diesem Gedanken sicher nicht endgültig verabschiedet. Ich hoffe, dass wir uns in naher Zukunft wieder bewerben werden. Es gibt aber noch kein konkretes Datum dafür.


Welche Lehre haben Sie aus der gescheiterten Bewerbung im letzten Jahr gezogen?

Für die Zukunft ist es sicher ratsam, den gesellschaftlichen Rückhalt über ein erfolgreiches Referendum sicherzustellen. Das sollte bei unserer nächsten Bewerbung der erste Schritt sein.

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„Die entscheidenden Grundlagen sind erst einmal gelegt. Die wichtigsten Programme sind angelaufen.“


Worauf kommt es bei der ungarischen Sportstrategie am meisten an?

Es ist ganz wichtig, dass der Spitzensport gut funktioniert. Über die Konzentration auf die 16 herausgehobenen Sportarten und die sechs Schausportarten erhalten die Sportverbände dafür eine Unterstützung in einer Größenordnung, wie es sie vor 2010 nicht gegeben hat. Es ist sehr wichtig, dass es langfristig berechenbare Förderungen gibt.


Wie sah es vor 2010 aus?

Sehr schwierig. So waren damals die meisten Sportanlagen in einem beklagenswerten Zustand. Es gab kein einheitliches, berechenbares Fördersystem. Vor 2010 war ich unter anderem im ungarischen Schwimmerverband aktiv und weiß also, wovon ich rede. Heute gibt es hingegen im Vergleich dazu gewaltig verbesserte Möglichkeiten, sowohl für die Förderung von Spitzensportlern als auch für die des Nachwuchses. Es wurden viele neue Programme speziell zur Nachwuchsförderung gestartet. Bis sich deren Ergebnisse jedoch in Medaillen niederschlagen, werden noch über zehn Jahre vergehen. Ich freue mich, dass sich unsere Regierung abermals auf eine Zweidrittelmehrheit stützen kann und daher auch bei ihrer Sportpolitik langfristig planen kann.


Der ungarische Sport ist im internationalen Vergleich und gemessen an der Größe des Landes schon jetzt sehr erfolgreich. Woran liegt das?

Unter anderem daran, dass wir sehr gute Trainer haben. Deren gute Ausbildung hat bei uns Tradition. Ganz wichtig ist dabei die Weitergabe von Know-how zwischen älteren und jüngeren Trainern. Seit 2015 gibt es bei uns übrigens ein spezielles Programm zur Trainerförderung. Bis jetzt sind schon einige Hundert Trainer in den Genuss davon gekommen. Ganz besonders freue ich mich, dass es immer mehr Trainer gibt, die im Ausland gearbeitet haben und nun zurückkommen, um ihre Fähigkeiten in den Dienst ihrer Heimat stellen.


Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Die entscheidenden Grundlagen sind erst einmal gelegt. Die wichtigsten Programme sind angelaufen. Natürlich gibt es immer wieder kleinere Anpassungen. Sport hat eine große gesellschaftliche Bedeutung, nicht zuletzt wegen seiner enormen gemeinschaftsbildenden Wirkung. Alle Bürger sollten Sport treiben. Die Grundlagen dafür müssen bereits im Kindesalter gelegt werden. Je mehr Ungarn Sport treiben, umso besser wird es um unsere Volksgesundheit stehen und umso leichter haben es die Nachwuchsarbeit beziehungsweise deren Talentsucher. Das wiederum wirkt sich positiv auf den Spitzensport aus. Die ungarische Regierung hat diese Zusammenhänge voll erkannt und handelt dementsprechend. Sicherlich hat dazu beigetragen, dass unser Ministerpräsident sehr sportbegeistert ist.


Ist seine sehr starke Fokussierung auf den Fußball kein Problem für andere Sportarten?

Absolut nicht. Bei uns wird eine große Bandbreite an Sportarten gefördert. Neben den erwähnten TAO- und olympischen Sportarten werden übrigens auch noch sogenannte aufstrebende Sportarten gefördert. Das sind unter anderem Sportarten, die das Potenzial zur olympischen Disziplin haben, wie zum Beispiel Karate, das bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zum ersten Mal mit dabei sein wird. Und bezüglich Fußballs ist es nun einmal eine Tatsache, dass es die Sportart mit den meisten organisierten Teilnehmern ist. Das ist in vielen Ländern so. Bei uns spielen mehrere Hunderttausend Kinder Fußball. Beim Bau von Stadien geht es aber auch ums Publikum, das die Möglichkeit bekommen soll, unter kultivierten Bedingungen dem Geschehen auf dem Rasen zu folgen. Auch für sie entstehen die modernen Stadien inklusive Infrastruktur. Ich bin mir sicher, früher oder später werden die in den vergangenen Jahren begonnenen Programme unter anderem zur Nachwuchsförderung und zur Hebung des fachlichen Niveaus greifen und wir werden richtig guten Fußball bekommen.


In Ihrem Sport, dem Schwimmen ist Ungarn schon seit Jahren sehr erfolgreich. Was ist die Erklärung dafür?

So wie beim Fußball sind auch hier die Trainer sehr wichtig und die Weitergabe von Wissen. Wir hatten beim Schwimmsport in der Vergangenheit einfach sehr gute Trainer. Auch für die Zukunft bin ich beim Schwimmsport sehr zuversichtlich. Denn wir haben jetzt nicht nur gute Trainer, sondern auch ein, auf immer breiterer Basis stehendes Nachwuchssystem. Außerdem ist das 2011 begonnene Fördersystem nicht mehr so stark auf Budapest fokussiert. Das gilt übrigens auch für andere Sportarten. Bis dahin hatten es Talente von außerhalb von Budapest oft nicht so einfach. Zuweilen gab es im Winter keine vernünftigen Trainingsmöglichkeiten. Jetzt haben auch Talente von außerhalb von Budapest gute Chancen, sich zu entwickeln und groß rauszukommen.

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Zusammen mit Ausnahmeschwimmerin Katinka Hosszú Anfang Oktober am Eröffnungstag des Schwimm-Welt-Cups in der Duna Aréna.


Es gab einmal einen erfolgreichen ungarischen Fußball…

Ja, in den 50er Jahren. Leider weiß ich nicht, woran es in den Jahrzehnten danach genau haperte. Auf jeden Fall waren wir permanent bei den Sportarten Schwimmen, Kanurennsport, Judo, Ringen, Leichtathletik und Fechten immer ganz vorne mit dabei. Kein Zweifel: Wir sind ein sportlich talentiertes Land.


Werden Sie am Wochenende beim Spar-Marathon mitlaufen?

So wie in den Vorjahren, hätte ich auch jetzt gerne wieder daran teilgenommen. Ich reise allerdings am Sonnabend zu den Olympischen Jugendspielen nach Argentinien und werde die ersten Tage dort verbringen.


Welche Verbindungen haben Sie heute zum Schwimmsport?

Noch immer helfe ich intensiv dem Ungarischen Schwimmerverband. Sowohl zu unseren aktiven Schwimmern als auch zu unseren Trainern pflege ich sehr gute Beziehungen.


Welche Pläne haben Sie hier?

Eine Herzensangelegenheit von mir ist das landesweite Programm „Jedes Kind soll schwimmen lernen!“. Ein entsprechendes Programm zum Bau von neuen Schwimmhallen wurde bereits begonnen. Ziel ist, dass Ungarn bald flächendeckend mit Schwimmhallen versorgt ist und allen Kindern Schwimmunterricht geboten werden kann. Bis 2023 sollen alle Kinder bis zum zehnten Lebensjahr schwimmen können.


Bei den letzten Wahlen haben Sie ein Direktmandat errungen und sind nun auch Parlamentsabgeordnete.

Ich bin in Nyíregyháza aufgewachsen und lebte dort die ersten drei Jahrzehnte meines Lebens. Ich bin Nyíregyháza auch heute noch sehr verbunden. Als Abgeordnete kann ich meiner Heimatstadt noch mehr und besser helfen als bisher. Es ist eine große Ehre für mich, die Interessen der Bürger von Nyíregyháza in Budapest zu vertreten. Ich habe sehr viel von meiner Heimatstadt bekommen. Jetzt möchte ich ihr und ihren Bürgern etwas davon zurückgeben.

Zur Person

Tünde Szabó war von 1982 bis 1992 aktive Schwimmerin. Höhepunkt ihrer Karriere als Sportlerin war 1991 eine Silbermedaille bei der Schwimm-WM in Perth und eine weitere Silbermedaille 1992 bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona. 1998 erwarb sie an der Budapester Uni für Körpererziehung ein Diplom als Fachtrainerin. 2006 erwarb sie an der Uni Szeged ein Diplom als Juristin und 2009 an der Pázmány-Uni als Sportjuristin. Von 2011 bis 2015 leitete sie den ungarischen Schwimmverband als Generalsekretärin und bis 2017 als Vize-Präsidentin. Seit September 2015 ist sie Staatssekretärin für Sport und seit April dieses Jahres Parlamentsabgeordnete in der Fidesz-KDNP-Fraktion.

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