Nur wenige Schritte vom Ethnographischen Museum und dem Budapester Parlament entfernt, ist das FALK 5 in der von Schatten spendenden Bäumen gesäumten Falk Miksa utca zu finden. Das Logo über dem Eingang verrät bereits, welche Küche die Gäste hier erwartet. Es wird vom Haupt des Weißkopfseeadlers geschmückt, dem Wappentier der USA. Und auch im Inneren verdichten sich die Hinweise: An einer grellgrün gestrichenen Wand wacht über hohen Naturholztischen und den dazugehörigen Barhockern „Uncle Sam“, darunter der abgewandelte Rekrutierungsslogan „I want you to eat here“.

Doch das FALK 5 bietet mehr als nur Burger, BBQ und Mac’n’Cheese, es hat sich auf eine ganz besondere Subkultur der Küche in Übersee spezialisiert: die jüdisch-amerikanische Küche, ergänzt um ein paar jüdische Gerichte aus Ungarn und Israel.

Matzeknödel und Tscholent

Dabei lassen sich die regionalen Zugehörigkeiten nicht einmal so genau abstecken, schließlich ist die jüdische Küche fast überall auf der Welt eine recht internationale Angelegenheit, hat sie doch über die Jahrhunderte allerlei Einflüsse aus der mittelasiatischen, mediterranen, spanischen, deutschen und russischen Küche absorbiert, natürlich alles im Rahmen der Gesetze des „Kaschrut“, also den jüdischen Speisevorschriften. Betrieben wird das Lokal von Ákos Bíró. Aufgewachsen innerhalb der ungarisch-jüdischen Minderheit in Siebenbürgen, kennt Bíró sich mit typisch jüdischen Speisen bestens aus. Auslandsaufenthalte in Deutschland, Israel und den USA lehrten ihn aber auch die lokalen Unterschiede innerhalb dieser besonders regulierten Küche zu schätzen. Insbesondere die jüdisch-amerikanische Küche, die Bíró als moderner und zugänglicher empfindet, hat es ihm aber angetan.

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Deshalb stehen neben Hühnersuppe mit Matzeknödeln und Tscholent nach einem eher traditionell ungarischen Rezept vor allem solche Speisen auf der Karte, die man typischerweise auch in den berühmten jüdischen Delis in New York findet. Zwei dieser Klassiker sind beispielsweise Bagel mit Frischkäse und Lachs sowie das Reuben-Sandwich mit Pastrami und Sauerkraut. Auch wenn Pastrami erst mal nach Italien klingt, handelt es sich bei diesem Brotbelag um eine Spezialität der jüdischen Küche, die rumänische Einwanderer im 19. Jahrhundert in die USA brachten. Für Pastrami wird Rindfleisch geräuchert, gepökelt und mit Gewürzen versehen. Obwohl die Herstellung dieses Aufschnitts nicht übermäßig kompliziert ist, ist Pastrami in Ungarn kaum verbreitet: „Es war schwer, in Budapest einen Fleischer zu finden, der die Pastrami für mich zubereiten kann. Doch jetzt habe ich endlich einen“, erzählt Bíró stolz.

Berches als Burgerbun

Wesentlich einfacher war für den Restaurantbetreiber dagegen die Beschaffung einer jüdischen Alternative zu herkömmlichen Burgerbuns. Statt normalen Brötchenhälften werden die Burger im FALK 5 im Berches, einem traditionell jüdischen Weißbrot, serviert. Dieses bezieht Bíró von einer orthodox-jüdischen Bäckerei in Budapest. Als Belag werden neben Rindfleischpatties und Hühnerbrust auch vegetarische Patties aus Pilzen und Bohnen gereicht.

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Bírós ganzer Stolz sind jedoch die geschmorten Rinderrippchen mit roter Zwiebelmarmelade, Coleslaw und Kartoffelspalten. Tatsächlich ist dieses Gericht eine besondere Empfehlung wert: Das über mehrere Stunden gegarte Fleisch rutsch butterweich vom Knochen, ist saftig, aber dennoch nicht zu gehaltvoll, die Kartoffeln werden von einer rauchigen BBQ-Sauce begleitet und die süßen Zwiebeln geben dem Geschmackserlebnis eine exotische Note.

Natürlich muss man im FALK 5 auch nicht auf ein Dessert verzichten. Neben New-York-Cheesecake und Brownie gibt es hier auch ungarische Quarkknödel und Flódni zu verkosten. Letzteres ist ein Rezept der jüdischen Küche, das vor allem in Ungarn Bekanntheit erlangt hat. Ein Flódni besteht traditionell aus mehreren Schichten, darunter Nuss, Mohn, Apfel und Marmelade.

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Fazit

Wie uns Ákos Bíró erklärt, ist das FALK 5, obwohl es grundsätzlich den jüdischen Speisevorschriften Rechnung trägt, kein hundertprozentig koscheres Restaurant: „Dafür müsste ich eine Lizenz erwerben. Das ist eine sehr teure Angelegenheit und würde die Preise enorm nach oben treiben.“ Aus demselben Grund bezieht Bíró sein Fleisch auch nicht von einem lizenzierten jüdischen Schlachter. Doch auch wenn seine Speisekarte somit nur zu 99 Prozent koscher ist (schon allein deshalb, weil sich auch ein Cheeseburger auf die Karte verirrt hat), tut dies dem Geschmack keinen Abbruch. Und eines ist klar, viele der Speisen, die man im FALK 5 serviert, findet man so nirgends in der ungarischen Hauptstadt: „Unser Angebot ist einmalig für Budapest“, erläutert Bíró, „es gibt zwar traditionell ungarisch-jüdische Lokale und auch israelische Lokale, aber wir sind die einzigen, die sich auf die jüdische Küche Amerikas spezialisiert haben.“

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Seit knapp einer Woche bietet das jüdisch-amerikanische Bistro auch die Möglichkeit, sich die saftigen Rippchen, Burger und Co. nach Hause liefern zu lassen. Bestellen muss man dafür allerdings über die Lieferapp Wolt.
FALK 5 Bistro

Budapester, V. Bezirk, Falk Miksa utca 5

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr

Anfragen telefonisch unter +36-70-310-9425

Weitere Informationen finden Sie auf www.falk5.hu


Preise

Frühstück: 290 bis 990 Forint

Suppen und Salate: 990 bis 1.490 Forint

Hauptgerichte und Burger: 1.490 bis 2.490 Forint

Desserts: 490 bis 590 Forint

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