Dies geht zumindest aus jüngst veröffentlichten Interviews mit den beiden „starken Männern“ der LMP hervor: Lóránt László Keresztes, noch Ko-Vorsitzender der LMP, sieht die Zukunft der Partei in der Annäherung an die rechte Jobbik.

Kooperation mit den Parteien des 21. Jahrhunderts

Der erst im Mai ins Amt gewählte Keresztes bleibt – zumindest was die Kooperationsmöglichkeiten angeht – der bisherigen LMP-Linie treu. Seit jeher gilt bei der Partei der Grundsatz, man wolle nur mit solchen Parteien zusammenarbeiten, die bisher nicht in der Regierungsverantwortung gewesen und in den Augen der LMP daher nicht korrumpiert sind.

Gegenüber dem Nachrichtenportal index.hu sprach Keresztes davon, dass die wahren Bruchlinien zwischen den Parteien nicht in der Links-Rechts-Ideologie zu suchen seien. Der Fidesz beispielsweise präsentiere sich als rechtskonservative Partei, funktioniere aber nach dem bolschewistischen Muster einer sozialistischen Partei. Die alten linken Parteien MSZP und DK würden hingegen liberale Werte vertreten, „aber auch sie fügen sich in das vom Fidesz geschaffene System der nationalen Zusammenarbeit (NER) ein“, so Keresztes.

Allein die Parteien des 21. Jahrhunderts, neben der LMP sind dies seiner Ansicht nach nur die Jobbik und die Momentum, würden echte Alternativen zum NER bieten. Der LMP-Politiker sieht die Möglichkeiten für Kooperationen inhaltlich eher bei der Jobbik gegeben. Bei der im kommenden Jahr anstehenden Kommunalwahl könnten die bestehenden ideologischen Unterschiede jedoch ausgeklammert werden, denn diese spielen bei Fragen der Kommunalpolitik schlicht keine Rolle, ist sich Lóránt László Keresztes sicher.

Von einer möglichen Kooperation will er auch die Momentum nicht kategorisch ausschließen, allerdings müsse man erst „klarer sehen“, was die junge Partei will.

Keine Schande, mit dem Fidesz übereinzustimmen

Nicht weniger überraschende Worte fand Péter Ungár, das zweite der verbliebenen bekannten Gesichter der LMP. In einem Aufsatz für das Onlineportal azonnali.hu erklärt der Sohn der regierungsnahen Historikerin Mária Schmidt, dass die oppositionelle Politik in Ungarn gescheitert sei. „Wir haben nichts aus der Wahlniederlage gelernt“, so Ungár. Das größte Problem ist seiner Ansicht nach, dass die Opposition nicht in der Lage gewesen sei, eine echte Alternative zum Fidesz zu bieten: „Dabei weiß in Ungarn so gut wie jeder, wer Lőrinc Mészáros ist und was er tut. Wie das Gesundheitssystem aussieht und dass das Schulsystem schlecht ist.”

Trotzdem hielten die Menschen den Fidesz für die bessere Alternative, denn die Regierungspartei stehe für Ordnung und strahle Entschlossenheit aus, die Opposition versinke hingegen im Chaos. Denn statt einfach nur „dagegen” zu sein, müsse sich die Opposition heute auch damit beschäftigen, ob es nicht Themen gibt, in denen man mit dem Fidesz übereinstimmen kann, dies sei keine Schande mehr, insbesondere beim Thema Migration müsse man eingestehen, so Ungár, dass der Weg des Fidesz vielleicht nicht der Schlechteste gewesen ist.

Betrachtet man, wo die Ursprünge der Partei liegen, sind diese Worte mehr als verwunderlich. Oder vielleicht versuchen beide Politiker lediglich, der immer weiter nach rechts gerückten Gesellschaft gerecht zu werden. Die wirkliche Auswahl an Alternativen zum Fidesz wird für die Wähler damit jedoch immer geringer.

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