Die Bugacpuszta befindet sich etwa 100 Kilometer südlich von Budapest und bewahrt in einem kleinen Hirtenmuseum, einem traditionsreichen Gestüt und einem Naturschutzgebiet einige Schätze ungarischer Kultur. Hier findet seit Jahren auch eine der bedeutendsten Veranstaltungen Ungarns statt, das Kurultaj-Festival. Auf dem weitläufigen Areal treffen sich immer am zweiten Augustwochenende Vertreter all jener Nationen, die mit den historischen Wurzeln der Ungarn verbunden sind. Neben den Ungarn nehmen auch Mongolen, Tataren, Kirgisen, Bulgaren, Baschkiren und Kasachen teil, um nur einige zu nennen.

Landnahme

Einst zogen die Ungarn unter der Führung des Fürsten Árpád und seiner sieben Stammesführer über die Karpaten in das Gebiet des heutigen Ungarn. Jahrhunderte zuvor hatte der Hunnenkönig Attila die Region erobert. Bis in diese Zeit lassen sich die Wurzeln der Ungarn und der mit ihnen verwandten Völker verfolgen. Im Jahre 896 erfolgte die legendäre „Landnahme“ der Ungarn. So wird der Zeitraum bezeichnet, während dem sich das Nomadenvolk aus dem Ural im Karpatenbecken niederließ.

Sie wurden zwar sesshaft, dehnten jedoch ihre Eroberungszüge bis weit in den Westen aus. Nicht umsonst lautete ein Gebet im Mittelalter: „Vor den Pfeilen der Ungarn errette uns, oh Herr!“ Erst die Niederlage in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg, wo im Jahre 955 Otto der Große einen glorreichen Sieg über die Ungarn erringen konnte, brachte das Ende der Ungarneinfälle.

Spektakuläre Reiterkämpfe und berittene Bogenschützen

Nichtsdestotrotz sind die Ungarn noch heute stolz auf ihre Herkunft und lassen die Vergangenheit gerne in farbenfrohen Bildern wieder aufleben. Beim Kurultaj-Festival spielen – typisch für die „Reiternation Ungarn“ – prächtig herausgeputzte Pferde und in traditionelle Gewandung gehüllte Reiter eine große Rolle. Die Zuschauer können spektakuläre Reiterkämpfe und berittene Bogenschützen bewundern, die vor allem der Kassai Horse-Archery School entstammen.

Nachgestellte Kämpfe zwischen gepanzerten Rittern und den wilden Steppenreitern des Ostens werden in historischen Kostümen und mit mittelalterlichen Waffen präsentiert. Sie gehören ebenso zum Programm wie Fechtkämpfe und die Wettbewerbe der Bogenschützen, die mit dem traditionellen ungarischen Reflexbogen ausgetragen werden. Diese Kämpfe sind nicht nur reine Show, sondern zugleich auch Wettbewerb. Den Siegern winken attraktive Preise.

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Es geht beim Kurultaj-Festival nicht nur um die Darstellung mittelalterlicher Kampfarten. Die Besucher haben auch die Gelegenheit, im Zuge experimenteller Vorstellungen antike Bronzegusstechniken kennen zu lernen. Sie können mittelalterlichen Handwerkern bei der Arbeit zuschauen und allerhand Wissenswertes über in damaliger Zeit hochgeschätzte Handwerke erfahren.

Die Jurte von Attila

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt sind die archäologischen und anthropologischen Ausstellungen, die in den „Jurten der Ahnen“ stattfinden. Diese Ausstellungen werden von mehreren Museen veranstaltet, die miteinander kooperieren und für diese einzigartige Sonderausstellung Exponate von großer historischer Bedeutung zur Verfügung stellen. Zu bewundern sind unter anderem archäologische Funde, aber auch typische Bekleidung und Waffen.

Ein weiterer Höhepunkt ist die „Jurte von Attila“. Es handelt sich dabei um die angeblich größte Jurte der Welt, ihr Durchmesser beträgt mehr als 20 Meter. Dennoch ist diese riesige Jurte, die ausschließlich aus natürlichen Materialien besteht, in ihre Einzelteile zerlegbar, was für die Behausung eines Nomadenvolkes unabdingbare Voraussetzung war und ist. In der „Jurte des Attila“ erwarten die Besucher weitere interessante Ausstellungsstücke, die einen weiten Rückgriff in die Geschichte aufzeigen.

Feuerrituale und Schamanentrommeln

Außerdem werden wissenschaftliche Vorträge angeboten. Diese werden von ungarischen und ausländischen Referenten gehalten. Dabei geht es unter anderem um Reiseberichte, Geopolitik sowie die Geschichte Ungarns und der Turkvölker.

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Schließlich muss auch noch das umfangreiche Speise- und Getränkeangebot erwähnt werden. Traditionelles ungarisches Gulasch, in riesigen Kesseln gekocht, verspricht ebenso lukullischen Genuss wie diverse mittelalterliche Speisen und köstliches Gebäck. Abgerundet wird das vielseitige Programm durch Musik- und Tanzvorführungen, bei denen Gastgeber und die teilnehmenden Gäste das musikalische Erbe ihrer jeweiligen Heimat vorstellen. Feuerrituale und Schamanentrommeln umrahmen dieses „Völkertreffen“, das auch von einer Handwerkskunstmesse begleitet wird.

Kurultaj-Festival in Bugac

10.-12. August 2018)

Weitere Information (auch auf Englisch) unter kurultaj.hu.

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