Im Prinzip bringt die ab Juli verbindlich vorgeschriebene Online-Datenleistung keine Zusatzlasten für die Unternehmen mit sich, denn wer für seine Rechnungen ein kompatibel an die Steuer- und Finanzbehörde (NAV) gekoppeltes Programm verwendet, für den übernimmt die Software den automatischen Datenfluss. Die NAV bietet bereits seit dem vorigen Jahr jede Hilfestellung an, um die Kompatibilität der verwendeten Programme zu erreichen. Mit der Einführung des neuen Systems kommt auch der Bürokratieabbau weiter voran, weil umfassende Abrechnungsberichte entfallen und die theoretische Möglichkeit geschaffen wird, die Umsatzsteuererklärung nach dem NAV-Schema zu erstellen.

Mehrere hundert Milliarden Forint Mehreinnahmen

Der für Steuerbelange zuständige Staatssekretär Norbert Izer betont, dass die verbindlich vorgeschriebene Online-Datenleistung ein weiterer Schritt ist, die Schattenwirtschaft zurückzudrängen. Die Erfahrungen aus der Online-Anbindung der Handelskassen und dem elektronischen Straßenfrachtkontrollsystem (EKÁER) werden von anderen Ländern studiert und teilweise übernommen, nachdem diese Systeme dem Fiskus mehrere hundert Milliarden Forint in die Kassen spülten.

Die Online-Datenleistung schützt durch das Aussieben betrügerischer Firmen die anständigen Unternehmen und die Interessen des Staates, während sie den administrativen Aufwand der Unternehmen erheblich verringert. Kleinere Firmen werden derweil dazu motiviert, die Praxis handgeschriebener Rechnungen aufzugeben, weil die von der NAV angeforderten Daten auf einer speziellen Webseite ohnehin nachgereicht werden müssen. In diesem Fall entstehen somit Mehraufwand und Zeitdruck, denn die Behörde fordert auch für manuell ausgestellte Rechnungen eine zeitnahe elektronische Aufarbeitung beziehungsweise Meldung an die NAV.

Die Online-Technik ernst nehmen sollte jedes Unternehmen, denn schon für eine einzige Rechnung, deren Daten nicht elektronisch weitergeleitet wurden, kann die NAV ein Versäumnisbußgeld von bis zu 500.000 Forint (gut 1.500 Euro) verhängen. Hierfür gibt es keine weitere Schonfrist mehr, nachdem die Einführung des Systems der Online-Datenleistung ohnehin bereits um ein Jahr aufgeschoben wurde. Immerhin zieht die Steuerbehörde beim Sanktionieren säumiger Firmen ins Kalkül, wenn diese einen guten Willen an den Tag legen, ihre Software mit dem Amt abzugleichen.

Neue Möglichkeiten senken Fehlerquote

Eine Erhebung von eNet unter Mikrofirmen, Klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) hat gezeigt, dass vier von fünf Firmen bereits zur Jahreswende wussten, welche Online-Datenleistungspflichten ab dem 1. Juli auf sie zukommen. Auf dem Markt gibt es eine Unmenge an Programmen, die freilich nicht durchweg den Erwartungen der NAV entsprechen. Doch wer erst einmal richtig angebunden ist, dem kommt das Online-System entgegen, das automatisch die exakten (gespeicherten) Angaben wie den Sitz oder die Steuernummer von Partnerfirmen anbietet. Das wiederum verringert die Fehlerquote, was die Firmen – wie die Erhebung zeigte – zu schätzen wissen.

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Seit dem 1. Juli sind nicht mehrnur die Einzelhändler mit dem Finanzamt NAV online verbunden.

Noch gelten e-Rechnungen hierzulande einigermaßen als Neuland, nur ein Achtel der Mikrofirmen und KMU schreibt seine Rechnungen elektronisch. Die neue Datenleistungspflicht gegenüber der NAV dürfte jedoch einen markanten Anstieg bei dieser Zahl herbeiführen. Insbesondere kleinere Firmen, bei denen das Ausstellen von Rechnungen keine tägliche Routine darstellt (jede dritte Firma bringt es auf weniger als 50 Rechnungen im Jahr!), müssen sich aber erst noch daran gewöhnen, mit der Steuerbehörde übers Internet zu kommunizieren.

Ungarn rückt ins europäische Spitzenfeld

Bei der Budapest Party Service Kft. war die verwendete Novitax-Software von vornherein kompatibel mit den NAV-Anforderungen, die Anbindung klappte entsprechend reibungslos. Wirtschaftsdirektor Máriusz Joó meint dennoch: „Es wird schon ungewöhnlich sein, dass die Steuerbehörde schneller Informationen zu Rechnungen erhält, die an unser Unternehmen gehen, als wir selbst. Deshalb wollen wir unter Einsatz unseres Managementinformationssystems automatische und systematische Abfragen bei der NAV anstreben, um mit zeitnahen Informationen arbeiten zu können.“

Der Experte rechnet nur anfänglich mit technischen Problemen von Seiten des neuartigen, landesweiten Systems. Andererseits sieht Joó aber auch, dass Ungarn mit diesem Format ins europäische Spitzenfeld rückt. „Wir reagieren auf die Online-Revolution in der Geschäftsadministration, indem wir nicht einfach den durch Rechtsnormen diktierten Mindeststandards gerecht werden wollen, sondern Online-Rechnungen in einem möglichst breiten Spektrum zur Anwendung bringen. Digitale Rechnungen unserer Lieferanten werden unter minimalem Aufwand in unsere Buchungen einfließen, egal ob es um den Warenverkehr oder Banksoftware geht“, verriet der Direktor.

Bei der Hypermarktkette Auchan erklärte man uns, die Absicht des Gesetzgebers bezüglich der Online-Anbindung sei lange bekannt gewesen. Das Unternehmen konnte sich dementsprechend vorbereiten, mit eigener Software und einem externen Partner. Dessen ungeachtet rechnet man in der Anfangsphase durchaus mit Nachjustierungen. Allgemein gesprochen dürfte die neue Regelung dazu beitragen, die Transparenz der Wirtschaftsprozesse zu erhöhen.

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