Die Talfahrt des Forint setzte sich am Donnerstag ungebremst fort: Nachdem die einheimische Währung den Vortag oberhalb von 326 begonnen und knapp über 328 zum Euro abgeschlossen hatte, steuerte sie nun zielstrebig auf die neue historische Marke von 329 HUF/EUR zu. Noch am Mittwoch reagierte der von der Opposition gestellte Vorsitzende des Haushaltsausschusses, László Varju (DK), der für den kommenden Mittwoch MNB-Präsident György Matolcsy einbestellte, damit dieser die „dauerhafte Forintschwäche, deren Auswirkungen auf die Haushaltspolitik und die diesbezüglichen Pläne der Notenbank“ erläutern möge. Das Wirtschaftsportal mfor.hu geht derweil davon aus, dass Matolcsy sehr wahrscheinlich einen seiner Stellvertreter zur Anhörung schicken wird.

Am Donnerstagvormittag sagte Regierungssprecher Zoltán Kovács auf einer Pressekonferenz, die eigentlich zum Thema EU-Gipfel und Migrationskrise einberufen wurde, auf eine Frage von Journalisten, der Zustand und die Leistung der ungarischen Wirtschaft böten keinen Grund für den schwachen Forint, es sei vorstellbar, dass hinter dieser Bewegung Spekulationen stehen. Die Märkte beruhigen konnte er mit dieser Äußerung freilich nicht, denn während sich die Regierung stur stellt, liegt klar auf der Hand: Die MNB rudert mit ihrer ultralockeren monetären Politik gegen den internationalen Strom. Während die Notenbanken der Welt mit immer weniger Ausnahmen die Zinsen anheben, hält die MNB am Rekordtief des Leitzinses von 0,9% fest.

Die Zentrale zur Verwaltung der Staatsschulden (ÁKK) musste die Auktionsmenge der 12-monatigen Diskontschatzbriefe am Donnerstag wegen der bescheidenen Nachfrage nahezu halbieren. Der Durchschnittsertrag nahm obendrein um weitere 14 Basispunkte auf 0,54% zu – in das Jahr war dieser noch auf -0,01% gegangen. Am Dienstag war die Auktion der 3-monatigen Schatzbriefe noch entspannter verlaufen; der Auktionsertrag legte um 8 Basispunkte auf 0,23% zu. Vor einer Woche hatte die ÁKK ihre mehrjährigen Anleihen noch mühelos platzieren können, wobei die Ertragssprünge ins Auge stachen: Die 5-jährige Anleihe schoss gleich um 106 Basispunkte auf 2,71% nach oben, die 10-jährige Anleihe um 40 Basispunkte auf 3,51%.

Das Rekordtief des Forint gegenüber dem Euro wird der Notenbank zunehmend unbequemer, heißt es in einer aktuellen Analyse der Commerzbank, die demnächst mit einer „echten monetären Wende“ rechnet. Im Vergleich zur aktuellen Notierung wird der Euro am Jahresende bei 325 Forint stehen, meinen die Experten. Zur Begründung wird angeführt, die Verkaufswelle und die negative Stimmung konzentrierten sich nicht allein auf Mittelosteuropa. Allerdings sei das Risiko gestiegen, dass die Inflation kurzfristig über den Zielwert der MNB von 3% hinausschießen wird. Sollte die MNB weiterhin keine Bereitschaft zu einer strengeren monetären Politik zeigen, könnte der Markt diese Position auszutesten versuchen. Die Commerzbank rechnet zunächst mit einer neutralen Haltung und dem Ende der Devisenswaps sowie weiterer unkonventioneller Mittel.

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