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Wer hat’s gewählt?

Stimmen seien verschwunden, Wahllisten falsch ausgegeben worden und auch die Mär vom Kugelschreiber, dessen Tinte verblasst, machte nach der Wahl die Runde. Kein Wunder, dass auch die Memes das Thema aufgreifen. So zeigt eine Meme beispielsweise eine alte Dame mit schlohweißem Haar und freundlichem Lächeln. Dazu der Text: „In unserem Dorf konnten 27 Menschen wählen, davon haben 238 für den Fidesz gestimmt, der Rest der Stimmen war ungültig.”

Worauf diese Meme abzielt, ist eindeutig. Einerseits geht es um die zahlreichen „verschwundenen” Stimmen und andererseits um ein Phänomen, das vor allem in grenznahen Siedlungen beobachtet werden konnte: Wie aus dem Nichts tauchten dort zum Teil mehrere Hundert Wähler mit doppelter Staatsbürgerschaft auf. Einige brachten eigene Übersetzer mit, die die „Wahltouristen” sogar in die Wahlkabine begleiteten. Es soll auch mindestens einen Wahlkreis gegeben haben, in dem alle Nicht-Fidesz-Stimmen als ungültig erklärt worden waren.

„Im Dorf konnten 27 Leute ihre Stimme abgeben, 238 davon gingen an den Fidesz, der Rest war ungültig.“

Doch auch ein anderes Motiv spricht dem liberalen Facebook-Nutzer in seiner politischen Seifenblase aus der Seele: Viktor Orbán, der ewige Kaiser, Entschuldigung, Premier. Das gibt auch eine Meme wieder, die Premier Orbán im Sozreal-Stil abgebildet zeigt. Darunter ein etwas abgewandeltes geflügeltes Wort der Ungarn: „Drei Dinge kann man nicht (aus)wählen: die eigenen Eltern, die eigene Rasse und Ungarns Ministerpräsidenten”.

Und dann ist da noch ein weiterer „Erklärungsversuch” für das verheerende Wahlergebnis, oder vielmehr dessen Verballhornung, denn schuld sind irgendwie alle: angefangen bei der Ungarischen Partei des Zweischwänzigen Hundes über den Ex-LMPler András Schiffer und die LMP selbst bis hin zu den Angehörigen der ungarischen Minderheiten im Ausland und natürlich „den Dörflern”. Die Grundlage dieser Meme ist eine humoristische Erklärung, die Verschwörungstheoretiker belächelt.

Erklärungsversuche gibt es also zur Genüge, bleibt nur zu hoffen, dass Ungarn sich irgendwann mit der Realität anfreundet und eher in die Zukunft schaut.

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