Warum nur eine Woche?

Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Fidesz-Fraktion bloß eine Woche Fristverlängerung für sie beantragt hatte. Die Rücksendung der Fragebögen hätte doch ruhig noch bis zu den Wahlen im nächsten Jahr andauern können, nicht dass die Bürger zufällig vergessen, wovor sie sich zu fürchten haben.

Die Verlängerung der Frist wäre auch schon deshalb begründet gewesen, weil die Aufgabe, wie wir wissen, gar nicht so einfach war. Viktor Orbán umschrieb sie in seiner gewohnten Radio-Proklamation an das Volk vor wenigen Tagen mit dem Wort „Bemühung“. Denn man musste den langen Erklärungstext durchlesen, diesen dann verstehen (oje!), darüber mit dem Ehepartner und den Freunden reden (oje, oje!), dann den Fragebogen ausfüllen und ihn schließlich per Post aufgeben (unvorstellbar!). Diese Mühen können einem wirklich an die Substanz gehen.

2,2 Millionen oder mehr – was soll’s…

Vor diesem Hintergrund ist es schon sehr auffällig, dass angeblich mehr als 2,2 Millionen Fragebögen zurückgeschickt worden sind. Zumindest laut der offiziellen Mitteilung. Denn die ständig stänkernden, nie zufriedenen und ganz offensichtlich von Soros bezahlten Einwanderungsbefürworter (was sollen Konsultationskritiker auch sonst sein?) glauben den Zahlen nicht. Sie behaupten, es wäre nicht nachweisbar, ob wirklich so viele Bürger diese komplizierte Tätigkeitsabfolge als ihre staatsbürgerliche Pflicht empfunden hätten, wie es die Fidesz-Zahlen darstellten. Es ist offensichtlich, dass man dieses typisch ungarische Herumgezweifle entschieden zurückweisen muss. Schon allein deswegen, weil nicht von so einer großen Zahl – knapp acht Millionen – die Rede war, wie zuvor Wahlberechtigte die Konsultationsbriefe erhalten hatten. Dabei hätten sie ruhig auch diese Zahl bei der Ergebnisverkündung nennen können, auch das hätte niemand überprüfen können.

Wählerbasis gesichert

Aber nein, sie taten es nicht. Es war viel wichtiger zu signalisieren, dass die Ungarn, obwohl sie bisher noch kaum einem echten Migranten, Einwanderer oder gar einem wahrhaftigen Soros begegnet sind, schon jetzt Angst genug vor ihnen hätten. Daraus folgt: Die Wählerbasis ist gesichert.

So wurde aus der Bemühung eine Zurschaustellung. Damit es bei der Wahl keine Zweifel gibt.


Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 2. Dezember auf dem Online-Portal der linksliberalen Tagesszeitung Népszava.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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