Vier kurze Stellungnahmen bildeten die Grundlage für eine lebendige Diskussion. Der Altrektor der Andrássy Universität, Prof. Dr. András Masát, stellte einerseits das wieder erwachte und wachsende Interesse in Bezug auf das Deutschlernen fest. Dieses Interesse richtet sich vor allem auf das „Wirtschaftsdeutsch“ und das Deutsch als Vermittlersprache.

Durch den veränderten Arbeitsmarkt entsteht hier eine Kluft zur klassischen Germanistik-Ausbildung, die allerdings – vor allem in den BA-Studiengängen – versucht, auf die aktuellen Herausforderungen des Arbeitsmarktes adäquate Antworten zu geben. Für die Karriereplanung scheint ein reiner Germanistikabschluss nicht mehr ausreichend zu sein, deswegen sollte das Studium durch Kooperationen mit anderen Studiengängen oder mit Institutionen außerhalb der Universitäten geöffnet und somit attraktiver gemacht werden.

Fünf Thesen zur Zukunft der deutschen Sprache

Michael Müller-Verweyen, Direktor des Goethe-Instituts in Budapest, formulierte fünf Thesen hinsichtlich der Zukunft der deutschen Sprache und nahm dabei auch den Bedarf nach Deutsch im nicht-philologischen Bereich in den Blick. So sprach er unter anderem darüber, dass die Existenz von sprachlichen Minderheiten außerhalb von Muttersprachen-Ländern, aber auch bereits der einfache Fremdsprachenunterricht dazu führe, dass Sprachen sich nicht an Grenzen halten – ein Fakt, der von politisch Verantwortlichen durchaus mehr beachtet werden sollte.

Des Weiteren werde der Brexit mit einer Neujustierung der (nicht-englischen) europäischen Sprachen einhergehen. So wären nach dem Austritt Groß-Britanniens aus der Europäischen Union Malta und Irland die einzigen Mitgliedsstaaten der EU, die auch Englisch noch als Amtssprache hätten.

Frust und Missverständnisse durch wortwörtliche Übersetzungen

Die Tatsache, dass wortwörtliche Übersetzungen zu Frust und Missverständnissen führen, und in der Vergangenheit auch durchaus zu derartigen Erscheinungen geführt haben, wählte Dr. habil. Zsolt K. Lengyel, Direktor des Ungarischen Instituts der Universität Regensburg, zum Ausgangspunkt seiner Ausführungen. Demzufolge ist es bei der offiziellen Kommunikation mit fremdsprachigen Partnern zwingend notwendig, auch die Nuancen bei der Kommunikation zu vermitteln. Dies bedarf besonderer Kenntnisse und Fähigkeiten. Dies könne er sich im Rahmen einer von der Andrássy Universität Budapest und dem Ungarischen Institut gemeinsam getragenen fachbezogenen Weiterbildung über zwei Semester vorstellen. Dr. Lengyel skizzierte kurz einen entsprechenden Vorschlag mit der Bitte, auf diesen nach internen Diskussionen in den angesprochenen Institutionen bei einem späteren Treffen zurückzukommen.

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Brückenfunktion der deutschen Sprache

Die Brückenfunktion von Sprachen und speziell die Brückenfunktion der deutschen Sprache im östlichen Teil Europas wurde von Dr. Ákos Bitter, Mitarbeiter am Forschungszentrum Deutsch in Mittel-, Ost- und Südosteuropa (DIMOS), Regensburg, betont. Unter Berufung auf die Rolle der deutschen Sprache in der ostmittel- und südosteuropäischen Region in der Vergangenheit und auf die sich letztendlich positiv entwickelnde Akzeptanz der deutschen Sprache nach 1990 wies er auf die sich daraus gleichzeitig ergebende Verantwortung der Deutschsprachigen in der Region hin, um dieser Brückenfunktion der deutschen Sprache zum Erfolg zu verhelfen.

Mehr als ein bloßes Kommunikationsmittel

In der sich den Stellungnahmen anschließenden, vom Rektor der Andrássy Universität, Prof. Dr. Dietmar Meyer, moderierten, lebhaften und kontroversen Diskussion kam der Frage, ob die deutsche Sprache in der Lehre als bloßes Kommunikationsmittel oder auch als inhaltliche Feinheiten signalisierende linguistische Struktur betrachtet werden solle, entscheidende Bedeutung zuteil.

Bei den Wortmeldungen aus dem Publikum war die nahezu einhellige Meinung erkennbar, dass es bei der modernen Sprachvermittlung nicht um die dem Google-Translater entsprechende Übertragung von Standpunkten oder Meinungen handeln dürfe, sondern dass es sich um eine – sprachlich und sozialfundierte – Interpretation von Ereignissen handeln müsse. Das bedeutet, dass mit den sprachlichen Kenntnissen gleichzeitig auch Informationen über den Charakter der Ereignisse im Kulturkreis der entsprechenden Fremdsprache vermittelt werden müssen.

Träger von Funktionen und Aufgaben

Die Sprache ist also ein Träger all dieser Funktionen und Aufgaben. Die entsprechende Fremdsprache muss demzufolge so vermittelt werden, dass möglichst vieler dieser Feinheiten zum Ausdruck kommen. Dazu ist die Sprache als bloßes Informationsinstrument unzureichend, man benötigt also etwas „Goetheisches”, etwas über die eher mechanische Beschreibung der beobachteten Prozesse Hinausgehendes – natürlich ohne selbst etwas eines Goethe in sich zu haben. Die Frage ist also nicht, ob jemand das, was er kommunizieren möchte, auch kommunizieren kann, sondern ob er/sie es so kommunizieren kann, dass es bei der Zielperson auch so ankommt, wie es eigentlich geplant war.

Die dazu notwendigen Diskussionen werden weiter geführt, ein Treffen der beiden Verantwortlichen in Regensburg, und eine Zusammenkunft in größerem Rahmen am Anfang des kommenden Kalenderjahres in Budapest sind fest in der Planung verankert.

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