Gegründet wurde die Firma bereits 1992 und zwar vom Pharmaexperten Dr. Ferenc Dávid. In den Anfangsjahren war von der späteren Druckerei jedoch noch nichts zu sehen, zunächst fungierte Pharmapress ausschließlich als Markenvertretung von westlichen Pharmafirmen, die zu Beginn der 90er Jahre auf den ungarischen Markt drängten. Das „press“ im Firmennamen bezog sich ursprünglich nicht auf Druckerpressen, sondern auf Erfahrungen und Kontakte zur heimischen Presse, auf deren Seiten Pharma Press Anzeigen und PR für seine Kunden organisierte. Außerdem kümmerte sich Pharma Press für seine Kunden aber auch um regulatorische Dinge sowie um die Erstellung der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen ungarisch sprachigen Verpackungen und Beipackzettel.

Erfolgreiche Diversifizierung der Kundenbasis

Für deren Druck waren aber immer noch externe Dienstleister verantwortlich. Bis gegen Mitte der 90er Jahre die Druckaufträge ein Volumen erreicht hatten, ab dem es wirtschaftlich sinnvoll ist, diese Aufträge in Eigenregie mit eigenen Druckmaschinen abzuwickeln. So wurde bald darauf die erste Druckmaschine angeschafft und entstand damit der Grundstock für die heutige Druckerei. Entsprechend des ursprünglichen Profils der Firma wurden anfänglich fast ausschließlich Druckerzeugnisse für Kunden aus dem Pharmabereich hergestellt. Schrittweise kamen aber immer mehr Aufträge von Non-Pharma-Kunden hinzu.

Diese Diversifizierungsstrategie erwies sich als goldrichtig. Als es 2005 durch eine regulatorische Maßnahme des Staates zu einem spürbaren Auftragseinbruch von Seiten der Pharmaindustrie kam, konnte er der Druckerei nicht mehr viel anhaben. Während sich dies in den frühen Jahren für die Druckerei zu einer existenzbedrohenden Krise hätte ausweiten können, konnte die Druckerei dank einer soliden Auftragslage von Seiten anderer Branchen selbst in diesem schwierigen Jahr weiter schwarze Zahlen schreiben. Trotzdem die Pharmaindustrie inzwischen nur noch eine von mehreren Säulen der Druckerei darstellte, entschied sich Eigentümer Dr. Ferenc Dávid übrigens dafür, den Namen Pharma Press unverändert beizubehalten. Zum einen, weil er schon gut eingeführt war und zum anderen, weil die Druckerei unverändert weiter an den äußerst hohen Qualitätsansprüchen der Pharmabranche festhielt. Der heutige Geschäftsführer der Druckerei, Dávid Fabók, spricht in diesem Zusammenhang von der „pharmazeutischen Präzision“, die noch immer in der Druckerei gelebt werde.

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Die nächste Herausforderung für die Druckerei kam mit der 2008er Weltwirtschaftskrise, die für etwa drei Viertel der ungarischen Druckereien das Aus bedeuten sollte. Hier erwies es sich als großer Vorteil, dass die Druckerei inzwischen über eine breite Kundenbasis verfügte und damit Zahlungsschwierigkeiten bei einzelnen Firmen nicht mehr so sehr ins Gewicht fielen. Vorteilhaft erwies sich weiterhin, dass die Firma ihr Wachstum stets aus Eigenmitteln bestritten hatte. Sie verfügte lediglich über Betriebsmittelkredite zum Ausgleich von saisonal bedingten Einkommensschwankungen. Bemerkenswert in Sachen Finanzierung ist übrigens auch, dass der solide aufgestellte mittelständische Betrieb lediglich einmal in seiner Geschichte und auch nur in sehr übersichtlichem Umfang in den Genuss von staatlichem Fördergeld gekommen ist. Der Aufstieg und das permanente Wachstum der Druckerei erfolgten also fast ausschließlich aus eigener Kraft.

Rascher Generationswechsel

Nach Jahren des weiteren dynamischen Wachstums ereilte die Druckerei ein neuerlicher Schicksalsschlag: kurz hintereinander verstarben sowohl Eigentümer Dr. Ferenc Dávid als auch sein Produktionsdirektor Gyula Tolonics. Während Dr. Ferenc Dávid in seinen letzten Jahren bereits einen behutsamen Generationswechsel eingeleitet hatte, musste die Führung der Firma nun auf einen Schlag auf eine neue Basis gesetzt werden. Eine Veränderung der Führungsstruktur war ohnehin geboten, da die Führung der Druckerei durch einzige Person durch das rasante Wachstum seit der Gründung ohnehin immer mehr an seine Grenzen gestoßen war. Ein ganz normales Phänomen bei selbstgegründeten Familienunternehmen.

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Anstelle der auf eine Person zugeschnittenen Führung, setzte man jetzt eher auf eine Matrixstruktur mit klar festgelegten Kompetenzen. Die Interessen des Eigentümers, also der Familie Dávid, werden inzwischen von einem der Söhne, Dr. Ábel D. Dávid, wahrgenommen. Er kümmert sich vor allem um strategische Fragen. Als Geschäftsführer fungiert jetzt der langjährige leitende Angestellte Dávid Fabók. Relativ neu an Bord ist seit Anfang 2015 Gábor Gárván, der seitdem die Funktion des Produktions- und Entwicklungsdirektors innehat.

Diesen drei jungen, dynamischen Männern gelang es innerhalb kurzer Zeit und nach einer nur etwa einjährigen kurzen Wachstumsdelle, die Druckerei wieder einen soliden Wachstumspfad zu führen. „Seit Sommer 2016 geht es mit unserer Druckerei wieder aufwärts“, so der Sohn des Druckereigründers. „Wir sind jetzt auch gewappnet für das Wachstum der Zukunft“, fügt er zuversichtlich hinzu. Inzwischen gehört Pharma Press zur Top 5 der Budapester Bogen-Off-Set-Druckereien, innerhalb von Ungarn befindet sie sich in der Top 10.

Schritt auf neuen Markt

Parallel zum Wechsel in der Führungsstruktur vollzog auch der Eintritt auf einen neuen Markt, nämlich auf den Markt für Faltschachteln. Dieser Schritt erfolgte aus der Einsicht heraus, dass der klassische Printmedienbereich infolge der Digitalisierung immer mehr schrumpft. Auch Bedienungsanleitungen und andere produktbegleitenden Publikationen erreichen den Kunden zunehmend in elektronischer Form. Unverändert ist jedoch, dass die Kunden die von ihnen gekauften Produkte nach wie vor in irgendeiner Verpackung erhalten. Daran wird sich auch in den kommenden Jahren nicht viel ändern.

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Wegen dieser beiden Megatrends bei der Nachfrage beginnt die Druckerei jetzt langsam umzusatteln und stärker auf Verpackungen zu setzen – selbst wenn eine tüchtige Druckerei wie Pharma Press sicher noch einige Jahre im klassischen Druckbereich ihr Auskommen hätte. „Wer aber nicht einfach überleben, sondern auch wachsen möchte, muss dort investieren, wo es noch Wachstum gibt und das ist im Druckbereich unzweifelhaft der Verpackungssektor“, erklärt Gábor Gárván. Während Pharma Press im vergangenen Jahr gerade einmal 5 Prozent ihres Umsatzes mit dem Druck von Faltschachteln erwirtschaftete und es in diesem Jahr etwa 8 Prozent sein werden, hält Gábor Gárván bis 2030 eine Erhöhung dieses Anteils auf etwa 50 Prozent für wahrscheinlich. Bei den jetzt dafür vorgenommenen Investitionen hat die Druckerei also voll die Zukunft im Blick.

Investition in die Zukunft

Derzeit wird bei Pharma Press gerade kräftig in einen neuen Standort investiert. Da man am bisherigen Standort immer mehr an Grenzen stößt und die Produktionsabläufe mit immer mehr Kompromissen behaftet sind, wird die Druckerei im ersten Halbjahr 2018 an einen komplett neuen Standort umziehen. In der neuen 2.000 qm großen neuen Halle wird es ausreichend Platz geben, um die Maschinen so rational wie möglich aufzustellen. Am neuen Standort ist auch noch eine Erweiterung auf 3.000 qm Grundfläche möglich.

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Der neue Standort befindet sich ebenso wie die bisherige Druckerei im Budapester Bezirk Óbuda. Eine Verlagerung nach außerhalb von Budapest, um Kosten zu sparen, sei kein Thema gewesen. „Wir hätten riskiert, einen Teil unserer Fachkräfte zu verlieren und damit unsere hohen Qualitätsansprüche nicht mehr umsetzen zu können“, erklärt Dr. Ábel D. Dávid.

Intensivierung der Exporttätigkeit

Neben dem Schritt auf neue Geschäftsfelder gehört auch die Ankurbelung des Exports zur Kernstrategie der Druckerei. Das ist vor allem die Domäne von Gábor Gárván, dem dabei nicht nur seine sehr guten Deutschkenntnisse zu Hilfe kommen, sondern auch seine etwa 15jährige Erfahrung als führender Mitarbeiter einer in Ungarn aktiven deutschen Druckerei. „Das dabei erlebte Qualitätsbewusstsein hat mich sehr geprägt.“

Die Bilanz seines bisherigen Wirkens für Pharmapress ist beachtlich: Während die Druckerei 2014, also im Jahr vor Gárváns Antritt etwa 100.000 Euro mit dem Export verdiente, waren es in seinem ersten Jahr bereits 250.000 Euro und im Jahr darauf sogar schon rund eine halbe Million Euro. Für etwa 90 Prozent dieser Summe sind übrigens Auftraggeber aus Deutschland verantwortlich.

Die Gründe für diese dynamische Entwicklung seien vielschichtig. So würden natürlich die Produktqualität, Preise und Liefertreue eine wichtige Rolle spielen. Ganz wichtig sei aber auch – besonders in der Anfangsphase einer Geschäftsbeziehung – der persönliche Kontakt. „Natürlich kann man heutzutage fast alles per Telefon oder E-Mail abklären. Der persönliche Kontakt als Mittel der Vertrauensbildung ist aber durch nichts zu ersetzen. Deswegen reise ich sehr oft zu Kunden im Ausland.“

Wesentlich sei auch, im Rahmen einer Auftragsabwicklung permanent im Kontakt mit dem Kunden zu sein. „Es können bei der Produktion oder beim Transport immer unerwartete Dinge passieren, das Wichtigste ist, dass der Kunde davon proaktiv von uns erfährt und nicht erst, wenn er selbst zum Telefon greift und sich erkundigt, wo denn wohl seine Ware bleibt.“ Der Exportdirektor fasst all das als „faire Kommunikation“ zusammen. Inzwischen gehören übrigens drei Leute zum Exportteam von Pharma Press, die alle genauso sicher deutsch sprechen wie sie Erwartungshaltung ihrer deutschen Kunden kennen.

In ausländischer Relation werden übrigens die gleichen Preise verwendet, die auch ungarischen Kunden gegeben werden. Für die Kunden in Deutschland ergibt sich daraus ein Kostenvorteil von rund 20 Prozent gegenüber deutschen Druckereien. Die Transportkosten stellen inzwischen kein großes Thema mehr da. Die Kunden müssen sich also keine Sorgen machen, dass die Kostenvorteile bei den Druckereiprodukten durch möglicherweise höhere Transportkosten wieder wegschmelzen. Ganz im Gegenteil „Auf Grund der günstigeren Lohnverhältnisse bei ungarischen Spediteuren ist eine Druckereilieferung via deutscher Spedition von Berlin nach Frankfurt höchstwahrscheinlich teurer als eine Lieferung von Budapest nach Frankfurt.“

Zeit sei auch kein großes Thema mehr: „Mittels ausreichend getesteter ungarischer Spediteure ist die Ware innerhalb von höchstens 24 Stunden nach Drucklegung überall in Deutschland beim Auftraggeber. Um die Prozesse noch weiter zu beschleunigen und noch besseren Kontakt mit den deutschen Kunden halten zu können, plant Pharma Press jetzt sogar die Eröffnung eines eigenen Vertriebsbüros in Deutschland.

Zeitersparnis durch besseres Produktionslayout

Generell positiv auf die Produktionszeiten wird sich demnächst auch der Umzug an den neuen Standort mit einer wesentlich größeren Halle auswirken. Die Investition wird nicht nur dazu beitragen, dass sich die Kapazitäten der Druckerei erhöhen. Durch eine durchdachte und kompromisslose Platzierung der Maschinen wird auch dafür gesorgt, dass Druckaufträge wesentlich schneller abgearbeitet werden können. „In einer Zeit, in der sich auf Grund des Wettbewerbs die Preise immer weiter angleichen, kommt Parametern wie Qualität und Zeit eine immer höhere Bedeutung zu“, erklärt Eigentümer Dr. Ábel D. Dávid. Auf Grund der zahlreichen, diesbezüglich in den letzten beiden Jahren getroffenen Entscheidungen ist er zuversichtlich, dass seine Druckerei auch weiterhin ganz vorn mit dabei sein wird und der von seinem Vater begonnene Weg erfolgreich fortgesetzt wird.

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