Saisonal und um Kalendertage bereinigt kletterte das BIP im Vergleich zum I. Quartal um 0,9%. Im I. Halbjahr erhöhte sich das BIP im Jahresvergleich um 3,7%. Wie die Hauptabteilungsleiterin des KSH, Zsuzsanna Boros-Szőke, sagte, wurden die BIP-Daten des II. Quartals deutlich durch den geringeren Anstieg der Industrieproduktion beeinträchtigt, während auch der Agrarsektor nach dem Rekordjahr 2016 einen Rückgang auswies. Dennoch darf das Wachstum weiterhin als dynamisch beurteilt werden.

Die Analysten sehen trotz der enttäuschenden Daten keinen Grund zur Besorgnis. Péter Virovácz, Chefanalyst der ING Bank, betonte, nach dem deutlichen Anstieg im I. Quartal war zwar eine Verlangsamung zu erwarten, jedoch keine so deutliche. Dennoch werden die Wirtschaftsaktivitäten im II. Halbjahr erstarken. Gleichwohl befindet sich das Plus im Privatverbrauch noch nicht im Einklang mit den Einzelhandelsdaten, ebenfalls ein Grund für die negative Überraschung. Für positive Effekte könnten allerdings die erhöhten Investitionsaktivitäten hauptsächlich im Wohnungsbau und im verarbeitenden Gewerbe gesorgt haben, meinte der Experte. Vom erstarkenden Welthandel konnten die ungarischen Exporte profitieren, allerdings ohne einen wesentlichen Beitrag der Nettoexporte zum BIP-Anstieg. Der Analyst der Takarékbank, Gergely Suppan, hob hervor, dass es im II. Quartal drei Werktage weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres gab; dies ist ein weiterer Grund für das ausgebremste BIP-Wachstum.

Das Wirtschaftsministerium hält auch nach Veröffentlichung der KSH-Daten an seiner Prognose von einem diesjährigen durchschnittlichen BIP-Zuwachs von 4,1% fest. Das Wachstum sei nachhaltig, die externe Finanzierungsfähigkeit des Landes weiterhin hervorragend, die externe Verschuldung Ungarns sinke kontinuierlich. Zur gleichen Zeit müsse man sich vom Paradigma der niedrigen Lohnkosten befreien. Die sechsjährige Lohnvereinbarung vom vorigen November diene diesem Ziel. In den ersten fünf Monaten 2017 kletterten die Löhne um 12,1%.

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